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Neuigkeiten bei Schwarzwald Kaffee Offenburg

Am vergangenen Dienstag besuchte ich wieder einmal Philippe Suty, der im badischen Offenburg die Schwarzwald Rösterei betreibt.

suty

Philippe Suty

Als erstes fiel mir auf, dass Suty mittlerweile Elektra Handhebelmaschinen verkauft. Er hat sich dazu entschlossen, da nach seiner Ansicht der perfekte Espresso aus einer klassischen Handhebelmaschine stammt. Allerdings musste Suty auch zugeben, dass es schon einiger Übung mit Maschine und Mühle braucht, bis der perfekte Espresso aus dem Siebträger läuft. Um auch seine Kunden an die Handhebelmaschinen heranzuführen, wird er im kommenden Frühjahr Workshops anbieten, in denen der Umgang mit den Maschinen trainiert wird.

Bei meinem Eintreffen war Philippe Suty gerade dabei, eine Weihnachtsröstung in seinem Probat Trommelröster zu produzieren. Nach einem alten südbadischen bzw. oberelsässischen Rezept wird Costa-Rica Tarazzu zusammen mit grünen Kardamomkernen schonend geröstet. Nach der Röstung kommt feiner Zimt aus Sansibar hinzu. In 6 Kilogramm Rohkaffee finden sich 4 Kardamonkerne, die nach dem Rösten ersteinmal gefunden und entfernt werden wollen.

Der Prototyp der Abfüllanlage

Der Prototyp der Abfüllanlage

Für einen Kunden hatte Suty 180 250gr-Päckchen mit der Weihnachtsmischung abzufüllen. Wer selbst schon einmal geröstet und anschließend abgefüllt hat, weiss, welche Arbeit dies macht. Im Moment arbeitet Philippe Suty noch mit einer Konstruktion Marke Eigenbau, bei der jede Tüte von Hand einzelnd gewogen, abgefüllt, verschweisst und verpackt werden muss – alles in allem braucht Philippe eine Minute pro Packung. Da sich solche Groß-Aufträge aber in letzter Zeit häufen, ist Suty gerade dabei, eine Maschine zu entwickeln, die halbautomatisch abfüllt. Wenn diese Abfüllanlage einmal aus dem Prototypen-Stadium entwachsen ist, sollen damit kleine Röstereien, die einen Jahresausstoss von 2 bis 200 Tonnen haben, arbeiten können. Ein erstes Foto des Prototypen sehen Sie hier.

Abschließend zeigte mir Suty noch den Relaunch seiner in die Jahre gekommenen Unternehmenshomepage – neben dem neuen Design und der verbesserten Usebility wird Philippe Suty in einem Blog sein Wissen über den Kaffee und das Rösten an den interessierten Kunden und Röst-Kollegen weitergeben.

Wenn es soweit ist, berichte ich natürlich. Für mich ist es abschließend wirklich beeindruckend, mit welcher Liebe und Hingabe Philippe Suty mit “seinem” Kaffee arbeitet und welche Ernergie er aufwendet, seinen Kunden besonderes zu bieten und sein Angebot darum sinnvoll zu ergänzen. Und trotz dieses Aufwandes ist Suty stets mit einem Lächeln bei der Arbeit. Die Zufriedenheit, die er ausstrahlt, ist für mich Vorbild.

Johannes Lacker

P.S.: Ab Anfang 2009 werden die Röstungen aus der Schwarzwald Rösterei übrigens auf verschiedenen Wochenmärkten in der Pfalz angeboten – dafür ist ein mobiler Verkaufswagen in der Region der Deutschen Weinstraße unterwegs.

Schwarzwald-Kaffee Offenburg – der Bericht

Wie schon angekündigt, folgt heute der Bericht meines Besuches in der Rösterei von Philippe Suty im badischen Offenburg. Natürlich liegt Offenburg nicht in der Schweiz, allerdings im allemannischen Sprachraum, so wie die (Deutsch-) Schweiz und das Elsaß.

Aus dem Elsaß stammt auch Philippe Suty. Geboren im Jahre 1960 auf der anderen Seite des Globus (in Neukaledonien), wuchs er in der Ortenau auf. Als Sohn eines französichen Berufssoldaten besuchte er die Schule in Straßburg, wo er auch selbst seinen Armeedienst absolvierte.

Allerdings entschloß sich Suty nicht den Weg seines Vaters zu gehen, sondern sein Glück in der Gastronomie zu suchen. Und dieser Weg führte ihn schließlich zur eigenen Kaffeerösterei in Offenburg. Seit 2002 röstet Suty nun in der Spitalstraße 6 bekömmliche, nahezu säurefreie und daher sehr magenschonende Kaffees.

Seine Kaffees werden in einem Probat-6kg-Trommelröster Baujahr 1996 geröstet. Dem Röster gehört Suty’s ganze Aufmerksamkeit, jedes Geräusch wird wahrgenommen. Geröstet wird nach Gefühl, Gehör  und Augenmaß. Zwischen 15 und 18 Minuten und niemals über 180°C. Dadurch entstehen sehr schonend geröstete Kaffees, die von eher heller Röstfarbe sind. Für Suty ist es wichtig, nicht bei zu hohen Temperaturen zu rösten, um das Sieden der ätherischen Kaffeeöle innerhalb der Bohne zu verhindern.

Aufgrund der mittlerweile recht hohen Nachfrage nach seinen Kaffees röstet er zwei seiner Kaffees (u.a. den Santos do Brasil) bei Cafés Henri im benachbarten Elsaß. Der dortige Trommelröster verarbeitet 120 kg Rohkaffee mit einer Röstung – in knapp 20 Minuten.

Während des Röstens, bei dem sich Philippe Suty gerne über die Schulter schauen lässt, erzählt er immer wieder einige Anekdoten rund um den Kaffee. Oder zeigt die Fundstücke aus seinen Rohkaffeesäcken: Steinchen, Holz und sogar Nägel aus aller (Kaffee-) Welt (siehe Foto).

Im Jahre 2005 nahm Suty das erste Mal an den Deutschen Röstmeisterschaften teil und erreichte damals den vierten Rang. Er selbst war mit dieser Platzierung recht unzufrieden, denn den dritten Platz hatte er nur um 0,3% verfehlt. Doch als die Nachricht der Platzierung seine Offenburger Kunden erreichte und diese auch über die “Holzmedaille” begeistert waren, war Suty angestachelt: im Jahre 2008 erreichte er in Frankfurt bei den Deutschen Meisterschaften die nötige Punktzahl, um sich Deutscher Meister 2008 nennen zu dürfen. Bemerkenswert dabei ist, dass Suty als Franzose diesen Titel gewann. Dazu muss man wissen, dass die Deutschen Meisterschaften offen sind. Suty aber plant bald auch französische Meisterschaften auszurichten, die er dann natürlich auch gewinnen will.

Um auch anderen einen Eindruck seiner meisterlichen Röstkunst zu vermitteln, produziert Philippe Suty eigene Videos, die er über YouTube ins Netz stellt:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=zYjXo_DXa-k]

Nur einen Kaffeeblog schreibt Philippe Suty (noch) nicht. Einen Besuch und die Verkostung seiner Kaffees ist die Schwarzwald Rösterei dennoch wert. Und in die Schweiz sind es ja über die A5 auch nur noch wenige Kilometer in Richtung Basel (womit wir dann thematisch wieder in der Schweiz wären).

Einen schönen Abend mit Offenburger Kaffee wünscht

Johannes Lacker