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Blaser Café reagiert auf Kundenfeedback

Gestern erhielt ich vom Nutzer “BM2” aus dem Kaffee-Netz eine Nachricht zu von ihm gekauften Kaffeemischungen aus dem Hause Blaser Café.

“BM2” erschienen die Mischungen als durchweg zu sauer. Da ich mir das selbst auch nicht erklären konnte, habe ich Marc Käppeli, dem Geschäftsführer von Blaser Café, das Feedback von “BM2” einfach weitergeleitet.

Nachdem Marc Käppeli sehr offen geantwortet hat, möchte ich Sie in Auszügen an dem Mailverkehr teilhaben lassen. “BM2” schrieb:

Ich war Anfangs Januar in der Blaser Zentrale und hab je ein Paket Lilla [e Rose], Rosso [e Nero] und St.Tropez mitgenommen, […].

MDH ist jeweils 8./9.12.2010, also eigentlich relativ frische Ware. Aber aus allen krieg ich nur Espressi, die (für meinen Geschmack) zu sauer sind. Ich hab relativ viel probiert, Dosierung, Mahlgrad, Temperatur, Reinigung – immer eher sauer, selbst wenn die (auf die schnelle besorgten) Vergleichsröstungen Rast Tres Rio & Milano + Semeuse Brasilia schon in’s bittere abdriften. Leider hab ich auch keine Gastrokiste in der Nähe, wo ich das gegenchecken könnte. […]

Kann mir das überhaupt nicht erklären, da bei Blaser ja wohl alles vollautomatisch abläuft und die Röstprofile wohl immer gleich sind.

Und Marc Käppeli antwortete darauf:

Besten Dank für Dein Feedback. Auf solche [Feedbacks] sind wir angewiesen, um uns ständig verbessern zu können. Ich kann Dir versichern, dass am Röstprofil und an der Mischungs-zusammensetzung nicht verändert wurde. Jedoch ist und bleibt Kaffee ein Naturprodukt. Einzelne Provenienzen haben je nach Saison und Alter (nach Ernte) einen anderen Flavour. Wir haben festgestellt, dass die Ernte aus Brasilien (wir verwenden unwashed NY2 17/18 Estate) eher säuerlicher ausgefallen ist als “normal”. Und gerade im Brazil sollte dies nicht der Fall sein, wird dieser als geschmacksneutraler Kaffee doch als “Füller” in den Mischungen verwendet. Zudem war der eine oder andere Container evtl. noch etwas zu frisch und daher leicht “grasig” im Geschmack.

Dann hatten wir auch einen Lintung aus Indonesien an Lager, der viel mehr Säure als “normal” aufwies. Dies haben wir leider auch erst nach Einfüllung ins Silo bemerkt. Gerade im Lilla und St. Tropez ist dieser als geschmacksprägender Anteil spürbar. Das Problem sollte sich mit Abpackungen neueren Datums nicht mehr zeigen.

Ehrlichgesagt hat mir die Antwort von Marc Käppeli richtig Freude gemacht. Erstmal, weil ich wieder etwas für mich gelernt habe und zum anderen, weil es zeigt, dass Kaffee ein hochkomplexes Naturprodukt ist, welches natürlichen Schwankungen unterliegt. Und zuletzt, weil Marc Käppeli offen und ehrlich antwortet. Allerdings zeigt das Kundenfeedback auch, dass es (immer mehr) Kaffeetrinker gibt, die Kaffee geniessen und nicht nur konsumieren. Und beim geniessen kann man, mit etwas Training, auch geschmackliche Nuancen bzw. Veränderungen feststellen.

In diesem Sinne einen genussvollen Abend wünscht

Johannes Lacker

P.S.: Wichtig zu erwähnen ist noch, dass die Kaffeemischungen nicht “sauer”, sondern die Fruchtsäuren der Arabicabohnen stärker ausgeprägt waren, als das in den genannten Mischungen normalerweise der Fall ist.

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Blaser Café Lilla e Rose

Wie schon angekündigt verkoste ich gerade die Mischung Lilla e Rose der Rösterei Blaser in Bern.

Die Kaffeefirma Blaser, welche 1922 gegründet wurde, gehört zu 100% der Gründerfamilie und ist damit in der Schweizer Kaffeebranche eher eine Ausnahme. Das gesamte Unternehmen (inkl. der auf den Rohkaffeehandel spezialisierten Blaser Trading AG) wird von Markus Blaser geführt. Mit Marc Käppeli hat ein Vertreter der vierten Generation die Geschäftsführung der Blaser Café AG (Röstkaffee – und Teehandel) übernommen.

Blaser Café ist eingebettet in die internationale Elite der Barista-Szene und so wurden mit der Mischung Lilla e Rose bereits viermal die Schweizer Barista Meisterschaften gewonnen.

Die Lilla e Rose Mischung besteht aus den 12 besten Arabica Kaffeebohnen aus Mittel- und Südamerika. Jede Bohnensorte wird noch vor dem Mischen separat langsam (zwischen 12 und 18 Minuten) in der Drehtrommel geröstet, was den optimalen Röstgrad jeder Kaffeebohne gewährleistet und dementsprechend auch die beste Qualität ergibt.

Doch hier meine perönlichen Eindrücke zu Lilla e Rose:

Was mir gleich beim Öffnen der Kaffeetüte auffiel, war der intensive Kaffeeduft, sehr angenehm und vollaromatisch. Das Aroma macht wirklich gleich Lust auf Mehr. Als erstes trank ich Lilla e Rose als Espresso (soweit den ein Vollautomat überhaupt herstellen kann). Ehrlichgesagt hätte ich, nach dem tollen Duft, ein intensiveres Geschmackserlebnis erwartet. Mir fehlte etwas das Volumen. Was mich jedoch begeisterte, war die feine Eleganz des Kaffees. Fruchtig mit langem Abgang (der Kaffeegeschmack verbleibt noch lange auf der Zunge).

In der Siebträgermaschine entwickelt der Lilla e Rose tolle florale Aromen. Das dies auch dem gewünschten Geschmacksprofil entspricht, zeigen die floralen Ornamente, die sich auf der Verpackung des Lilla e Rose finden. Und der Name “Lilla e Rose” (“Flieder und Rose”) ist in dem Fall wirklich Programm.

In meinen Augen groß in Form kommt Lilla e Rose in Verbindung mit Milch. Als Cappuccino wirklich intensiv im (leicht süsslichen) Geschmack, so dass ich gerne zur zweiten (und dritten) Tasse greife.

Fazit: mir als Espresso zu mild, aber für Cappuccino und Latte Macchiato eine echte Empfehlung.

Ergänzend dazu noch eine weitere Beurteilung der Mischung Lilla e Rose von Blaser im Gilco-Blog. Und soll ich jetzt noch eine vierte Tasse dieses Schweizer Kaffees geniessen(?) … keine Frage!