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Auf eine Tasse Kaffee mit… Arne Preuß, Kaffee-Blogger

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Arne Preuß, Betreiber des lesenswerten Kaffee-Blogs coffeeness.de, ist uns schon ein langer Bekannter in der Kaffeeszene. Da er Kaffee wirklich in all seinen Facetten liebt, haben wir uns mit ihm auf einen Kaffee zusammengesetzt:

Hallo Arne, hast Du heute schon Kaffee getrunken?
Es ist kurz vor 12 und ich bin bei der vierten Tasse Kaffee. Die ersten beiden kamen aus einer klassischen French Press. Der Kaffee, der vor mir steht, habe ich mit dem Handfilter zubereitet. Es handelt sich eigentlich um einen hell gerösteten Espresso aus Sumatra.

Die Frage beantworte ich eigentlich nur mit “Nein”, wenn ich noch im Bett liege oder sehr krank bin. Keine Lust auf Kaffee zu haben, ist kein gutes Zeichen für meine Gesundheit!

Wann und wie bist Du selbst zum Thema Kaffee gekommen?
Das ist eine gute Frage. Ich habe erst relativ spät mit dem Kaffeetrinken angefangen. Als ich mit meinem Abitur fertig war, wollte ich nicht gleich anfangen zu studieren. Zu dieser Zeit öffnete eine große Kaffeehauskette in Hamburg und ich bewarb mich als Barista.

An meinem ersten Tag machte ich dort mit einem netten Kollegen einen Vergleich von zwei Kaffees aus der French Press.  Ich fand faszinierend, dass Kaffee so unterschiedlich sein kann. Mein Interesse war geweckt.

Ein Jahr später zog ich nach Gibraltar. Das war 2007. Weil ich dort viel Zeit hatte und Kontakt nach Deutschland suchte, fing ich an den Blog auf Coffeeness.de zu schreiben. In der Zeit habe ich viele nette und interessante Menschen aus dem Bereich Kaffee kennengelernt.
Wie es mit dem Bloggen so ist, gab es fleißige und nachlässige Zeiten. Phasen, in denen das Schreiben leicht von der Feder ging und dann überhaupt nicht mehr. Seit ca. einem halben Jahr arbeite ich wieder sehr viel an meinem Blog. Es macht viel Spaß und Berlin ist auch ein guter Standort für einen Kaffee-Blogger.

Wie viele Mitarbeiter hast Du?
Richtige Mitarbeiter gibt es nicht. Ich produziere meine Inhalte alleine. Vor Kurzem hat Sofie ein kurzes, schulisches Praktikum bei mir gemacht und mich ein wenig unterstützt.
Was die Struktur der Seite, Strategie und Gestaltung angeht, habe ich Hilfe. Aber der größte Teil der Arbeit liegt in den Inhalten, die ich schreibe.

Was macht die Stadt Berlin aus, in der Du Deinen Blog schreibst?
Zu mir meinte letztens ein bekannter Hamburger Kaffeeröster, dass er in Berlin dreimal soviel gute Cafés kennt wie in Hamburg. Das soll schon was heißen. Berlin ist eine Stadt, in der echt viel passiert. Ich bin immer wieder von den Möglichkeiten begeistert. Gerade, was Gastronomie angeht. Allerdings ist es auch immer wieder erschreckend zu sehen, wie wenig ich aus meinem Kiez raus gehe. Auch in der Großstadt bleibe ich doch viel in meiner Ecke.

Und wie sieht es mit der dortigen Kaffeeszene aus?
Die Berliner Kaffeeszene ist toll. Es gibt wirklich viele Cafés die ihren Namen verdienen. Natürlich muss man schon wissen, zu welchem Café oder zu welcher Rösterei man geht.
The Barn, Bonanza Coffee, Five Elephant und viele andere setzen Maßstäbe. Es kommen auch immer wieder neue Röster dazu, wie gerade die Flying Roasters.

Woran denkst Du, wenn Du den Begriff „Third Wave“ hörst?
Einiges – zunächst mal „Attitüde“ oder besser „Attitude“. In der Szene legen alle größten Wert auf Internationalität. „Third Wave“ Kaffee funktioniert nur auf englisch. Das erkennt ihr an den Namen der genannten Röster, genau wie an dem Service im jeweiligen Café.
Es kommt vor, dass ich in eines dieser tollen Cafés gehe und einen Menschen mit Schnurrbart bewundern darf, der mit einer Pipette Kaffee in ein Refraktometer tropft. Mitten im Laden. Das muss er natürlich erst beenden – mit einem gequälten Gesichtsausdruck – bevor ich mir einen Kaffee kaufen darf.

Gelegentlich leidet unter dem Perfektionismus für die Kaffeebohne, der richtige Umgang mit den Gästen.

Aber der Kaffee, der ist ein Traum! Third Wave Kaffee ist Kaffee, den ich persönlich liebe in seinen vielen Facetten. Fruchtbomben sind genau mein Ding. Mir ist aber auch klar, dass Umsteiger von Supermarktware sich am Anfang mit diesen Kaffees schwer tun. Deswegen sind Third Wave Kaffees, Produkte, die erklärt werden müssen. Außerdem müssen sie auf den Punkt richtig zubereitet werden und es muss einige Zeit für die Umgewöhnung eingeplant werden.

Ich kann mittlerweile recht gut einschätzen, wer aus meinem Freundes- und Familienkreis welche Kaffees mögen wird.

Welcher Kaffee ist Dein persönlicher Favorit?
Die Frage wird mir oft gestellt und ich kann sie nicht eindeutig beantworten. Im Sommer, wenn ich auch viel Cold Brewed Coffee zubereite, sind es auf jeden Fall Kaffees aus Äthiopien. Im Winter schätze ich die Abwechslung. Bei Kaffee kommt es natürlich auch immer auf das Erntejahr an. Ich mache selten zwei Mal die gleiche Packung Kaffee nacheinander auf.

Ich will immer möglichst viele Sorten probieren. Weil ich recht großzügig mit Kaffee- und Espressoproben beschenkt werde, funktioniert das auch sehr gut.

Wie bereitest Du (diesen) Kaffee am liebsten zu?
Auch das ist nicht leicht zu beantworten. Zu 30% mit meinem Handfilter. Zu 30% mit einer French Press. Selten mit der Aeropress. Immer mehr mit dem Chemex. Zu 30% im Hario Mizudashi (Cold Brew Coffee). Espresso mahle ich in meiner Mazzer Mini und beziehe ihn aus einer La Pavoni Professional.

Gerade teste ich auch viele Kaffeevollautomaten für meinen Blog. Ich habe eigentlich immer 3-4 von den Kästen zum Testen zu Hause. Deswegen kommt in letzter Zeit auch Vollautomaten-Espresso dazu.

Wo siehst Du die Trends im Bereich Kaffee der kommenden Jahre?
Ich sehe drei Trends:
1.    Noch mehr Instant-, Kapsel- und Würfel-Systeme. Während Nespresso weiter Geld druckt und die Umwelt belastet, startete noch Qbo Coffee (dahinter steht Tchibo) mit einem ähnlichen System. Das kennen noch nicht viele, aber ich kann euch schon jetzt versprechen, ab Mitte nächsten Monats wird euch die Werbung überrollen.
2.    Digitalisierung. Kaffeeliebhaber sind Nerds und Nerds lieben das Messen und Erfassen. Quantifikation des Lebens im Allgemeinen und der Kaffeezuleitung im Speziellen. Es wird immer mehr Apps geben um die Brühzeit, Extraktion, das Gewicht und vieles mehr zu messen. Diese Apps werden langsam aber sicher in den Kaffeemaschinen implementiert. Also ich kann bald morgens aus dem Bett und mit meinem Handy meinen Siebträger anstellen.
3.    Ich glaube und hoffe, dass es immer mehr Direktimport-Röstereien geben wird.

Drei Gründe für Kaffee aus der French Press:
1.    Eine French Press ist günstig in der Anschaffung.
2.    Das Kaffeepulver hat direkten Kontakt zum Wasser, es entsteht ein Kaffee mit einem tollen Körper und Charakter.
3.    Alle ätherischen Öle kommen in die Tasse, nichts wird rausgefiltert.

Was machst Du, wenn Du Dich nicht mit Kaffee beschäftigst?
Ich bin noch Student der Sozialwissenschaften. Außerdem lese ich sehr gerne Fantasy-Bücher und spiele Magic (ein recht nerdiges Kartenspiel). Sport gehört auch zu den Zeitfressern bei mir. Ich spiele gerne Beachvolleyball. Das tolle in Berlin ist, dass es viele Hallen gibt, in denen ich auch im Winter spielen kann.

Ich arbeite komplett ortsunabhängig. Das werde ich auch bald ausnutzen. Am besten gefällt mir Berlin im Sommer – die Winter könnte ich in  Zukunft durchaus auch woanders verbringen.

An diesen Ort musst Du so bald wie möglich:
Ich bin den kompletten April in Spanien – darauf freue ich mich schon sehr! Ich werde natürlich von da aus weiter bloggen. Am meisten zieht es mich immer an die Nordsee.  Kaffeetechnisch habe ich mir vorgenommen, so schnell wie möglich die Direktimport-Rösterei Quijote in Hamburg zu besuchen.

Wo füllst Du diesen Fragebogen aus?
Von meinem Schreibtisch aus in Berlin, Weißensee.

Was siehst Du, wenn Du von dort aus dem Fenster schaust?
Das Wetter ist ein Trauerspiel. Es ist nass, windig und grau. Die Bäume sind noch kahl. Gutes Kaffeewetter. [Anm: Das Interview fand im Februar 2016 statt]

Wo wärst Du jetzt gerade am liebsten?
Bali, Thailand oder Mexiko – mir würden aber sicher noch mehr Optionen einfallen. Auf jeden Fall wäre es ein Ort, an dem ich dem schlechten Wetter entkommen könnte.

Arne, dass wünschen wir Dir, dass Du bald in Gegenden mit besserem Wetter kommst. Danke für das Gespräch mit Dir.

Arne Preuß ist 31 Jahre alt, studiert in Berlin und schreibt seinen Blog coffeeness.de nahezu alleine.

2 Antworten auf „Auf eine Tasse Kaffee mit… Arne Preuß, Kaffee-Blogger“

Hallo Arne du testest kaffeevollautomaten. wird mich freuen wenn du mir was dazu schreibst Wir haben von zwei Monaten eine kaffeevollautomat gekauft miele CM6350 schon zwei mal umgetauscht jetzt ist die dritte und die funktioniert nicht richtig gut bei zwei tassen kaffee.ist immer unterschiedlich Menge um 2-3 cm wir machen die regelmäßig sauber kannst du uns sagen wo der Fehler liegt .mit freundlichen grüßen Renate

Mexiko ist wirklich schön, da stimme ich Arne zu. Außerdem gibt es sehr guten Kaffee dort – Schönes Interview 🙂

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