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Wir gehen fremd: Quarta Caffè aus Lecce

Quarta Caffè – ja, dieser Espresso kommt tatsächlich nicht aus der Schweiz. Aber dennoch ist er wohl einer der beliebtesten Espressi der Schweiz.

In Basel behauptet man sogar, es sei der beste Espresso der Stadt: Alfons Schuwey vom Caffè eccetera schenkt dort den Quarta Caffè Argento aus.

Bei meinem letzten Basel Besuch im April habe ich mir ein Kilo vom Argento mitgenommen und ihn nun zuhause im Kaffi Schopp “Kaffeelabor” 😉 verkostet.

Quarta Caffè ArgentoDer Quarta Argento ist ein dunkler, ölig-dickflüssiger Espresso, wie man ihn aus den Regionen südlich von Neapel kennt. Sehr intensiv im Geschmack mit seinem hohen Robusta-Anteil, sind die Bohnen sehr dunkel geröstet.

Die dunkelbraunen, ja fast schon schwarzen Bohnen, glänzen ölig, der Geschmack wird von rauchigen Toastnoten bestimmt. Als Ristretto getrunken werden die Aromen von feinen Gewürzen, Erde  und süsslichem Gebäck noch intensiver.

Aufgrund dieses intensiven Geschmackes und der tiefbraunen Crema eignet sich der Quarta Caffè Argento auch und in erster Linie als Basis für Cappuccino, Latte Macchiato und Caffè Latte.

Doch warum ist der Quarta Caffè in der Schweiz so beliebt und in Deutschland relativ unbekannt? Die Lösung ist im Grunde ganz einfach. Im Rahmen des Arbeitskräftemangels in der Schweiz in den 1950er und 1960er Jahren kamen vieler Arbeiter aus Lecce in die Eidgenossenschaft, die sogenannten “Leccesi”. Sie brachten ihren Kaffee aus der Heimat mit und etablierten ihn in der Schweiz.

Heute ist es so, dass viele Schweizer Urlaub im Süden Italiens machen und dort den Quarta Caffè kennenlernen – dort allerdings eher die Qualita Rossa in der durchsichtigen Kunststofftüte. Und tatsächlich fragen bei Alfons Schuwey in Basel Kunden vor allem nach der Qualita Rossa, da sie die Tüte (und damit den Kaffee) aus dem Italienurlaub kennen.

Doch noch ein paar Worte zur Rösterei Quarta Caffè selbst:

Je weiter man in den Süden Italiens vorstösst, desto kürzer und kräftiger wird der Espresso.  Ganz unten am Stiefelabsatz hat Quarta Caffè seine Heimat. Das Unternehmen wurde in den 1950er Jahren im Herzen von Lecce gegründet. Neben der kleinen Kaffeerösterei gab es noch ein Café, um dort die Röstungen auszuschenken. Ziemlich schnell wurde dieses Café zu einem Treffpunkt für Lecces Einwohner und des gesamten Salento, der Halbinsel, die den Stiefelabsatz bildet. Und damit wuchs die Rösterei zum heutigen Unternehmen.

Wenn Sie also das nächste Mal in der Schweiz sind, kaufen Sie doch zur Abwechslung mal einen Quarta Caffè – den gibt es u.a. bei GLOBUS delicatessa oder online unter www.premium-kaffee.ch

Johannes Lacker

Bildquelle: premium-kaffee.ch

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Kaffeeszene Schweiz

Diesmal in Basel: 3. Schweizer TNT

Nach dem überragenden Erfolgen des Tuesday Night Trowdowns (Barista Battle) in Bern und Zürich ist diesmal die Nordwestschweiz Gastgeber und Austragungsort: im Basler Unternehmen Mitte.

Am Dienstag, 27. April trifft sich die (Basler) Barista Elite, um wieder den besten Barista unter sich auszuspielen.

Das besonders spannende ist, dass hier für viele die erste Gelegenheit ist, mit der neuen Dalla Corte DC Pro zu arbeiten, von denen das Unternehemen Mitte mittlerweile drei (!) ihr eigen nennt!

Die neue Dalla Corte DC Pro

Und natürlich liegt Basel geografisch so günstig, dass endlich auch mal die Baristi aus dem Grossen Kanton (=Deutschland) den Weg an den TNT finden sollten.

Den 27. April habe ich mir auf jeden Fall schon ganz rot in den Kalender eingetragen, damit ich endlich auch mal die tolle Atmosphäre am TNT live erleben kann.

Einen Vorgeschmack gibt das Video des 2. TNT aus dem Café Henrici in Zürich, wo sich die Schweizer Baristi im Januar trafen:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=7cGZzeGt0VA]

Also, auf nach Basel! Einschreiben ist um 19:30 Uhr, Beginn um 20:15 Uhr. Wie immer liegt das Startgeld bei CHF 5,00.

Und hier findet Ihr das Unternehmen Mitte:  Gerber Gasse 30 in 4001 Basel.

Johannes Lacker

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Kaffeeszene Schweiz

Zu Besuch auf der IGEHO in Basel

Am vergangenen Samstag hatte ich Gelegenheit, die IGEHO in Basel zu besuchen. Diese Gastronomie-Messe, welche nur alle zwei Jahre stattfindet, ist Treffpunkt der Schweizer Gastro- und Hotellerieszene.

Igeho Basel Haupteingang

Was mich selbst natürlich am meisten freute, war die Anwesenheit vieler Kaffeeröstereien, die zu grossen Teilen meine Lieferanten sind. So konnte ich die Stände von Cafè Badilatti, Bertschi Café, La Semeuse und Blaser Café besuchen und mit den jeweiligen Inhabern der Röstereien gute Gespräche führen. Doch auch Röstereien, die ich nicht in Deutschland vertrete, sind in Basel vor Ort: Illy Caffè (Thalwil), Amici (Illy Italy), Moka Efti, Chiocco d’Oro, Cerutti Caffè, Kolanda, Rosca, Real Café und O. Aeberhard (Regina Kaffee).

Messestand Blaser Café
Der Messestand von Blaser Café aus Bern

Besonders sehenswert sind auch die verschiedenen Kaffeemaschinenhersteller der Schweiz, die auf der IGEHO ausstellen: neben Schaerer, Thermoplan und Franke finden sich noch Cafina und Rex Royal. Aber auch die Fans italienischer Siebträgermaschinen kommen auf der IGEHO auf ihre Kosten: Elektra, Faema, La Nuova Simonelli, La Cimbali und Rancilio präsentieren ihr Sortiment.

Messestand Chicco d'oro
Der Messestand von Chicco d'oro

Was mir an der IGEHO gefällt, sind die kurzen Laufwege. Sie findet faktisch nur in zwei Hallen, allerdings über 5 Etagen verteilt, statt. Das Ambiente ist damit deutlich familiärer als auf der Anuga in Köln, die ich im Oktober besuchte. Und natürlich dreht sich hier fast alles um das, was mich am meisten beschäftigt: den Genuss aus der Schweiz.

So gesehen sollten Sie die Möglichkeit nutzen, die IGEHO zu besuchen – sie läuft noch bis Mittwoch, den 25.11.. Allerdings ist der Eintritt nur Fachbesuchern vorbehalten. Trotzdem war der Besucherandrag am Samstag-Nachmittag recht ordentlich.

Ich für meinen Teil freue mich auf jeden Fall auf die IGEHO in zwei Jahren – dann wieder in den Hallen der Messe Schweiz in Basel.

Johannes Lacker

P.S.: Zu empfehlen ist auch die Sonderschau “Treffpunkt Kaffee”, organisiert von der Swiss SCAE. Heinz Trachsel, National Coordinator der Swiss SCAE, stand am Samstag den ganzen Tag Rede und Antwort und führte durch die kleine Ausstellung rund um den Kaffee.

Swiss SCAE Heinz Trachsel
Heinz Trachsel (mitte, Swiss SCAE) im Gespräch mit Roger Bähler (li) und Markus Gemperli (re) von Turm Kaffee St.Gallen

…weitere Fotos auf der Kaffi Schopp Facebook Seite.

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Kaffeeröstereien

IGEHO z'Basel

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Bald ist es wieder soweit: die IGEHO, wichtigste Fachmesse für die Hotellerie, Gastronomie und den Ausser-Haus-Konsum in der Schweiz, öffnet wieder ihre Tore.

Vom 21. bis 25. November begrüssen über 800 Aussteller aus 20 Ländern Fachbesucher auf der Messe Basel.

Für mich als Kaffee Aficionado ist die Halle 2.1 besonders interessant: hier bietet die IGEHO eine Plattform ausschliesslich für Kaffee. Einerseits soll dort Know How vermittelt werden, andererseits soll die Messe Gelegenheit geben, Kontakt in die Kaffeebranche zu knüpfen. Dafür wird ausreichend Gelegenheit sein, denn folgende Schweizer Röstereien sind auf der IGEHO vertreten:

  • Amici Caffè AG (Illy)
  • Blaser Café
  • Hochstrasser AG
  • Cafè Badilatti
  • Kolanda AG
  • La Semeuse
  • Moka Efti
  • O. Aeberhard AG
  • Massimo Cerutti
  • Real Café

Zwei andere Sonderschauen beschäftigen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit (Halle 2.2) bzw. Energieeffizienz (Halle 1.0). Für die Feinschmecker unter uns sind sicher die Hallen 1.1 (Nahrungsmittel und Getränke) sowie die Halle 2.2 (Spezialitäten, Delikatessen, Weine) am interessantesten.

Mehr Infos zur Messe unter www.igeho.ch

“Uff wiiderluege z’Basel” bei der IGEHO sagt

Johannes Lacker

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Tour de Suisse 2010

Koffeein ist immer wieder mal als Dopingmittel im Radsport im Gespräch. Wahr ist, dass Koffeein den Fettstoffwechsel anregt und deshalb ein Espresso auf leeren Magen für ein morgendliches Training auf dem Velo sicher nützt. Unwahr ist, dass schon drei Espressi genügen, um schneller als Lance Armstrong die Pässe der (Schweizer) Alpen heraufzufliegen.

Dennoch ist der Espresso ein bei Velofahrern sehr beliebtes Getränk. Die Ausflüge von Radtouristikern (die in der Schweiz manchmal abschätzig “Gümmeler” genannt werden) sind dann auch gerne mal als “Cappuccino-Runden” verschrieen, da es bei diesen Radtouren angeblich nur von einem Café zum nächsten geht – was natürlich nicht stimmt! 😉 Dennoch ist eine Mittagspause bei einem Espresso ein bei Radsportlern beliebtes Ritual.

602px-Logo_Tour_de_Suisse.svgEinmal im Jahr fährt das Radsport-Peloton der Profis durch die Schweiz, so auch im Jahre 2010. Der Parcours des kommenden Jahres ist für mich, der enge Beziehungen zu den Kantonen Basel Land und Graubünden hat, besonders erfreulich ausgefallen: Etappenorte sind zum einen La Punt im Engadin und Savognin am Julier Pass, zum anderen wird das Abschlusszeitfahren in und um Liestal ausgetragen. Über Liestal hatte ich hier im Blog ja schon mehrfach geschrieben, sei es beim Bericht über die Basler und Liestaler Fasnacht, als auch in dem Artikel über Caffè Barone in Gelterkinden.

Das Organisationskomitee um Velo-Moto-Club Liestal Präsident Roger Aeschbach hat lange dafür gearbeitet, dass Liestal zum einen Ankunftsort der 8. Etappe (Wetzikon-Liestal) und zum anderen Start- und Zielort für das Abschlusszeitfahren Liestal-Basel-Liestal wird.

Allen Espresso-trinkenden Radsportfans sei neben dem Besuch der Tour de Suisse am 19. und 20. Juni 2010 auch ein wenig Zeit für die Region Basel empfohlen, da einige unserer Kaffi Schopp Lieferanten eben dort ihren Sitz haben: Bertschi Café in Birsfelden, die Chocolatiers Beschle und Idilio Origins und die bereits erwähnte Rösterei Caffè Barone von Tobias Konrad. Und wenn es dann wieder zurück “ins Dütsche” (=nach Deutschland) geht, sei das Caffè eccetera in Basel zum Abschlussespresso empfohlen.

Also – eines ist klar – den 19. und 20. Juni sollte man sich unbedingt reservieren für eine Radsport-Gourmet-Reise zur Tour de Suisse nach Liestal. Ich habe mir die Daten auf jeden Fall schon notiert.

Johannes Lacker

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Kaffi Schopp News

Idilio Origins: Swiss Premium Schoggi

Dass die Schweiz das Land der “Schoggi” ist, weiss jedes Kind. Doch die uns bekannte Schweizer Schokolade ist stets eine sog. Milchschokolade. Diese wurde vor über 130 Jahren von einem Schweizer namens Daniel Peter erfunden. Berühmt wurde sie vor allem deshalb, weil ein anderer Schweizer, Rodolphe Lindt, das Conchieren entwickelt hat, jenes Verfahren, welches der braunen, süssen Masse den unvergleichlich zarten Schmelz verleiht.

Die qualitativ sehr hochwertigen schwarzen und leicht bitteren Schokoladen kommen jedoch eher nicht aus der Schweiz, sondern vor allem aus Italien, Frankreich und Belgien.

idilio_logo1Gestern führte  ich nun ein einstündiges Telefonat mit Niklaus Blumer, seines Zeichens Geschäftsführer von Idilio Origins in Basel. Zusammen mit seinem Partner Pascal Wirth entwickelt er sehr hochwertige schwarze Schokoladen, die dann bei einem anderen Schweizer Schokoladen-Unternehmen, der Fa. Felchlin in Schwyz, produziert werden.

Ähnlich wie bei den gerösteten Kaffees, die durch Mischung verschiedener Rohkaffees aromatisch veredelt werden, werden bei Idilio insgesamt 10 verschiedene Schokoladen angeboten, bei denen das breite Spektrum der Geschmackskomponenten zu einem unverwechselbaren Aroma zusammengeführt werden.  Unter anderem verwendet Idilio in ihrer “1ero” die äusserst seltene Criollo porcellana, die Königin der Kakaobohne.

Beeindruckt hat mich im Gespräch mit Niklaus Blumer, dass er sich mit seinem Partner auf ausgesuchte Einzellagen und edele Kakaosorten konzentriert und mit den lokalen Produzenten direkt zusammenarbeitet. Das verbindet Idilio in ihrer Philosophie mit verschiedenen Gourmet Kaffeeröstereien, wie z.B. Rast in Ebikon, die ebenfalls den Anspruch der nachhaltigen Produktion verfolgen.

Im Kaffi Schopp wollen wir unseren Kunden die “Story” hinter dem jeweiligen Produkt liefern, das heisst wir informieren über die produzierenden Menschen, deren Motive und Visionen. Markus und ich legen dabei weniger Wert auf lautes Marketing, sondern auf Authenzität und Wahrhaftigkeit. Viele Produkte sind mittlerweile austauschbar, die Story und die Menschen hinter dem Produkt jedoch nicht. Und Idilio Origins liefert genau diese Story.

Idilio Origins - Premium Swiss Chocolate
Idilio Origins - Premium Swiss Chocolate

Zum Ende unseres gestrigen Telefonates versprach mir Niklaus Blumer, dass er mir ein paar Tafeln Schokoladen zum verkosten senden würde – …und heute kamen sie schon mit der Post zu mir :-). Nun liegen die Tafeln auf meinem Tisch, eingehüllt in edles Baumwoll-Papier, deren Verpackungsdesign sehr schlicht gehalten ist. Dafür wird auf jeder Tafel ausführlich über Herkunft der jeweiligen Schokolade und deren aromatisches Erleben (mittels der sog. “Degustationsnotiz”) Auskunft gegeben – das habe ich z.B. auf Kaffees noch nie gesehen (und ist vielleicht mal eine Idee für entsprechende Röstereien).

Die Idilio Kunden soll vor allem der Inhalt überzeugen, nicht eine knallbunte Verpackung. Auch das Thema “Swissness” wird aus dem gleichen Grund nur am Rande berührt – ausser einem diskreten Stempel “Swiss Made” und der Bezeichung “Premium Swiss Chocolate” findet sich kein Hinweis auf die Schweizer Herkunft dieser Schokoladen aus Basel.

Mit Idilio Origins werden wir den Kaffi Schopp Kunden etwas ganz besonderes bieten können. Wir freuen uns sehr darauf!

Johannes Lacker

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Die Region Basel versinkt im Schnee

Während ich hier an der Hessischen Bergstrasse ohne einen Zipfel Schnee auskommen muss, versinkt die Schweiz im Schnee. In St.Moritz z.B. liegt so viel Schnee wie noch nie zum gleichen Zeitpunkt zuvor (seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen).

Auch die Region Basel, der ich besonders verbunden bin, ist mit einer weissen Schneedecke überzogen. Schon in der vergangenen Woche, als ich das Caffè eccetera in Basel und Turm Kaffee in St.Gallen besuchte, schneite es durchweg.

baz_logokleinHeute habe ich nun in der Online-Ausgabe der Basler Zeitung ein paar tolle Bilder zur Winterstimmung in Basel gefunden, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Beim Betrachten der Bilder kommt bei mir wieder das Heimweh nach Basel auf und deshalb trinke ich jetzt eine schöne heisse Tasse Schweizer Kaffee.

Johannes Lacker

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"Caffè eccetera" Basel: der beste Espresso der Stadt

Gestern besuchte ich das “Caffè eccetera” in Basel, welches von Alfons Schuwey geführt wird.

Das "Café eccetera" in der Mittleren Strasse 26
Das "Caffè eccetera" in der Mittleren Strasse 26

Die Basler Zeitung schreibt über Schuwey:

Ein Kunde gibt vom Türrahmen aus ein Handzeichen Richtung Theke: Daumen und Zeigefinger formen einen Abstand von zwei Zentimetern. Dann setzt er sich draussen vor dem Café an ein Tischchen. Hinter der Theke beginnt die Kür des Besitzers und Baristas. Alfons Schuwey nimmt einen Siebträger (den der Laie Kolben nennt), klopft ihn ab, füllt ihn mit neun Gramm frisch gemahlenen Bohnen, drückt den Stempel darauf, spannt den Träger in der Maschine ein, hält eine vorgewärmte Espressotasse darunter und lässt während 25 Sekunden mit 9 Bar Druck zwischen 85 und 97 Grad heisses Wasser durchsickern. Fertig ist der 10-Punkte-Espresso. Gebraut in einem der unscheinbarsten Cafés der Stadt, im «eccetera» an der Mittleren Strasse 26. «Unsere Gäste sagen: Basels bester Espresso», steht auf einer Tafel vor dem Eingang. Eine Germanistikstudentin habe das da draufgeschrieben, sagt Schuwey. Er würde sich das nicht selber anmassen, auch wenn es seine Motivation sei, «jeden Tag den besten Café zu machen». 25 Sekunden Kontaktzeit zwischen Wasser und Kaffee sei ideal, um das Maximum an Geschmackstoffen, an ätherischen Ölen und ein Minimum an Bitterstoffen zu gewinnen. Das grösste Kompliment für den 50-Jährigen ist, wenn sich ein Italiener von ihm, einem Schweizer, einen Espresso machen lasse – und davon schwärme.

An diesem Nachmittag geht im «eccetera» eine Spezies ein und aus, von der man vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt: Kaffee-Freaks. Modisch in den 90ern steckengeblieben, kaffeetechnisch dem Rest der Welt um Jahre voraus. Er fahre für seinen Espresso mehrmals täglich aus dem Baselbiet hierher, sagt ein Gast mit sizilianischen Wurzeln. «Das ist ein Kleinod in Europa», sagt ein anderer, ein Hamburger, der via Liebhaberseite kaffeenetz.de auf diese Adresse kam. Er führte kürzlich eine ganze Gruppe Gleichgesinnter zu einem Offline-Forumstreffen hierher. Hauptattraktion: Die rundum aufgestellten bis zu 50-jährigen Kaffeemaschinen, die Schuwey repariert und vertreibt. Die Kaffee-Fans hätten selber Hand an diesen Maschinen anlegen dürfen, für viele die Erfüllung eines Traums.

"Büro" und mobile Werkstatt im Café eccetera
"Büro" und mobile Werkstatt im Café eccetera

Das ist es auch, was man als erstes sieht, wenn man das “Caffeè eccetera” betritt: eine Siebträgermaschine, die am offenen Herzen von Alfons Schuwey repariert wird – ich stehe in der Reparaturwerkstatt, die sich in einer Ecke, zusammen mit dem “Büro”, im eigentlichen Café befindet. Denn neben dem Kaffeeausschank vertritt Schuwey noch den Kaffee-maschinenhersteller LA SCALA in der Schweiz und vertreibt Dalla Corte Siebträgermaschinen. Und dass Schuwey über eine sehr ansehnliche Sammlung von FAEMA-Maschinen verfügt, hat sich dank Internet, wie im BaZ-Artikel beschrieben, auch jenseits des Rheins verbreitet (diese Sammlung steht allerdings in der benachbarten großen Werkstatt).

Bei Alfons Schuwey fühle ich mich sofort wohl. Das liegt nicht unbedingt an der etwas spartanischen Einrichtung seines Cafés, sondern aus der Mischung Werkstatt, Büro und Café, aber vor allem an Schuwey selbst. Schnell komme ich mit ihm ins Gespräch, er ist einfach ein aufgestellter Typ, wie man in der Schweiz sagt.

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Alfons Schuwey vor einem Samadhi-Bad

Nach einem ausführlichen Gespräch über seine Kaffee-Philosophie führt mich Schuwey in das Floatarium , zwei Nebenräume des “Caffè eccetera”. Hier stehen sog. Samadhi-Bäder. Dabei handelt es sich um zwei übergrosse, formschöne Badewannen, welche mit körperwarmer Sole aus medizinischem Bittersalz gefüllt sind. Schuwey spricht vom “Gebärmuttergefühl”, wenn man sich in der Sole schwebend entspannt. Auch wenn ich die Samadhi-Bäder nicht ausprobiert habe, glaube ich gerne, dass man hier vom Alltag abrücken kann.

Ich nutze dafür aber lieber den Espresso, der nach allen Regeln der Kunst auf seiner zweigruppigen Dalla Corte 20.03 zubereitet wird. Nachdem ich “den besten Espresso der Stadt” genossen habe, bestelle ich mir noch einen Cappuccino, den ich mit einer Latte Art Figur serviert bekomme. Man merkt es schnell: Schuwey liebt seinen Kaffee und zelebriert die Zubereitung zu Gunsten des Gastes.

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Perfekt serviert

Für seinen Espresso verwendet er hauptsächlich Quarta Caffè aus dem italienischen Lecce, hat in seinen drei Mazzer Mühlen aber auch Sombrero Espresso, einen Max Havelaar zertifizierten Kaffee der Birsfelder Rösterei Bertschi. Beide Espressomischungen weisen einen deutlichen Robustaanteil auf, wobei Schuwey ohnehin ein grosser Freund der Robustabohne ist. Den “Hype” um 100%ige Arabica-Kaffees kann er nicht immer nachvollziehen.

Meinen liebsten Espresso in Basel habe ich gefunden. Wer sowieso auf dem Weg in die Schweiz ist, sollte einmal in Basel Station machen und einen Besuch im “Caffè eccetera” (Mittlere Strasse 26) einplanen. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal dort.

Johannes Lacker