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Schweizer Schokolade – Wie die Schweiz zum Schokoladenland wurde (Teil 1)

Die Schweiz ist das Land der Schokolade. Mögen andere Länder, so z.B. Belgien, Frankreich oder Italien, auch sehr feine Schokoladen produzieren, ohne die Schweizer Schokoladenpioniere wären sie wahrscheinlich nie so weit gekommen.

Die Schweizer zeigten schon früh ein besonderes Talent darin, Leckereien und Süssigkeiten zu produzieren. Bereits im 18. Jahrhundert bildete sich im Tessiner Bleniotal eine europaweit bekannte Tradition der “cioccolatieri” heraus. Sie lernten das Handwerk in Italien und brachten ihr Wissen mit in die Schweiz. Auch die ausgewanderten Zuckerbäcker aus Graubünden, die in ganz Europa als Konditoren Berühmtheit erlangten, genossen einen ausgezeichneten Ruf als Schokoladenmacher.

Geradezu paradox ist es jedoch, dass die Schweizer ein Produkt erfolgreich machten, dessen Grundprodukte, nämlich Kakao und Zucker, teuer importiert werden mussten. Diesen Erfolg verdanken sie vor allem ihrer Vorliebe für bestmögliche Qualität. Sie entstammt dem Bewusstsein, sich als kleines Land gegenüber ausländischer Konkurrenz nur durchsetzen zu können, wenn ihre Produkte besser als alle anderen sind. Und so fand auch die Schokolade in der Schweiz ihrer wichtigsten Verfechter.

Die erste Schweizer Schokoladenmanufaktur

Wie erwähnt erlernten die  Schokoladenpioniere ihr Handwerk nicht in der Schweiz, sondern vornehmlich in Italien. Einer dieser Pioniere, François-Louis Cailler (1796-1852) ging als “Gastarbeiter” nach Mailand, um in der dortigen Caffarel Schokoladenmanufaktur das Chocolatier-Handwerk zu erlernen. Als Maître Chocolatier mit selbst entwickelter Schokoladenreibe kehrte Cailler 1819 aus Italien zurück und gründete die erste, heute noch existierende Schweizer Schokoladenmanufaktur Cailler mit Sitz in Corsier bei Vevey.

Das exotische Produkt wurde damals in der Schweiz als Stärkungsmittel in Apotheken verkauft – zu einem Preis, den sich nur Reiche leisten konnten.

Um dies zu ändern produzierte François-Louis Cailler nach seiner Rückkehr in die Schweiz mit Hilfe industrieller Verfahren eine für viele Menschen erschwingliche Schokolade von höchster Qualität.

Suchard folgt Cailler

Philippe Suchard (1797 – 1884) begann 1815 eine Lehre als Konditor zusammen mit seinem Bruder in Bern. Nach dem Ende der Lehre und einem USA-Aufenthalt eröffnete Suchard im Jahr 1825  eine Confiserie in Neuchâtel, aus der 1826 eine Schokoladenmanufaktur in Serrières entstand. Suchard produzierte anfangs bereits 25 bis 30 kg Schokolade täglich. Suchard betreibt sein Schokoladenhandwerk höchst erfolgreich: 1880 entsteht im deutschen Lörrach eine erste ausländische Tochtergesellschaft. Eine Statistik aus dem Jahre 1883 weist die Fa. Suchard als die erste Schokoladenmanufaktur aus, die 50% der nationalen Produktion beansprucht und mehr als die Hälfte aller Menschen beschäftigt, die in der Schweizer Schokoladenindustrie tätig sind.

Erfindung der Haselnussschokolade

Als Grosshändler für koloniale Lebensmittel handelte Charles-Amédée Kohler (1790 – 1874) in Lausanne bereits mit verkaufsfertiger Schokolade. 1830 beginnt er, selbst Schokolade zu produzieren. Wie schon Cailler und Suchard ist er ständig darum bemüht, die Vielfalt der Schokoladensorten zu vergrössern. Bei einem seiner Versuche mit verschiedenen Zutaten verbindet er geröstete Haselnüsse mit Schokolade: die wichtige Erfindung der Haselnussschokolade ist gemacht. Zusammen mit seinen Söhnen produzierte er seine neueste Schokoladenkreation erfolgreich in Lausanne.

Im zweiten Teil über die Schweizer Schokolade lesen Sie über Rudolf Sprüngli-Amman, Aquilino Maestrani und Daniel Peter – weiteren Pionieren der Schweizer Schokolade.