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Kaffeeszene Schweiz

Martello: Neue Konkurrenz für Nespresso in der Schweiz

Offenbar ist das sogenannte “Öl-Lampen-Prinzip” auch bei Kaffee so erfolgreich (“billige Maschine, teurer Kaffee”), dass immer wieder neue Anbieter auf den Markt drängen. Mit Martello betritt nun ein weiterer Anbieter den Schweizer Markt. Damit wird der Siegeszug des Portionen-Kaffees beschleunigt, auch wenn dieser in der Öffentlichkeit aufgrund der ökologischen Bilanz der Kapseln sehr kritisch gesehen wird.

«Cheaper. Nothing else!» Die Werbe-Botschaft der Kapselmaschinenherstellerin Martello ist klar. Ebenso wie die Ambitionen der Muttergesellschaft Superespresso mit Sitz in Mauren, Liechtenstein. Das Ziel ist klar gesteckt, man will die Nummer zwei werden auf dem Schweizer Markt, nach Nespresso. Die Maschinen und Kapseln werden seit Anfang November exklusiv vom Detailhandelsriesen Coop vertrieben.

md_129669Für Coop ist Martello «eine Alternative zu Nespresso», so Sprecher Nicolas Schmied. Der Branchenprimus sieht das freilich anders. «Martello bewegt sich deutlich in einem anderen Zielsegment», klassiert Hans-Joachim Richter, Sprecher Nestlé Nespresso, die neue Konkurrenz. «Nespresso ist eine Super-Premium-Marke.»

Dass sich Nespresso durch Martello und andere Systeme wie Tassimo nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist nachvollziehbar. Seit 2000 legte Nestlés Tochter ein durchschnittliches Umsatzwachstum von jährlich 35 Prozent hin. Die Zielmarke von zwei Milliarden Franken dürfte bereits 2008 – und damit zwei Jahre früher als geplant – erreicht werden. Da der portionierte Kaffee in Europa und den USA erst 4 Prozent des Volumens und 8 Prozent des Gesamtwertes ausmacht, gibt es noch ein grosses Wachstumspotenzial. Eines, das durch immer mehr Marktteilnehmer sogar noch beschleunigt wird. Das kommt Nespresso entgegen.

Die Firma aus Vevey ist schon heute damit beschäftigt, mit ihrem Erfolg Schritt zu halten. Wegen grosser Kunden-Nachfrage plant Nestlé, diverse ihrer Boutiquen in der Schweiz zu vergrössern.

Auch sonst nimmt Martello mutig den Kampf mit Nespresso auf. Coop scheute keine Kosten, um die neue Kapselkaffeelinie in der Sonntagspresse zu bewerben. In allen Schweizer Sonntags-Titeln war jeweils ein zweiseitiges Inserat zu finden, dass die Leser vom neuen Kapselsystem zu überzeugen versuchte. Dies auf eine charmante und bekannte Art zugleich. Dem aufmerksamen Leser dürfte aufgefallen sein, dass es sich bei den Inseraten um eine provokative Anlehnung an den Werbeauftritt von Nespresso handelt. Statt Filmstar George Clooney starrte ein Unbekannter den Leser an. Die Headline: “Cheaper. Nothing else”.

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Das könnte nun ein juristisches Nachspiel haben. Momentan werden Nestlé-intern die Grundlagen ­für rechtliche Schritte gegen diese offensichtliche Nachahmung der bekannten George-Clooney-Kampagne überprüft.

Im sensorischen Test kann Martello allerdings nicht mit Nespresso mithalten. Im aktuellen Kaffee-Kapsel-Test des Schweizer TV-Verbrauchermagazins “Kassensturz” wurde der Martello-Espresso nur mit “3” (in D “4”) bewertet, der Nespresso-Espresso mit einer “5.5” (in D “1,5”), womit er eindeutig als Testsieger hervorging.

Trotzdem darf man gespannt sein, wie sich Martello auf dem Schweizer Markt schlägt. Wir halten die Augen offen.

Nachtrag vom 29.11.:

Habe mir gerade mal die deutsche Martello Seite angeschaut: begrüßt werde ich dort vom ehemaligen RTL-Shop Moderator Walter Freiwald. Unter der Rubrik “Teleshopping” finde ich dann auch den Go Duster Staubwedel und die magische 3-Punkt-Massagehand . Sie fragen sich, was das mit gutem Kaffee zu tun hat? Nichts.