Archiv der Kategorie: Kaffeeszene Schweiz

Als Kaffee Online Shop mit dem Fokus auf Kaffee aus der Schweiz liefern wir Ihnen regelmäßig Berichte über die Schweizer Kaffeeszene. Die Schweizer Baristi haben sich in den letzten Jahren weltweit eine hohe Reputation erarbeitet und treten immer wieder sehr erfolgreich bei internationalen Barista-Wettbewerben an. Wie in Deutschland entstehen auch in der Schweiz immer mehr sogenannte Micro-Röstereien, die sich vor allem nach den Prinzipien der “Third Wave” arbeiten: Nur hochwertigste Kaffee-Qualitäten, meist direkt gehandelt, werden so geröstet, dass man ihren Ursprung, das Terroir, in den Aromen wiederfindet. Kommen Sie mit uns, und besuchen SIe die Schweizer Kaffeeszene

Preishausse ohne Ende bei Rohkaffee

Der Schweizerische Kaffeeverband “ProCafé” meldet:

Seit anfangs 2010 erhöhen sich die Preise für Rohkaffee kontinuierlich. Ende Dezember 2010 erreichten sie für Arabica-Provenienzen gemäss Publikationen der in London domizilierten Internationalen Kaffee Organisation ICO, der mit der Schweiz 77 Mitgliedstaaten angehören, das höchste Niveau seit 14 Jahren. Die Notierungen an der New Yorker Börse sind innert Jahresfrist um 70 Prozent gestiegen. Mit dem etwas weniger drastisch ausgefallenen Anstieg der Notierungen an der Londoner Börse für Robusta-Kaffee hatten die Schweizer Kaffeeröster seit anfangs 2010 je nach Eindeckung Mehrkosten für den Rohkaffee-Einkauf von rund 50 bis 60 Prozent. Ohne den im Vergleich zum US-Dollar starken Schweizer Franken wären sie noch höher ausgefallen.

Knapperes Angebot und Spekulation als Ursachen

Die Rohkaffeepreise sind aus verschiedenen Gründen aus dem Ruder gelaufen. Neben kleineren Ernten in bedeutenden Produktionsländern, wie z.B. in Indonesien  (nach Brasilien und Vietnam das drittwichtigste Produktionsland), verschärfen ungünstige Witterungsbedingungen in verschiedenen Produktionsländern die Versorgungslage. Zudem verknappen eine stärkere Nachfrage in bevölkerungsreichen Ländern wie in China und in verschiedenen Produktionsregionen zunehmend an Pilzen erkrankte oder von Schädlingen befallene Kaffeepflanzungen das Angebot. Zusätzlich wird der Kaffeepreis in bedeutendem Ausmass von spekulativ agierenden Finanzinvestoren kräftig angeheizt. Die zum Teil heftigen Preisbe
wegungen forderten den Handel  und die direkt einkaufenden Röster  hinsichtlich ihrer Liquidität übermässig stark. Im Gegensatz zu den eher kurzfristigen Haussen der vergangenen Jahre dauert die gegenwärtige Hochpreisperiode schon länger an. Sie zwingt die meisten einheimischen Röster zur Sicherstellung der Versorgung ihrer Kundschaft mit qualitativ hochwertigem Kaffee trotz umsichtiger Abdeckung, zu Höchstpreisen einzukaufen.

Es erübrigt sich wohl jeder Kommentar. Die Folgen der o.g. Entwicklung kann jeder Kaffeetrinker beim Einkauf seines Kaffees am Preisschild ablesen.

Johannes Lacker

Michel Jüngling im Gespräch

Michel Jüngling, neuer Schweizer Baristameister, hat für die Schweiz bisher Einmaliges erreicht. Zum einen die Punktzahl, mit der er gewann (503 Punkte), als auch der Sieg in allen drei Einzelwertungen (Espresso, Cappuccino, Signature Drink). Das hat in der 12jährigen Geschichte der Schweizer Baristameisterschaften noch kein Barista geschafft.

Schweizer Baristameister 2011

Umso neugieriger war ich natürlich, mit Michel über seine Teilnahme zu sprechen:

KaffiSchopp [KS]: Hallo Michel, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Schweizer Baristameisterschaft 2010! Nach der Vorrunde lagst Du noch auf dem  vierten Platz, wie hast Du diese Leistungssteigerung im Finale hinbekommen?

Michel Jüngling [MJ]: Nach meiner ersten Show hatte ich eine kurze Nachbesprechung mit der Jury. Sie erklärten kurz wo  und wie ich mehr Punke erreichen könnte. Daran habe ich gearbeitet… und hatte dann 50 Punke mehr als am Vortag! Offensichtlich ist es mir gut gelungen, die Tipps der Jury umzusetzen.

[KS] Aus der Vergangenheit wissen wir, dass es sehr zeitaufwendig ist, sich auf Baristameisterschaften vorzubereiten. Wann ging bei Dir die Vorbereitung los?

[MJ] Ich habe mich bereits ab dem Juni 2010 konzeptionell vorbereitet. Anfangs September habe ich dann mit dem konkreten Training begonnen. Ich habe dabei viel bei Turm Kaffee, meinem Arbeitgeber und in der Kaffeezentrale in Uster geübt. Und natürlich habe ich auch zuhause an meiner Präsentation gearbeitet.

[KS] Hast Du Dich alleine vorbereitet oder hast Du Hilfe bekommen?

[MJ] Teils teils, zuhause habe ich alleine trainiert. Bei Turm Kaffee habe ich Unterstützung durch Roger Bähler [Geschäftsführer Turm Kaffee] erhalten, er ist selbst SCAE zertifizierter Barista. In der Kaffeezentrale stand mir Armin Luginbühl von der Swiss SCAE zur Seite, der über viel Erfahrung aus vergangenen Meisterschaften verfügt. Richtig trainiert habe ich mit Micha Schranz und André Kissling, die ebenfalls beide schon mehrfach an Schweizer Meisterschaften teilgenommen haben.

[KS] Habt Ihr zusammen den ganzen Tag nur Kaffee gemacht und verkostet oder wie muss ich mir so ein Training vorstellen?

[MJ] Natürlich steht der Kaffee im Vordergrund. So hat uns z.B. Gloria Pedroza geholfen den gewählten Kaffee zu analysieren. Sie ist immerhin ehemalige Weltmeisterin im Cup Tasting. Und auch die Schweizermeisterin der Servicefachangestellten plus die Betreuer der Berufsweltmeisterschaft war in Uster vor Ort, um die Servicequalität zu verbessern.

[KS] Du hast den Kaffee schon erwähnt: Du hast einen kenianischen Arabica für Deine Präsentation verwendet. Warum gerade dieser?

[MJ] Der Kaffee aus Kenia hat eine wunderbare zitrusfruchtige Säure, auch das Aroma ist herrlich fruchtig. Der kenianische Kaffee hat mir nach vielen Degustationen von Single Origins am besten geschmeckt. Geröstet wurde der Kaffee in Schaffhausen bei Bogen Kaffee, der Tochter von Turm Kaffee St.Gallen.

[KS] Kannst Du uns etwas über das Rezept für Deinen Signature Drink verraten?

[MJ] Na klar. Ich verwendete etwas Kardamon, Koreander, Zimt (übrigens frisch gemalen aus einem afrikanischen Shop), Safran, Schlagsahne, Ahornsirup, frisch geröstete Sesamkerne und selbstverständlich den Kaffee aus Kenia.

[KS] Wie bist Du auf das afrikanische Thema gekommen? Während Deiner Präsentation in Bern lief ja auch afrikanische Musik.

[MJ] Na ja, da ich afrikanischen Kaffee verwende, warum dann nicht afrikanische Gewürze verwenden? Ich habe  sehr lange daran experimentiert, bis mir der Drink geschmeckt hat. Und die Musik hat natürlich das afrikanische Thema noch mehr unterstrichen.

Michel Jüngling

[KS] Jetzt wirst Du als Schweizer Baristameister an die Weltmeisterschaften (WBC) nach Bogota fahren.  Mit welchen Erwartungen fährst Du nach Kolumbien?

[MJ] Die WM ist natürlich eine riesen Herausforderung. Ein paar Sachen muss ich schon ändern und verbessern. Schliesslich muss ich mind 100 Punkte mehr erreichen als in der Schweizer Meisterschaft… und das wird schwierig genug. Wo das Potential nach oben ist, werde ich noch zu erarbeiten haben. Mein Ziel ist es, in Bogota mindestens 650 Punkte zu erreichen.

[KS] Die Schweizer Baristameisterschaften scheinen ja eine reine Berner Angelegenheit zu sein, schliesslich haben sie die letzten drei Jahre dort stattgefunden. Nun kommt der neue Schweizer Baristameister aus der Ostschweiz. Wäre es da nicht mal Zeit, dass auch die Meisterschaft in der Ostschweiz stattfindet?

[MJ]  Ja das wäre echt toll, wenn die nächste Schweizer Meisterschaft in der Ostschweiz stattfinden würde, zumahl Micha Schranz und André Kissling, meine Trainingspartner, auch Ostschweizer sind.

[KS] Ein letztes Wort?

[MJ] Ich danke Roger Bähler vom Turm & Bogen Kaffee herzlichst für die tolle Unterstützung!!! Merci Roger!!!

Auch ich vom Kaffi Schopp freue mich sehr darauf, Michels Weg an die Weltmeisterschaften weiter begleiten zu dürfen und drücke ihm schon jetzt alle Daumen für eine erfolgreiche WM.

Johannes Lacker

Bildquellen: Kaffi Schopp und latteart.ch

Startreihenfolge Schweizer Baristameisterschaften 2011

Seit einigen Tagen steht die Startreihenfolge der Schweizer Baristameisterschaften vom 27. bis 29. Januar im Berner Westside fest:

Donnerstag , 27.01.2011
Vorrunde Barista, 16.00-20.00 Uhr

16.15 h Philippe Gobat
16.40 h Micha Schranz
17.05 h Maiane Aguiar
17.40 h Beat Wiss
18.05 h Anna Käppeli
18.30 h Yannick Ancian
19.05 h Martin Egger
19.30 h Ruedi Hilscher

Freitag, 28.01.2011
Vorrunde, 13.00-15.30 Uhr
13.00 h Délphine Bobo
13.25 h Daniel Fischer
13.50 h André Kissling
14.25 h Michel Jüngling
14.50 h Marlies Läderach

Final Coffee in Good Spirits – 15.30-18.00
15.30 h Sandra Stucki
15.50 h Martin Egger
16.10 h Micha Schranz
16.40 h Ruedi Hilscher
17.00 h Peter Rickli
17.20 h Silvain Ernst

Final Latte Art –18.00-21.00
18.00 h Philippe Gobat
18.20 h Maiane Aguiar
18.40 h Beat Wiss
19.10 h Sandra Girardi Namchoom
19.30 h Sandra Stucki
19.50 h Martin Egger
20.20 h Micha Schranz
20.40 h Mathias Bühler

Samstag, 29.01.2011
Final Cup Tasting, 9.00-13.00 Uhr
Final Barista, 14.00-17.00 Uhr

Wenn man sich die Starter anschaut, ist bemerkenswert, dass der noch amtierende Schweizer Baristameister, Mathias Bühler aus Thun,  seinen Titel nicht verteidigen wird. Mathias tritt lediglich im Wettbewerb “Latte Art” an. Zu den Favoriten auf den Meistertitel zählen damit auf jeden Fall Anna Käppeli und Beat Wiss.

Da ich aber auch um Mathias Bühlers Latte Art Qualitäten weiss, wird er auch dort sicher ganz weit vorne landen.

Allen Teilnehmern schon jetzt viel Glück und Erfolg!

Johannes Lacker

Der Schweizer Kaffeemarkt – ein paar Fakten

Am vergangenen Donnerstag trafen sich die Mitglieder des Schweizer SCAE Chapters in Wädenswil in der dortigen Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Department für Lifesciences). Im Rahmen der SwissSCAE-Jahrestagung referierte Regula Heiniger über den Schweizer Kaffeemarkt.

Mit Ihrer Diplomarbeit, die sich mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Kaffees für die Schweiz beschäftigt, hat sie sehr interessante Fakten zusammengetragen:

  • Die Schweiz ist der wichtigste Umschlagplatz für Rohkaffee weltweit. 70-80 Prozent des exportierten Rohkaffees (ca. 4.2 Mio. Tonnen) wird über die Schweiz gehandelt.
  • 77 Prozent des Schweizer Kaffee-Eigenbedarfs wird in der Schweiz geröstet.
  • In der Schweiz gibt es rund 70 Kaffeeröstereien.
  • Die grösste Rösterei der Schweiz ist Nespresso mit einem Röstvolumen von 40’000 Tonnen pro Jahr.
  • Die Schweiz ist auch führend bei der Entwicklung von Kaffeevollautomaten. Die sechs grössten Kaffeevollautomaten-Hersteller der Welt haben ihren Sitz in der Schweiz.
  • Die Bruttowertschöpfung der Kaffeebranche in der Schweiz beträgt pro Jahr CHF 4.12 Mrd.
  • Die Schweizer Kaffeebranche erwirtschaftet rund 0.86 Prozent des Brutto-Inland-Produktes.

Wichtigstes Exportgut der Schweiz ist auch nicht, wie viele vielleicht meinen, Schweizer Käse oder Schweizer Uhren (oder auch das Taschenmesser), sondern tatsächlich Kaffee. Hauptanteil an diesem Export-Ergebniss hat natürlich der in der Schweiz produzierte Nespresso.

Haben Sie schon mal Schweizer Kaffee probiert?

Ein genussreiches Wochenende wünscht

Johannes Lacker

P.S.: Mein Dank geht an Manuel Fröhlich von premium-shops.ch, der mir den Vortrag von Regula Heiniger zur Verfügung gestellt hat, da ich selbst nicht in Wädenswil war.

Neu bei Migros: Kaffee aus nachhaltiger Produktion?

Die schweizerische Migros [sprich: Migro, KS] hat ihr gesamtes Kaffee-Basissortiment auf sozial- und umweltverträglich angebauten Kaffee umgestellt. Sie arbeitet dazu mit der Non-Profit-Organisation Utz Certified zusammen.

Als erste Grossverteilerin der Schweiz hat die Migros sukzessive das gesamte Basissortiment auf nachhaltigen und sozialverträglichen Kaffee umgestellt. Die Migros hat sich zu einem nachhaltigen Handeln verpflichtet und Nachhaltigkeit zu einem ihrer Werteversprechen gemacht.

Mehr Ertrag dank Schutz der Umwelt

Utz Certified verlangt von ihren Partnern nicht nur die Einhaltung ökologischer und sozialer Kriterien, sie unterstützt die Bauern auch darin, ihre Arbeit professionell anzugehen. Dank verbesserten Anbaumethoden kann der Kaffeebauer den Ertrag und die Qualität seiner Ernte steigern und dadurch mehr Geld verdienen. Zusätzlich erhält er vom Käufer seiner Ernte eine Prämie. Im 2009 haben Utz-Certified-Bauern Prämien in der Höhe von 10,5 Millionen Dollar bekommen.

Nachhaltigkeit bei unverändert guter Kaffee-Qualität

Der Kaffee wird durch den Mehrwert für die Kundinnen und Kunden nicht teurer. Der Aufpreis wird von der Migros und der Migros-Kaffeerösterin Delica getragen. Der Migros-Kunde kann also weiterhin seinen gewohnten Qualitätskaffee zum gewohnten Preis trinken – mit einem (vermeintlich) guten Gewissen.

Transparenz durch Rückverfolgbarkeit

Ab Dezember 2010 kann jede zertifizierte Kaffeepackung bis zur Plantage oder Kooperative zurückverfolgt werden. Das sorgt für Transparenz und Sicherheit. Der Kunde benötigt einzig die Produktions-Nummer auf der Kaffeepackung und einen Internetanschluss und schon kann er “seine” Kaffeeproduzenten unter www.migros.ch/coffee kennen lernen.

Traceability bei Utz Certified

Traceability bei Utz Certified

Damit dürfte auch den deutschen Konsumenten der Delica Marke “Schweitzers” der Zugang zur Rückverfolgbarkeit der Kaffeemischungen offen stehen.

Steht Utz jedoch für wahrhaftigen “Fair Trade”?

Das Utz-Siegel wurde 1997 von einem holländischen Kaffeeröster gegründet. Es ist umstritten, wie stichhaltig das Label ist. Zwar verspricht es, die Normen der Internationalen Arbeitsorganisation umzusetzen, darüber hinaus gilt es jedoch als “Fairtrade Light”. Statt festgelegter Mindestpreise wolle man Bauern zum Unternehmertum ermutigen. Am Ende solle vor allem die Qualität der Kaffeebohnen steigen.

Vor allem in Sachen Umweltstandards gilt Utz als wenig vorbildlich. Die Migros hätte sich in meinen Augen einen grösseren Gefallen getan, Kaffee mit Max Havelaar Zertifikat einzukaufen.

Ich bin sehr gespannt, wie der Markt (bzw. die Kunden) auf die Ankündigung der Migros reagieren wird. Hoffen wir das beste.

Johannes Lacker

Preissteigerungen bei Rohkaffee – die Folgen

Der Schweizerische Kaffeeverband “ProCafé” brachte dieser Tage folgende Pressemeldung in Umlauf:

PD. Seit Ende 2009 haben die Preise für Rohkaffee massiv aufgeschlagen. Im Juli 2010 erreichten sie für  Arabica-Provenienzen  gemäss  Informationen  der  in  London  domizilierten  Internationalen  Kaffee Organisation ICO, der mit der Schweiz 77 Mitgliedstaaten angehören, das höchste Niveau seit 13 Jahren. Sie sind  im August weiter angestiegen. Für die Schweizer Kaffeeröster betragen die seit anfangs 2010  hinzunehmenden Mehrkosten  rund  30 Prozent. Ohne  den  im Vergleich  zum US-Dollar  starken Schweizer Franken wären sie noch höher ausgefallen.

Spekulation heizt Kaffeepreis an

Die  Rohkaffeepreise  sind  aus  verschiedenen Gründen  aus  dem  Ruder  gelaufen.  Neben  physischen Problemen der Marktversorgung aufgrund kleinerer Ernten  (wie z.B.  in Vietnam, dem zweitwichtigsten Produktionsland) und sinkender Lagermengen, spielen ungünstige Ernteprognosen  für Kolumbien, das bei den Produktionsländern an dritter Stelle  steht, eine bedeutende Rolle. Ursachen  für die erwartete
Missernte sind dort die überdurchschnittlich nasse Witterung und eine als ernsthaftes Problem erkannte Pilzerkrankung der Kaffeebäume. Zusätzlich wird der Kaffeepreis von spekulativ agierenden Finanzinvestoren  kräftig angeheizt.  Im Gegensatz  zu  den  eher  kurzfristigen Haussen der  vergangenen  Jahre
dauert die gegenwärtige Hochpreisperiode schon länger an. Sie zwingt die meisten einheimischen Röster –  trotz mittel- bis  längerfristiger Abdeckung –  für das Halten des Qualitätsniveaus zu Einkäufen auf höchstem Preisniveau. Es ist davon auszugehen, dass sich dies auch auf die Konsumentenpreise aus wirken wird.

Tatsächlich ist es so, dass sich der gestiegene Kaffeepreis auf die Konsumentenpreise auswirkt. Denn nicht nur die Schweizer Kaffeeröstereien haben z.T. massiv die Einkaufspreise angehoben. Nach Beendigung der sommerlichen Röstpause zogen auch die italienischen Kaffeeröster nach.

Verschärft wird die Lage für die europäischen Kaffeetrinker noch dadurch, dass gleichzeitig der Euro-Kurs in den vergangenen Wochen stark gefallen ist. In Euro gerechnet ist der Kaffeepreis seit Ende April um 30 Prozent gestiegen.

So schreibt Die Presse.com aus Österreich:

Nicht nur übersteigt derzeit die Nachfrage das Angebot, “auch das spekulative Element ist nicht zu unterschätzen”, sagt dazu der Präsident des österreichischen Kaffee- und Tee-Verbandes und Chef von Tchibo/Eduscho in Österreich, Harald J. Mayer. Alle Röster müssten Währungsdifferenzen zwischen Euro und Dollar sowie Ernte-Entwicklungen “sehr genau beobachten und ihre Kalkulationen laufend überprüfen”, gab sich der Kaffee-Experte auf die Frage nach Preiserhöhungen für die Konsumenten sehr bedeckt.
[…]
Auch die für Anfang Oktober auf den Markt kommende [diesjährige] gute brasilianische Ernte wird nach Meinung des Experten keine Entspannung bringen. “Der Markt ist ausgehungert”, sagte Rüdiger Krupp [Chefeinkäufer bei Rehm & Co, einem der größten Rohkaffee-Handelshäuser in Deutschland]. Die Ernte in Brasilien werde 55 Millionen Sack Rohkaffee bringen, 30 Millionen davon werden pro Jahr exportiert, 20 Millionen Sack gehen in den lokalen Konsum. Und auch der Überhang von fünf Millionen Sack werde vorsorglich im Land auf Lager bleiben, weil “auf eine gute Ernte im nächsten Jahr eine schlechtere Ernte folgt, das liegt in der Natur der Kaffeepflanze”, sagte der Rehm-Chefeinkäufer.

Im speziellen Fall des in der Schweiz gerösteten Kaffees, der in Schweizer Franken von mir bezahlt wird, verteuert sich der Einkauf zusätzlich durch den schwachen EURO im Vergleich zum Franken. Zahlte ich vor Jahresfrist noch EUR 0,66 für einen Schweizer Franken sind es mittlerweile EUR 0,77.

Bedingt durch den ungünstigen Wechselkurs und den steigenden Rohkaffeepreis kaufe ich den Schweizer Kaffee deshalb für mittlerweile fast EUR 2,00 mehr ein, als noch im August 2009. Durch die Sommermonate Juni, Juli und August habe ich die Verkaufspreise noch auf dem bisherigen Niveau halten können, zu Beginn des Septembers musste ich die Preise dennoch um gut 5% anheben.

Hoffen wir also auf eine Beruhigung auf den Devisen- und Rohstoffmärkten zum Ende des Jahres bzw. in 2011. Damit der Kaffeegenuss aus der Schweiz nicht noch teurer wird.

Johannes Lacker

10 Schritte zum perfekten Espresso

Anna Käppeli, Schweizer Baristameisterin 2007 und Schweizer Vertreterin an den Weltmeisterschaften 2010 in London, erklärt zusammen mit Roger Wittwer von der Kafischmitte Langnau i.E. die 10 Schritte zum perfekten Espresso.

Auch für Liebhaber des Berndeutschen sicher ein interessantes Video, welches in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Kaffee-Online-Shop premium-kaffee.ch entstand:

Viel Spass beim Espressokochen wünscht

Johannes Lacker

Piratenkaffee Blogparade: Mein Lieblingscafé

Annika und Carolin von der Black Pirate Coffee Crew riefen vor gut zwei Wochen zur Blogparade auf.  Gesucht wird das Lieblingscafé in meiner Stadt.

Eigentlich wäre es ja kein Problem, mein Lieblingscafé in Heppenheim vorzustellen. Allerdings muss ich sagen, dass meine Ansprüche in Sachen Kaffee mittlerweile so hoch sind, dass ich in Heppenheim und Umgebung kein Lieblingscafé habe.

Gerne treffe ich mich bei Florian Steiner in Heidelberg, doch dieses Lieblingscafé wurde schon vom Kaffeefleck Blog vorgestellt.

Da ich mich ja grundsätzlich regelmässig in der Schweiz aufhalte, möchte ich deshalb mein Lieblingscafé in Basel vorstellen. Und da Basel direkt an der deutschen Grenze liegt, können Annika und Carolin sicher mal ein Auge zudrücken. Also: Ich stelle meine Lieblingscafé in Basel vor und zwar das Caffè eccetera in der Mittleren Strasse 26.

Das Caffè eccetera im Schneetreiben

Das Caffè eccetera im Schneetreiben

Angeblich (so behaupten manche Basler) wird dort der beste Espresso der Stadt ausgeschenkt. Tatsächlich schenkt Alfons Schuwey, der Betreiber des Caffè eccetera, dort Espresso von Quarta Caffè aus Lecce aus.

Was mich immer wieder zu Alfons treibt, ist nicht die etwas, sagen wir mal “sachliche” Einrichtung des Cafés. Nein, es ist tatsächlich Alfons Schuwey selbst. Dass ein Könner hinter der Espresso-Maschine steht (übrigens eine Dalla Corte Evolution), schmeckt man zum einen, zum anderen kann man es aber auch sehen, wenn man sich Alfons’ Cappuccini ansieht, die wunderschön mit Latte Art verziert sind. Alfons Schuwey ist sowieso ein lässiger Typ, eben ein Wirt im besten Sinne des Wortes.

Konzentration an der Espressomaschine

Immer zu einem netten Gespräch bereit, immer bereit, seine Gäste in die Geheimnisse der Espressomaschine einzuführen und überhaupt für seine Gäste da zu sein. Bemerkenswert ist für mich vor allem, dass ich dort im Caffè eccetera Leute kennengelernt habe, die gewissermassen ihr Büro dort haben. Egal zu welcher Tageszeit ich in Basel einlaufe, Alfons’ Stammgäste trifft man dort bestimmt.

Wer ein klassisches Café erwartet oder auch einen modernen Coffee Shop, ist im eccetera falsch, wer aber einen GASTgeber erwartet, der noch dazu exzellenten Kaffee zubereitet, ist in der Mittleren Strasse genau richtig. Und angenehmerweise ist man von dort in gut 10 Minuten durch die Spalenvorstadt zum Basler Marktplatz gelaufen. So kann man sich vor dem Einkaufsbummel bei Alfons Schuwey treffen und den Shopping Nachmittag ebendort auch ausklingen lassen.

Wenn es also nach Basel geht, ist ein Besuch im Caffè eccetera Pflicht!

“Uf wiederluege z’Basel” sagt

Johannes Lacker

Wer hat’s erfunden? Die Kaffee-App für’s iPad.

Dass das iPad von Apple ein grosser kommerzieller Erfolg ist, mag damit zusammenhängen, dass es tausende kleiner Programme gibt, die die Arbeit mit dem iPad erleichtern.

Aus der Schweiz stammt nun eines dieser kleinen Progamme, Apps genannt. Mit Hilfe dieser Swiss iPad App “Heatmaster” wandelt sich das iPad zu einer vollwertigen Heizplatte, so dass man auf ihr wunderbar Kaffee kochen kann. Im folgenden Video kann man sehen, wie mittels iPad und Espressokocher ein wundervoller Kaffee produziert werden kann:

Viel Spass beim Kaffeekochen wünscht

Johannes Lacker

Wir gehen fremd: Quarta Caffè aus Lecce

Quarta Caffè – ja, dieser Espresso kommt tatsächlich nicht aus der Schweiz. Aber dennoch ist er wohl einer der beliebtesten Espressi der Schweiz.

In Basel behauptet man sogar, es sei der beste Espresso der Stadt: Alfons Schuwey vom Caffè eccetera schenkt dort den Quarta Caffè Argento aus.

Bei meinem letzten Basel Besuch im April habe ich mir ein Kilo vom Argento mitgenommen und ihn nun zuhause im Kaffi Schopp “Kaffeelabor” 😉 verkostet.

Quarta Caffè ArgentoDer Quarta Argento ist ein dunkler, ölig-dickflüssiger Espresso, wie man ihn aus den Regionen südlich von Neapel kennt. Sehr intensiv im Geschmack mit seinem hohen Robusta-Anteil, sind die Bohnen sehr dunkel geröstet.

Die dunkelbraunen, ja fast schon schwarzen Bohnen, glänzen ölig, der Geschmack wird von rauchigen Toastnoten bestimmt. Als Ristretto getrunken werden die Aromen von feinen Gewürzen, Erde  und süsslichem Gebäck noch intensiver.

Aufgrund dieses intensiven Geschmackes und der tiefbraunen Crema eignet sich der Quarta Caffè Argento auch und in erster Linie als Basis für Cappuccino, Latte Macchiato und Caffè Latte.

Doch warum ist der Quarta Caffè in der Schweiz so beliebt und in Deutschland relativ unbekannt? Die Lösung ist im Grunde ganz einfach. Im Rahmen des Arbeitskräftemangels in der Schweiz in den 1950er und 1960er Jahren kamen vieler Arbeiter aus Lecce in die Eidgenossenschaft, die sogenannten “Leccesi”. Sie brachten ihren Kaffee aus der Heimat mit und etablierten ihn in der Schweiz.

Heute ist es so, dass viele Schweizer Urlaub im Süden Italiens machen und dort den Quarta Caffè kennenlernen – dort allerdings eher die Qualita Rossa in der durchsichtigen Kunststofftüte. Und tatsächlich fragen bei Alfons Schuwey in Basel Kunden vor allem nach der Qualita Rossa, da sie die Tüte (und damit den Kaffee) aus dem Italienurlaub kennen.

Doch noch ein paar Worte zur Rösterei Quarta Caffè selbst:

Je weiter man in den Süden Italiens vorstösst, desto kürzer und kräftiger wird der Espresso.  Ganz unten am Stiefelabsatz hat Quarta Caffè seine Heimat. Das Unternehmen wurde in den 1950er Jahren im Herzen von Lecce gegründet. Neben der kleinen Kaffeerösterei gab es noch ein Café, um dort die Röstungen auszuschenken. Ziemlich schnell wurde dieses Café zu einem Treffpunkt für Lecces Einwohner und des gesamten Salento, der Halbinsel, die den Stiefelabsatz bildet. Und damit wuchs die Rösterei zum heutigen Unternehmen.

Wenn Sie also das nächste Mal in der Schweiz sind, kaufen Sie doch zur Abwechslung mal einen Quarta Caffè – den gibt es u.a. bei GLOBUS delicatessa oder online unter www.premium-kaffee.ch

Johannes Lacker

Bildquelle: premium-kaffee.ch