Teil 5 unserer Interview Serie: mit Matthias von CafCaf

Fortsetzung der Interview Serie Teil 4: Mit Matthias Staehli von CafCaf:

Diese Woche hat sich nicht eine Rösterei unseren Fragen gestellt, sondern Matthias Staehli von dem Blog “CafCaf”.

CAFCAF

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Unsere 7 Fragen an Matthias:

    1. Was war der Initiator für eure Reise nach Kolumbien?
    2. Verratet Ihr uns euren Geheimtipp für die perfekte Tasse Kaffee?
    3. Was war der eindrucksvollste Moment während eurer Reise und welche Erfahrungen nehmt ihr mit?
    4. Ist schon eine weitere Reise in die fernen Kaffeeregionen geplant?
    5. Ist Kaffee in Kolumbien so bedeutungsvoll wie in Deutschland?
    6. Was gehört in Kolumbien zu einer guten Tasse Kaffee dazu?
    7. Was ist euer persönlicher Kaffee-Favorit (Sorte)?

 Die 7 Antworten von Matthias:

1. Was war der Initiator für eure Reise nach Kolumbien?

Ich war das erste Mal bereits 2009 in Kolumbien. Schon damals, also lang bevor ich mit dem CafCaf Kaffee Blog startete, faszinierte mich das Land und die Menschen. Und ich kam schon früh mit der Kaffeepflanze und denjenigen, die diese kultivieren, in Kontakt. Seitdem war ich bereits fünf Mal dort; ausschlaggebend für unseren Dokumentarfilm „Berlin meets Colombia – a coffee travel story“ war allerdings meine vorletzte Reise im Juni 2017 in den Kaffeebergen Kolumbiens: Ich besuchte die Kaffeefarm von Freunden von Freunden, half bei der Kaffee-Ernte mit und lernte auf der darauffolgenden Weiterreise viele neue Kaffee-Amigos kennen.

Ich besuchte sie als Backpacker und nicht als europäischer Kaffee-Abnehmer. Diese persönliche und unkommerzielle Bindung schien mir die perfekte Voraussetzung für einen Dokumentarfilm über den kolumbianischen Kaffee und so reiste ich drei Monate später zusammen mit meinem Kollegen Maik Reichert zurück zum Filmen: Maik ist Dokumentarfilmer, ich bin Webdesigner, wir arbeiten zusammen im Kollektiv (KUKUKK Berlin) und unsere Herzen schlagen für spannende Projekte.

2. Verratet Ihr uns euren Geheimtipp für die perfekte Tasse Kaffee?

Neben den vielen verschiedenen Prozessen, die für einen guten Kaffee perfekt ausgeführt werden müssen – also der Anbau, die Ernte, die Fermentierung, die Trockung, der Export und das Rösten – würde ich sagen, dass die perfekte Tasse Kaffee nicht nur vom Getränk an sich abhängt, sondern auch davon, dass man sich die Zeit zum Genießen nimmt. Das Ambiente muss also stimmen, und mein persönlicher Geheimtipp ist es, den Kaffee aus dickwandigen ACF Tassen zu trinken. Erst kürzlich haben wir darüber, also über die perfekte Tassenform, berichtet: (Anmerkung: Das ist keine Werbung, da die Firma nicht mehr existiert ;))

„Die traditionelle ACF-Tasse sticht durch ein prägnantes tropfenförmiges Design hervor. Diese Form wurde konzipiert, um die Crema-Bildung zu perfektionieren. Vor allem aber werden die Kaffeearomen konzentriert und der Fluss des Kaffees in die Mundhöhle ist besonders angenehm. Der eiförmige Innenboden darf nicht durch Blasen oder raue Stellen im Material uneben werden. Er muss stattdessen einheitlich und glatt sein. Nur so wird der Fluss des Kaffees aus der Maschine in die Tasse so harmonisch und geschmeidig, dass sich die Crema gleichmäßig bildet und bis zum letzten Schluck bestehen bleibt. Und genau diese tropfenförmige ACF-Tasse ist unser Favorit. Sie ist schwer und liegt gut in der Hand“. Und nicht zuletzt empfehle ich, ein Stück Schweizer Malz-Luftschoggi zu essen, sobald sich die Aromen des Kaffees verflüchtigt haben – es ist wirklich eine herrliche Kombination.

Kolumbien

Kolumbien

3. Was war der eindrucksvollste Moment während eurer Reise und welche Erfahrungen nehmt ihr mit?

Einer der eindrucksvollsten Momente war es wieder einmal, die professionellen Erntehelfer bei der Arbeit zu sehen. Ich selbst hatte mich ein paar Tage darin geübt, aber an deren Tempo kommt man so schnell nicht heran. Und es ist wirklich harte körperliche Arbeit, wenn man den ganzen Tag an den Hängen unter den schwül-heißen Bedingungen ernten muss. Auch die Freude, mit der alle ihre Arbeit bewältigen, war erstaunlich: Die Bedingungen in Kolumbien, vor allem auf dem Land, sind wirklich nicht einfach, aber die Menschen machen das Beste daraus. Und nicht nur das: Auch die Gastfreundschaft der Menschen auf dem Land war überwältigend! Man wird von Amigos zu weiteren Amigos geleitet, man kommt schnell ins Gespräch und die Leute zeigen dir gerne und stolz ihre Farm, ihr Dorf oder ihre Stadt. Oder sie sind einfach nur sehr interessiert daran, woher du kommst, wieso du gerade hier bist und wie es in deinem eigenen Land aussieht.

Cafcaf Kaffeeblog

Cafcaf Kaffeeblog

4. Ist schon eine weitere Reise in die fernen Kaffeeregionen geplant?

Die nächste Reise ist noch in Planung: Während unserer Dreharbeiten in Kolumbien habe ich Luz María auf ihrer Familienfarm kennengelernt. Ihre 80 jährige Großmutter kultiviert seit 45 Jahren traditionellen Kaffee und verkauft ihn an die „Federación Nacional de Cafeteros de Colombia“ – das ist der Nationalverband der kolumbianischen Kaffeebauern.

Dieser ist zwar ein zuverlässiger Abnehmer von Rohkaffee, er zahlt allerdings nur den tagesaktuellen, sehr schlecht bezahlten Tarif. Und er mischt die Kaffees sämtlicher Kaffeefarmen zusammen, generiert also einen Blend aus den verschiedensten Bohnensorten und -qualitäten. Zusammen mit Luz María wollen wir den Kaffee der Großmutter qualitativ verbessern – also speziell die Prozesse bei der Ernte, der Fermentierung und der Trocknung – um ihn dann gemeinsam als hochwertigen Single Origin Kaffee verkaufen zu können. Das ist ein langer Prozess und wir sind noch in der Planungsphase. Sollte es sich diesen Winter bereits ergeben, fliege ich erneut nach Kolumbien, um den Prozess voranzutreiben. Ansonsten habe ich Asien im Visier.

5. Ist Kaffee in Kolumbien so bedeutungsvoll wie in Deutschland?

Kaffee ist vielleicht das Nationalprodukt Kolumbiens. Insofern ja, Kaffee ist in Kolumbien mindestens so bedeutungsvoll wie in Deutschland. Kaffee gehört zur kolumbianischen Kultur und die Kolumbianer sind zurecht sehr stolz darauf.

Traditionell trinken die Kolumbianer ihren stark gesüßten „tinto“, den man landesweit bei Straßenhändlern aus der Thermokanne kaufen kann. Dieser tinto ist kein sehr hochwertiger Kaffee, dafür ist er aber umso günstiger an jeder Ecke zu erwerben und gehört zum Leben der Kolumbianer einfach dazu. Die Kolumbianer lieben ihren tinto. Die teuren Spezialitäten Kaffees, die durch die Exportwirtschaft hohe Preise erzielen, sind für die meisten Kolumbianer nicht erschwinglich und es braucht, wie auch in Deutschland, noch einiges an Wissensaustausch, um das Bewusstsein für hochwertigen Kaffee zu stärken. Im Vergleich zu meinen Reisen vor 9 bzw. 7 und 5 Jahren durch Kolumbien ist mir letztes Jahr allerdings aufgefallen, dass dieser Prozess auch in Kolumbien schon längst im Gange ist. Nicht nur die vielen Kaffee-Events, die dieses Jahr stattgefunden haben, belegen das – z.B. „Let’s Talk Coffee“, „the Ally Coffee trip“, die „Cafe Imports best of Cauca“-Auktion oder das „Barista and Farmer“ Event, um nur einige zu nennen. Auch erzählten mir zwei Kaffeebauern, dass sie ihren eigenen, hochwertigen Kaffee nicht ins Ausland exportieren möchten, sondern versuchen, damit im eigenen Land Fuß zu fassen.

Eine in meinen Augen sehr gute Entwicklung. Zum Vergleich: Vor einigen Jahren gab es kaum Coffeeshops in den großen kolumbianischen Städten, mittlerweile öffnen stetig neue Cafés mit kolumbianischem speciality coffee im Angebot.

6. Was gehört in Kolumbien zu einer guten Tasse Kaffee dazu?

Klassischer Weise trinken die Kolumbianer ihren „tinto“ Zuhause, auf der Arbeit oder auf der Straße. Sie trinken ihn mit viel Zucker, bzw. mit natürlichem Vollrohrzucker, welcher dem tinto seinen speziellen Geschmack verleiht. Gerade in ländlichen Regionen wird der tinto zu jeder Gelegenheit und oft im familiären Kreis oder mit Freunden getrunken. In den größeren Städten sind dagegen die Coffeeshops im Kommen. Die Preise für einen guten Kaffee liegen deutlich über dem des tintos, und genauso wie der Preis ändert sich auch das Publikum und die Tradition. Diese Läden sind modern und international gehalten, die Qualität ist atemberaubend. In den Cafés, die ich besuchte, konnte ich vor der Bestellung an den Bohnen riechen, einmal bekam ich sogar eine Karte mit Details zur Varietät, Anbau und Fermentation des Kaffees in der Tasse.

7. Was ist euer persönlicher Kaffee-Favorit (Sorte)?

Das hängt sehr stark von der Zubereitungsmethode ab. Bei Filterkaffee oder der Syphonzubereitung mag ich sanfte kolumbianische Hochlandkaffees mit deren Nuacen von Zitrusfrüchten. Bei der Espresso- und Cappuccinozubereitung wiederum interessiert mich derzeit die Fermentierung stärker als das Herkunftsland: Nämlich die Naturals. Hierbei werden die Kaffeebohnen vor der Trocknung nicht erst vom Fruchtfleisch getrennt, sondern die Bohne wird mitsamt der Frucht getrocknet. Bei diesem Fermentierungs- und Trocknungsprozess beeinflusst das Fruchtfleisch den Geschmack des Kaffees also maßgeblich. Der Kaffee schmeckt voller – auch etwas schwerer, aber besonders im Cappuccino hochspannend! Ich denke, sobald ich einen Blend aus einem Natural und einem washed Kaffee finde, wird das mein nächster Favorit werden – als Espresso.

Espresso

Espresso

Falls euch der Beitrag gefallen hat kommt ihr hier zu Teil 1 , Teil 2  oder Teil 3 der Interview- Serie.

 

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