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Steigende Kaffeepreise – Horror oder Segen?

In den vergangenen Tagen konnte man in der (Schweizer) Presse lesen, dass die Kaffeepreise für den Konsumenten wieder steigen werden. Hintergrund wäre vor allem die schlechte Ernte in Brasilien.

Der interessierte Kaffeetrinker beobachten schon seit Monaten ein ständiges Auf und Ab der Kaffeepreise. Erst vor Kurzem hat Aldi den Kaffeepreis gesenkt, jetzt scheint sich der Kaffeepreis jedoch wieder nach oben zu bewegen.

Roger Wittwer, Inhaber und Röstchef der Kafischmitte in Langnau im Emmental hat dazu nun einen Artikel für seinen Newsletter geschrieben, den wir hier freundlicherweise übernehmen dürfen. Wir tun dies sehr gerne, da er sehr deutlich Licht hinter das Dunkel der Kaffeepreisbildung bringt:

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Die steigenden Kaffeepreise beschäftigen derzeit die Kaffeebranche und die Konsumenten. Medien berichten teils mehr subjektiv als objektiv. Die Artikel schwanken zwischen dem angeblichen Horrorszenario vom explodierenden Kaffeepreis bis zu dessen erfreulichen Rückgang. Niemand weiss eigentlich was passiert. Regnet es in Brasilien die nächsten Wochen, dann wird das wahrscheinlich Entspannung bringen auf dem Kaffeemarkt. Wenn kein Regen fällt, dann sind wir alle arm dran, weil der Kaffeepreis steigt (jedenfalls wenn man den Medien und Experten glaubt).

Die Frage ist aber: Wie schlecht sind steigende Einkaufspreise bei Kaffee wirklich? Und für wen sind sie schlecht? Profitieren die Konsumenten am Ende gar von steigenden Preisen? Finden wir’s raus!

Standardkaffee oder Spezialitätenkaffee?

Der Handel mit Kaffee ist bisweilen sehr theoretisch und für den Kaffeegeniesser nur schwer nachvollziehbar. Der allergrösste Teil der weltweit gehandelten Kaffees sind Standardkaffees (sogenannte Commercial Coffees, oftmals schlicht Commodities genannt). Der restliche kleine Teil ist Spezialitätenkaffee. Transparenz im Kaffeehandel existiert so gut wie gar nicht. Wenn überhaupt, dann eigentlich nur im winzigen Spezialitätenkaffee-Segment. Schauen wir doch mal, wie die beiden Handelsmodelle so aussehen:

Börsenpreis des Standardkaffees der letzten Jahre
Börsenpreis des Standardkaffees der letzten Jahre

So wird Standardkaffee gehandelt:
Kaffee wird als Rohstoff an verschiedenen Börsen gehandelt. Der Einfachheit beziehen wir uns nur auf Arabica-Kaffee und die New Yorker Börse. Meist kaufen Händler Kaffee basierend auf dem Börsenpreis. (siehe Grafik oben). Hinzu kommt manchmal noch ein Zuschlag, welcher ein paar US Cent pro lb (453 Gramm) beträgt. Beispiel: Fairtrade Standards definieren ein Zuschlag (Differential zzgl. zum Kaufpreis) von 30 US Cent/lb für zertifizierten organisch angebauten Kaffee. Ist der Börsenpreis hoch, dann bekommen die Bauern mehr Geld und entsprechend weniger, wenn der Preis tief ist. Der Börsenpreis hat sich in den letzten Jahren ziemlich absurd bewegt. Er stieg im 2011 auf die 34-jährige Rekordmarke von über 3 USD/lb nur um dann im 2013 auf quasi 1 USD/lb abzustürzen und sich nun wieder auf knapp 2 USD/lb zu steigern. Es sind primär Spekulationen, die diesen Preis bestimmen. Basierend auf der Hoffnung vom einfachen Geld und nur wenig wegen Angebot und Nachfrage des Rohstoffes. Aktuell wird erzählt, dass uns aufgrund einer grossen Dürre in Brasilien eine Kaffeeknappheit bevorsteht. Deshalb gehen die Preise in die Höhe. Jeder darf glauben was er will. Wir denken nicht, dass dies der einzige Grund für diese massiven Preisschwankungen ist. Es ist immer interessant zu sehen, dass die grösseren Unternehmen (Detailhändler, Röster etc.) ihre Kaffee-Verkaufspreise hochschrauben wenn der Börsenpreis des Kaffees steigt. Manchmal sinkt der Kaffeepreis auch wieder wenn der Börsenpreis abstürzt. Dann aber gleich begleitet mit grossen Marketingmassnahmen nach dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“.

So wird Spezialitätenkaffee gehandelt:
Spezialitätenkaffee stützt sich nur bedingt auf den Börsenpreis. Manchmal werden einfach deutlich grössere Zuschläge auf den Börsenpreis gewährt oder aber auch völlig frei gehandelt. Wir handeln mit der KAFISCHMITTE mittlerweile über 90% unserer Kaffees direkt. Den Börsenpreis ignorieren wir komplett. Vielmehr bezahlen wir einen Preis basierend auf Produktionskosten, Kaffeequalität, Verpackungsart, Aufbereitungsart, Dauer der Beziehung mit dem Bauer etc. Der Kaffeebauer erhält von uns ein mehrfaches des Börsen- oder Fairtrade-Preises (diese beiden Preise sind heute weitgehend identisch). Andere europäische Spezialitätenröster pflegen ein ähnliches Handelsmodell. Die meisten jedoch gehen den weniger steinigen Weg und kaufen einfach, was die Händler anbieten. Diese Röster vertrauen darauf, dass diese Händler die Bauern schon einigermassen fair bezahlen werden…

Arnold Paz und seine Familie; unser Freund und Kaffeebauer in Honduras
Arnold Paz und seine Familie; unser Freund und Kaffeebauer in HondurasIm Klartext: Was verdient der Kaffeebauer?

Im Klartext: Was verdient der Kaffeebauer?

Im Mai 2013 durfte ich an Cup of Excellence in Honduras teilnehmen und dabei die besten Kaffees des Landes auswählen und prämieren. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch gleich unseren Freund und Kaffeebauer Arnold Paz, seine Familie und Finca San José besucht. Wir kaufen seit mehreren Jahren von ihm das Microlot El Volcan. Gemeinsam mit Arnold haben wir durchgerechnet und verglichen, was ein Kaffeebauer im Bereich des Standardkaffees im Gegensatz zu einem Spezialitäten-Kaffeeproduzent verdient. Damals lag der Börsenpreis bei 1.42 USD/lb. Bei Spezialitätenkaffee sind wir von einem Durchschnitt von 3 USD/lb ausgegangen. Für die KAFISCHMITTE sind 3 USD/lb zu tief. Wir bezahlen im Schnitt zwischen 4.50 – 6.00 USD/lb an die befreundeten Kaffeebauern. Aber den Durchschnitt für einen günstigen Kaffee im Spezialitätenkaffee-Segment trifft es recht gut.

Hier ist das Originalbild von Arnold (er zeichnet und schreibt gerne :-). Auf der linken Seite der Kaffeebauer, der Standardkaffee verkauft und rechts derjenige, der Spezialitätenkaffee verkauft:

Kaffeepreis-Vergleich von Arnold Paz

So weit so gut. Nun schlüsseln wir das etwas auf, damit wir alle dasselbe verstehen:

Dasselbe wie auf Arnolds Zeichnung aber mit Erläuterungen ergänzt
Dasselbe wie auf Arnolds Zeichnung aber mit Erläuterungen ergänzt

Was lernen wir daraus?

Wenn ein Kaffeebauer in Honduras seine Ernte für den Börsenpreis verkauft (in dem Fall 142 US Cents/lb), dann macht er pro Kilo einen Verlust von knapp 83 US Cents, was ziemlich massiv ist. Wenn der Spezialitätenkaffee-Bauer hingegen für 3 USD seinen Kaffee verkaufen kann, dann macht er pro Kilo einen Gewinn von 88 US Cents. Wohlgemerkt: 3 USD entsprechen dem doppelten Preis der heutigen Fair Trade Standards wie sie z.B. Max Havelaar bezahlt. Der Standard-Kaffeebauer wird nun entweder den Kaffeeanbau aufgeben oder die Produktionskosten senken. Die Produktionskosten sind der einzige Faktor, den er beeinflussen kann. Also wird er die Löhne der Pflücker drücken, schneller (und schlechter) Ernten, weniger Pflege, etc. Der Spezialitäten-Kaffeebauer hingegen wird motiviert sein noch bessere Preise zu erzielen. Dazu wird er die besten Pflücker beschäftigen und diese fair bezahlen, die Bäume besser pflegen etc.

Noch ist aber nicht alles rosig: Ein Kilo Kaffee, wird von Arnold und seinen Leuten von der Ernte bis zur vollständigen Verschiffung ca. 5 Monate verarbeitet. In Handarbeit und persönlich wird der Kaffee geerntet, sortiert, überwacht, kontrolliert, gewendet, umgefüllt, geliefert, verpackt. Das verdient deutlich mehr als einen Gewinn von 88 US Cents.

Was heisst das auf Konsumentenseite? z.B. hier in der Schweiz? Man müsste CHF 1.50 mehr pro Kilo Kaffee bezahlen um diesen Spezialitätenkaffee im Beispiel von Arnold zu finanzieren. In der Regel entspricht ein Kilo Kaffee dem Monatsverbrauch in einem Haushalt, dessen Mitglieder 4 Tassen Kaffee pro Tag trinken. Jede Tasse Kaffee, die wir trinken würde dabei um 1 Rappen teurer werden. Dafür bekommen wir dann aber Spezialitätenkaffee, der auch nach was schmeckt und dessen Preis deutlich über den gängigen Fairtrade-Modellen liegt. Die Kaffeebauern erzielen ein Einkommen und sind motiviert auch weiterhin Kaffee anzubauen.

Also was ist uns Kaffee Wert? Wie schlimm sind steigende Kaffeepreise wirklich? Für uns Konsumenten hier in der Schweiz kosten erhöhte Rohkaffeepreise (gemessen an einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen) so gut wie nichts (sorry für diese subjektive Pauschalisierung). Persönlich freue ich mich über steigende Rohkaffeepreise, denn für den Kaffeebauer bedeuten sie ein „normales“ Leben mit Freude am Kaffeeanbau und einer Option für die kommenden Generationen. Also freuen wir uns doch einfach mit den Kaffeebauern gemeinsam. Sie haben es nämlich verdient.

Coffee-Harvesting

Wenn Sie es tatsächlich bis hierhin geschafft haben, dann danke ich Ihnen ganz herzlich. Diese Materie interssiert sie offensichtlich und ich hoffe etwas Licht ins Dunkel des Kaffeehandels gebracht zu haben.

Geniessen Sie Ihren Kaffee. Ich bin sicher, er ist jeden Rappen wert.

Roger Wittwer

Dem schließe ich mich vollends an. Aber wie sehen Sie das Thema? Was sind Sie bereit für ein Kilo Kaffee auszugeben? Und wie stehen Sie zum Thema Fair Trade Kaffee bzw. Direct Trade?

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag mit dem braunen Gold

Johannes Lacker

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Fair Trade im Vergleich zu Direct Trade

Bei Facebook habe ich vor einigen Tagen folgende Grafik entdeckt, gepostet von Bird Rock Coffee Roasters in San Diego (USA). Diese beschreibt sehr gut den Unterschied zwischen Kaffee, der unter den Fair Trade Siegel gehandelt wird und solchem, bei dem der Kaffeerösterei direkt mit dem Kaffeeproduzentem, dem Kaffeebauern, zusammenarbeitet.

(c) Birdrock Coffee
(c) Bird Rock Coffee

In unserem Heppenheimer Ladengeschäft werde ich auch immer wieder mal auf Fair Trade Kaffees angesprochen. Diesen Kunden erkläre ich dann, dass wir keinen Fair Trade Kaffee führen, da wir ausschließlich nach Qualität einkaufen und Fair Trade (oder auch Bio) nicht zwingend für erste Qualitäten stehen. Fair gehandelter Kaffee kann auch schlecht schmecken. 😉

Zweites Argument, welches ich immer wieder anführe ist, dass bei Fair Trade in der Regel die Einzelhändler die Gewinner sind, nicht der Kaffeebauer oder -pflücker. Hintergrund dafür ist, dass der Einzelhändler in prozentualen Margen rechnet, nicht in EUR. Wenn sich der Kaffee also z.B. im Einkauf um 50ct (pro Kilo) erhöht, verlangt der Einzelhändler nicht einfach 50ct mehr, sondern, je nach kalkulierter prozentualer Handelsspanne z.B. 81ct. Das ist, wie gesagt, Ergebnis des prozentualen Rechnens im Lebensmitteleinzelhandel.

Deswegen wird das Fair Trade System immer wieder stark kritisiert.

In dieser Dokumentation wird deutlich, dass zum einen die Bauern nicht wesentlich mehr verdienen als im konventionellen Handel und dass zum anderen die verschiedenen Fair Trade und Bio Siegel häufig nur dazu dienen, den großen Kaffeehandelshäusern einen “grünen” Anstrich zu geben. Denn, wie oben beschrieben, man kann mit dem guten Gewissen der Endkunden durchaus noch mehr Gewinne einfahren.

Verurteile ich nun Fair Trade? Nein, das tue ich nicht. Fairen Handel unterstütze ich sehr gerne. Dazu sollte es aber in Zukunft nicht mehr möglich sein, dass Spekulanten an der Börse die Preise nach eigenem Nutzen diktieren. Deshalb favorisiere ich den fairen Handel beider Handelspartner direkt. Auf der einen Seite der Kaffeebauer und auf der anderen Seite der Kaffeeröster. Ohne zusätzliche Zwischenhändler, die alle auch ihr Geld verdienen wollen. Ohne eine Fair Trade Organisationsstruktur, die ebenfalls Geld kostet. Die Vorteile ergeben sich aus der obigen Grafik: Der Kaffeebauer bekommt für seinen Kaffee den Preis, den er zum eigenen (Über-)Leben braucht und der Kaffeeröster bekommt die Qualität, die er sich wünscht. Durch den direkten Austausch zwischen Farmer und Röster entstehen Partnerschaften, die sich zum gegenseitigen Nutzen  entwickeln. Mehr Qualität gibt mehr Geld. Und damit eine bessere Lebenssituation für den Bauern in den Produktionsländern.

Leider gibt es in Deutschland und in der Schweiz noch zu wenig Kaffeeröstereien, die direkt mit den Farmern Handel betreiben. In der Schweiz ist sicherlich einer der Vorreiter die Kafischmitte von Roger Wittwer in Langnau i.E.. In Deutschland gehört Quijote Kaffee in Hamburg zu den Direkt Trade Pionieren.

Es lohnt sich auf jeden Fall deren Betriebe einmal zu besuchen um sich über deren direkten Handel mit den Produzenten zu informieren. Gerade Roger Wittwer beschreibt in seinem Kaffeeblog seine direkten Beziehungen zu den Farmern sehr eindrücklich, Quijote Kaffee zeigt sich z.B. sehr transparent im Bereich der eigenen Unternehmenskalkulation oder dokumentiert auf Facebook die Reisen zu den “eigenen” Kaffeebauern.

Mein Fazit: Kaufen Sie besser direkt gehandelten Kaffee, denn das ist fair(er) für alle Beteiligten. Und der Kaffeequalität in der Tasse dient es erst recht!

Johannes Lacker

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Nachhaltigkeit beim Kaffeeanbau

In Zeiten von Globalisierung und weltweiter Ausbeutung gibt es zum Glück auch auf Seiten der Wirtschaft diejenigen, die sich dem entgegenstellen und ihren Anteil daran leisten die Welt ein wenig fairer zumachen.

Für die Anbauländer und ihre Bewohner sind dies in jedem Fall gute Nachrichten. Bedeutet dergleichen doch vor allen Dingen eine höhere Lebensqualität. Dank besserer Bezahlung, fairer Arbeitsbedingungen und höherer Erträge. Gerade der Nachhaltige Umgang wirkt sich positiv auf den Ackerboden und die Ernten der Folgejahre aus. Aber auch wir Kaffeekonsumenten profitieren davon. Zwar kostet fair gehandelter und zertifizierter Kaffee mehr, aber er schmeckt auch besser und ist deutlich gesünder. So finden beispielsweise beim Anbau von zertifiziertem Kaffee keine Pestizide Verwendung. Aber es wird auch in Hinblick auf Klimawandel darauf geachtet Ressourcen sparsam einzusetzen. Als ein immer wertvolleres Gut wird so auch Wasser nachhaltig und sparsam eingesetzt.

Für die Umsetzung und Kontrolle dieser Voraussetzungen für zertifizierten Kaffee nimmt eine Handvoll Organisationen entscheidende Schlüsselpositionen ein. Die prominentesten Namen darunter sind Rainforest Alliance, 4C Association, UTZ Certified, Tropical Commodity Coalition und Fairtrade Labbeling Organizations International. Durch sie werden weltweite Standards definiert, der nachhaltige Anbau kontrolliert und Kaffeefarmen zertifiziert. Immer wieder an ihren Programmen sind wichtige Größen aus dem internationalen Kaffeehandel. Ganz vorne mit dabei ist unter anderem das deutsche Unternehmen Tchibo.

Ganz gemäß der Standards der Zertifizierungsorganisationen hat Tchibo erkannt, dass auf die Dauer nur dann hohe Qualität in den Tassen seiner Kunden ankommt, wenn die Fruchtbarkeit der Böden erhalten bleibt und der Anbau den Kaffeefarmern auch die Möglichkeit gibt ihre Familien zu ernähren und einen gewissen Lebensstandard zu erreichen. Dazu kommt nicht nur der Schutz der Natur und der Böden, sondern gerade in heißen und trockenen Regionen Ressourcenmanagement. Wasser kann und darf nicht verschwenderisch in Kaffee gesteckt werden, wenn die Bevölkerung des Anbaulandes dursten muss. Nur zufriedene Arbeiter arbeiten auch so, wie es die Zertifizierungsorganisationen vorschreiben. Aus diesem Grunde hat sich Tchibo auch im Rahmen der eigenen Möglichkeiten einer sozialen Verbesserung in den Anbauländern verschrieben und unterstützt viele Projekte vor Ort.

Tchibo arbeitet dabei insbesondere mit UTZ Certified zusammen. Die 2002 gegründete Organisation zertifiziert weltweit etwa ein Drittel des als nachhaltig ausgewiesenen Kaffees. Obwohl sich die Vorgehensweisen der einzelnen Organisationen zur Zertifizierung untereinander unterscheiden, arbeiten sie doch alle eng zusammen um weltweit die Erzeugung und Verarbeitung von Agrarprodukten zu verändern und nachhaltiger zu gestalten.

Mit Tchibo an der Seite ist es UTZ schon sehr früh gelungen in Deutschland einen wichtigen und einflussreichen Partner für sich zu gewinnen. In den Jahren nach der ersten Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Unternehmen und der weltweiten Zertifizierungsorganisation sind viele weitere Händler und Discounter Tchibos Beispiel gefolgt. Dies gilt bei weitem nicht nur für Kaffee, sondern auch für Kakao, Süßwaren und Gebäck.

Auf lange Sicht gesehen kann es für uns alle keinen anderen Weg geben als lieber etwas mehr zu bezahlen und an diejenigen abzugeben, auf deren Rücken unser alltäglicher und selbstverständlicher Luxus aufbaut. Tchibo hat einen wichtigen Schritt getan und wir als Konsumenten haben es in der Hand anderen Unternehmen deutlich zu machen ebenfalls diesen Weg der Nachhaltigkeit zu bestreiten oder eben auf unsere Einkäufe in Zukunft zu verzichten.

Das allerdings auch auch nicht immer alles Gold ist, was glänzt, zeigen die aktuellen Berichterstattungen rund um den fairen Handel. Wie Spiegel Online und der Stern berichten, kommen nicht jedem Arbeiter auf den Kaffee-, Tee- und Kakao-Plantagen die höheren “Fair-“kaufspreise zu Nutze. Hier gilt es also auch für Unternehmen wie Tchibo ihren Einfluß geltend zu machen, damit jeder in der Verwertungskette Kaffee, Tee oder Kakao seinen Anteil bekommt, um damit sein Leben bestreiten zu können.

Johannes Lacker

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Nachhaltigkeit bei Kaffee und das Ergebnis in der Tasse

Auf der Süsswaren-Messe ISM traf ich die deutsche Top-Barista Nana Holthaus-Vehse von Barista World. Wir kamen unter anderem auf das Thema Nachhaltigkeit zu sprechen, über welches Nana auf dem Wiesbadener Kaffeekongress referierte.

Nachhaltigkeit von Lebensmitteln ist ja gerade sowieso eines der wichtigsten Themen, auch in der Kaffeebranche. Einige erfolgreiche deutsche Start Ups haben sich gerade der Nachhaltigkeit von Kaffee verschrieben, so z.B. der Berliner Coffee Circle oder das Green Cup Movement aus Passau. Und natürlich sind auch die Grossen der Branche dabei, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit durch die Nutzung  von diversen Zertifikaten zu demonstrieren: Die Logos der Rainforest Alliance, Utz Certified und Max Havelaar findet man immer wieder auf den Kaffeeverpackungen von Jacobs, Tchibo und Co.

Nachhaltigkeit find ich gut. Wenn Nachhaltigkeit bedeutet, dass die Resourcen der Umwelt geschont werden, die Kaffeebauern faire Preise für Ihre Produkte erhalten und keine Kinder auf den Kaffeeplantagen arbeiten, gefällt mir Nachhaltigkeit umso besser.

Aber, Hand aufs Herz, haben Sie die Nachhaltigkeit von immer mehr Kaffees bisher jemals in der Tasse geschmeckt? Oder schmeckt der Kaffee, den Sie heute in der Gastronomie trinken, genauso wie der, den Sie gestern ausgeschenkt bekommen haben? Nur, dass er jetzt ein Zertifikat trägt?

Dass Nachhaltigkeit ein Riesenthema ist, macht sich in der Tasse leider nicht bemerkbar. Im Intergastra-Magazin (begleitend zur Gasto-Messe Intergastra) schreibt der Kaffeemaschinenhersteller Coffema, dass für perfekte Ergebnisse [in der Tasse] kein Profi notwendig sei. “Unsere Siebträger[maschinen] bieten serienmässig alle Unterstützung, die auch absoluten Anfängern erlauben, wie ein Barista zu arbeiten.”

Offenbar weiss die Fa. Coffema nicht, was die Arbeit eines Barista ist. Denn ein professioneller Barista drückt mehr als nur einen Knopf an der Maschine, die dann, ganz ohne weiteres Zutun einer Kaffeefachkraft, einen Kaffee extrahiert. Nein, ein Barista hat vor allem Fachwissen, welches er sich angeeignet hat. Fachwissen über den Rohstoff Kaffee, über seine Ernte, über die Aufbereitung und seine Röstung. Und schliesslich weiss ein professioneller Barista auch, wie man einen perfekten Kaffee zubereitet, ohne dafür eine Maschine einzusetzen. Dieses Wissen, welches sich der Barista angeeignet hat, ist in der Regel von Nachhaltigkeit geprägt, denn die Berufsehre gebietet es ihm (oder ihr), den bestmöglichen Kaffeegenuss für den Kunden zu kreieren und ihn für das Handwerk des Baristas zu begeistern.

Nachhaltigkeit find ich gut. Wenn sie auch in der Tasse ankommt. Nachhaltigkeit bedeutet eben auch, dass Kaffee von Profis zubereitet wird und nicht von irgendwelchen kurz angelernten Aushilfen, die gerade mal wissen, dass Kaffee schwarz und heiss sein muss.

Doch über diese Nachhaltigkeit lese ich bei den Grossen der Branche nichts. Ganz ehrlich, ich habe nur den Eindruck, dass es dort um die Nachhaltigkeit des kommerziellen Erfolgs geht. Nachhaltigkeit und Fair Trade sind einfach chic, deswegen wird der Nachhaltigkeits-Gaul über das Parkett gejagt. Professionelle Baristi und eine perfekte Kaffeezubereitung, die das Produkt Kaffee wertschätzt, kosten Geld. Also nimmt man lieber Abstand davon. Hier ist Nachhaltigkeit nicht gefragt. Oder täusche ich mich?

Übrings: Nachhaltigkeit, wie sie professionelle Baristi betreiben, können Sie an den Deutschen Baristameisterschaften im März in Mannheim sowie an den Schweizer Baristameisterschaften in St.Gallen im Februar erleben.

Lassen Sie sich Ihren Kaffee schmecken.

Johannes Lacker

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Allgemein Kaffeeszene Schweiz

Coop handelt Kaffee fair und erhöht nicht die Preise?

Die Schweizer Coop stellt beim Eigenmarken-Kaffee auf Fairtrade um. Der Kaffee der Marke Qualité & Prix trägt ab sofort das Max-Havelaar-Gütesiegel für fairen Handel.

Dazu liest man in den Presse:

Damit erhöht Coop den Fairtrade-Anteil in seinem Kaffeesortiment von rund 5 auf rund 12 Prozent, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Künftig sollen sämtliche Kaffeebohnen für den Eigenmarken-Kaffee aus fairem Handel stammen. Der Preis der Produkte verändere sich durch die Umstellung nicht, schrieb Coop weiter.

Besonders der letzte Satz macht mich etwas stutzig. Die Preise für den Kaffee erhöhen sich nicht, aber der gekaufte Rohkaffee stammt aus fairem Handel. Daraus resultiert ja, dass die Coop den Kaffeebauern mehr Geld für den Rohkaffee bezahlt. Offenbar verzichtet die Coop damit auf Teile ihrer eigenen Gewinnmarge. Dabei ist zu bedenken,  dass diese bei der (Billig-) Eigenmarke Qualité & Prix ohnehin schon sehr gering ist.

Das ist sehr nobel von Coop – oder ist doch ein Trick dahinter?