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Kaffee & Espresso

"Ich würde so etwas niemals trinken."

Vor ein paar Tagen erhielt ich das aktuelle Crema-Magazin. Dabei erregte der Artikel “Gute Bohnen, schlechte Bohnen” meine besondere Aufmerksamkeit.

In besagtem Artikel wird die Rösterei Corsini aus Badia al Pino (in der Toskana bei Arezzo) besucht, die vor allem für den heimischen italienischen Markt produziert. Allerdings geht der Röstkaffee auch ins Ausland.

Exportleiterin bei Corsini ist Estel Gast, eine Holländerin. Über sie lese ich folgendes:

Für Deutschland, die USA und die anderen Banausen (sic!, KS) schreddert Corsini tonnenweise derbe Robustabohnen zu Filterkaffee. Auch der nach Deutschland verkaufte Espresso ist zweitklassig. Schuld sei die hohe deutsche Kaffeesteuer von über zwei Euro pro Kilo, beteuert Gast. Damit der Preis im Rahmen bleibt, muss Corsini den edlen Arabica-Bohnen viel Robusta beimischen. “Dennoch schreiben uns deutsche Kunden, dass dies der leckerste Espresso sei, den sie jemals getrunken hätten”, sagt Estel Gast. “Der Kaffee ist sicher nicht schlecht. Aber ich würde so etwas niemals trinken.”

Quelle: Crema 03/09

Nun habe ich mal etwas recherchiert und bekomme den Corsini Espresso für um die 18.00 EUR in den einschlägigen Online-Shops. Aus einem dieser Shops darf ich auch einmal zitieren:

Corsini Espresso, 1000g

Eine Mischung aus drei Sorten Arabica Bohnen und einer Robusta-Qualität, medium geröstet. Dieser Kaffee ist vollmundig im Geschmack. Er ist ein hochwertiger Espresso Kaffee und kann sehr wohl mit Milch als Cappuccino getrunken werden.

Quelle: ichwillkaffee.de

Aha. Ein hochwertiger Espresso, den Estel Gast allerdings niemals trinken würde. Ein Espresso aus dem Land der Espressi. Aus Italien.

Allerdings bekomme ich hier in Deutschland für das gleiche oder etwas mehr Geld auch Espresso-Qualitäten geliefert, die Estel Gast sicher trinken würde. Diese stammen dann aber nicht aus Italien. Sondern z.B. aus Offenburg von Schwarzwald Kaffee – Philippe Suty’s Espresso “Classica” konnte sich bei einer Blindverkostung der Deutschen Röstgilde immerhin den ersten Platz sichern.

Oder ich kaufe einen Espresso aus der Schweiz. Hier weiss ich, dass keine Export-Linien geröstet werden. Der deutsche Kunde erhält die gleichen Qualitäten geliefert, wie die Schweizer. Und dass sich die Schweizer nicht mit minderer Qualität abgeben, ist ja hinlänglich bekannt. Schließlich hat “Swiss Made” bei Lebensmitteln eine ähnliche Aussagekraft wie “Made in Germany” im Auto- und Maschinenbau.

Jedenfalls mache ich es so wie Estel Gast: ihren Kaffee werde ich nicht trinken.

Als bekennender “Eidgeniesser” bleibe ich bei den mir bekannten Qualitäts-Espressi aus der Schweiz wie dem Espresso Bar von Pausa Caffè, dem Rosso & Nero von Blaser Kaffee, dem Il Piacere von La Semeuse und der Tosca Mischung von Turm Kaffee.

Und vielleicht machen Sie es beim nächsten Mal ja so wie ich.

Johannes Lacker