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Entkoffeinierte Kaffeebohnen

Kaffee ist nach Tee das zweitbeliebteste Getränk der Welt. Und das nicht erst in der heutigen Zeit. Historiker glauben, dass die Verwendung von Kaffee als Stimulans aus dem antiken Abessinien (Äthiopien) stammt – so zumindest die Sage. Entkoffeinierte Kaffeebohnen waren damals natürlich völlig unbekannt. Denn gerade wegen seiner anregenden Wirkung war der Kaffee schnell beliebt.

Koffein ist dabei der Bestandteil des Kaffees, der für die milde stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem verantwortlich ist. Eine Tasse Kaffee enthält typischerweise ca. 50 bis 75 Milligramm Koffein, wobei die Menge je nach Zubereitungsart und Kaffeesorte stark variiert: Robusta-Kaffee enthält fast doppelt so viel Koffein wie z.B. Arabica-Bohnen.

Für Menschen, die empfindlich auf Koffein reagieren, können sogar 10 Milligramm Unbehagen verursachen. Heute liegt der Grenzwert, ab dem ein Kaffee koffeinfrei genannt werden darf, bei einem Gramm pro Kilogramm. Das bedeutet, dass eine Tasse unbehandelten Kaffees etwas 15 Tassen entkoffeinierter Kaffeebohnen entspricht.  Heute macht entkoffeinierter Kaffee etwa 12 Prozent des weltweiten Kaffeekonsums aus.

Kaffee HAG – erstmals entkoffeinierte Kaffeebohnen

Das erste – historische – Verfahren zur Entkoffeinierung von Kaffee wurde 1905 von Ludwig Roselius erfunden. Roselius’ Methode benutzte Benzol, einen potentiell giftigen Kohlenwasserstoff, um Koffein aus vorgefeuchteten, grünen Kaffeebohnen zu entfernen. Seine Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft (Kaffee HAG), die diesen Kaffee erstmals vertrieb, wurde in der Folge zum Synonym für entkoffeinierten Kaffee.

Moderne Entkoffeinierungsverfahren sind wesentlich schonender. Viele Kaffeeröstereien machen das deutlich, indem sie behaupten, die von Ihnen verwendeten koffeinfreien Kaffeebohnen seien natürlich entkoffeiniert.

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Entkoffeinierte Kaffeebohnen kaufen

Die drei wichtigsten Methoden zur Entkoffeinierung von Kaffee

Heutzutage sind es drei wesentliche Entkoffeinierungsverfahren, die im Einsatz sind. Sie haben einige grundlegende Gemeinsamkeiten. Bei allen drei Ansätzen werden die grünen oder gerösteten Bohnen zuerst angefeuchtet, so dass das Koffein löslich wird, so dass es herausgezogen werden kann. Außerdem entkoffeinieren alle Methoden den Rohkaffee bei moderaten Temperaturen, die typischerweise zwischen 70 und 100 Grad Celsius liegen.

Der Schweizer Wasser Prozess für entkoffeinierte Kaffeebohnen

Eine Methode ist die Wasseraufbereitung, der sogenannte Schweizer Wasser Prozess.

Wie zu erwarten ist, wird bei diesem Verfahren Wasser als Lösungsmittel verwendet, um Koffein aus den grünen Kaffeebohnen zu entfernen. Typischerweise wird ein Batterie-Extraktionsverfahren mit acht bis zwölf Gefäßen eingesetzt; jedes Gefäß enthält Rohkaffee in einem anderen Stadium der Entkoffeinierung.

Eine bereits im Koffein reduzierte Mischung aus Wasser und Grünkaffee-Extrakt zirkuliert in der Extraktionsbatterie um die Kaffeebohnen herum (Öle im Kaffee-Extrakt helfen bei der Entkoffeinierung).

Nach einer vorgegebenen Zeit wird das Gefäß, das dem koffeinarmen Extrakt ausgesetzt war, isoliert und entleert. Die entkoffeinierte Kaffeebohnen werden anschließend gespült, getrocknet und ein Gefäß mit frischem Rohkaffee gefüllt. Der koffeinreiche Extrakt, der aus dem Gefäß mit dem frischen, grünen Kaffee entnommen wurde, wird durch ein Bett aus Aktivkohle geleitet, das das Koffein absorbiert. Die Aktivkohle wurde mit einem Kohlenhydrat, typischerweise Saccharose (Einfachzucker), vorbehandelt, das ihm hilft, Koffein zu absorbieren. Andere Verbindungen, die zum Geschmack des Kaffees beitragen, werden nicht aufgenommen und verbleiben in den Bohnen. Die Saccharose blockiert Kohlenstoff-Verbindungen, die normalerweise Zucker aus dem flüssigen, grünen Kaffee-Extrakt aufnehmen würden.

Der koffeinreduzierte Extrakt kann dann wiederverwendet werden, um den Prozess neu zu beginnen. Der Schweizer Wasser Prozess ist absolut natürlich d.h. es werden keine Chemikalien verwendet. Er entfernt allerdings nur 94 bis 96 Prozent des Koffeins, da er nicht spezifisch auf das Koffein ausgerichtet ist. Entkoffeinierte Kaffeebohnen, die mittels Schweizer Wasserprozess entkoffeiniert wurden, bewahren ihren ursprünglichen Geschmack in der Regel sehr gut.

entkoffeinierte Kaffeebohnen
entkoffeinierte Kaffeebohnen dank Schweizer Wasser Prozess: Turm Kaffee koffeinfrei

Die Entkoffeinierung mit Methylenchlorid

Eine zweite Methode der Entkoffeinierung ist die Methode des direkten Lösungsmittels. Heutzutage werden bei dieser Technik meist Methylenchlorid, Kaffeeöl oder Ethylacetat verwendet, um das Koffein aufzulösen und aus dem Kaffee zu extrahieren. Ethylacetat ist ein Ester, der auf natürliche Weise in Obst und Gemüse wie Bananen, Äpfeln und Kaffee vorkommt.

Das flüssige Lösungsmittel wird durch ein Bett aus feuchten, grünen Kaffeebohnen zirkuliert, wobei ein Teil des Koffeins entfernt wird. Das Lösungsmittel wird dann in einem Verdampfer zurückgewonnen, und die Bohnen werden mit Wasser gewaschen.

Rückstände des Lösungsmittels werden durch das Dämpfen der Bohnen aus dem Kaffee entfernt. Häufig wird bei diesem Prozess die Batchverarbeitung eingesetzt, d.h. das Lösungsmittel wird dem Behälter mit dem Rohkaffee zugegeben, zirkuliert und mehrmals entleert, bis der Kaffee auf das gewünschte Niveau entkoffeiniert ist.

Lösungsmittel werden verwendet, weil sie in der Regel präziser auf Koffein ausgerichtet sind als Holzkohle und fast alle Nicht-Koffein-Feststoffe im Kaffee belassen. Die koffeinspezifischeren Lösungsmittel, wie z.B. Methylenchloride, können 96 bis 97 Prozent des Koffeins extrahieren.

Entkoffeinierte Kaffeebohnen mittels Kohlendioxid

Der dritte Ansatz, die überkritische Kohlendioxid-Entkoffeinierung, ist den direkten Lösungsmittelmethoden sehr ähnlich. Nur ist in diesem Fall das Lösungsmittel Kohlendioxid.

In Hochdruckbehältern (bei etwa 250 bis 300-fachem Atmosphärendruck) wird das Kohlendioxid durch ein Bett aus vorgefeuchteten, grünen Kaffeebohnen zirkuliert. Bei solchen Drücken nimmt Kohlendioxid einzigartige, “überkritische” Eigenschaften an, die seine Verwendbarkeit als Lösungsmittel erhöhen.

Überkritisches Kohlendioxid hat eine Dichte wie eine Flüssigkeit, aber seine Viskosität und Diffusionsfähigkeit sind ähnlich wie die eines Gases. Diese Eigenschaften führen zu einer deutlichen Senkung der Herstellungskosten.

Kohlendioxid ist ein beliebtes Lösungsmittel, weil es einen relativ niedrigen druckkritischen Punkt hat. Außerdem ist es in der Natur reichlich vorhanden.

Das koffeinreiche Kohlendioxid, das aus dem Extraktionsgefäß austritt, wird entweder durch ein Bett aus Aktivkohle oder durch einen Wasserturm geleitet, um das Koffein zu absorbieren. Das Kohlendioxid wird dann wieder in das Extraktionsgefäß zurückgeführt.

Die überkritische Kohlendioxid-Entkoffeinierung ist kapitalkostenintensiv, bietet aber sehr gute Erträge. Es kann typischerweise 96 bis 98 Prozent des Koffeins extrahieren, das ursprünglich in den Bohnen enthalten war.

Lässt sich ein Unterschied zum normalen Kaffee feststellen?

Das ist wie immer die große Frage.  Da die meisten Leute sehr wählerisch sind bei der Auswahl ihres Kaffees, muss vorher sichergestellt werden, dass der koffeinfreie Kaffee auch schmeckt. Denn wie schade wäre es denn, wenn die koffeinfreie Kaffeealternative einfach nicht schmeckt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst der Entkoffeinierungsprozess die letztendlich entkoffeinierten Kaffeebohnen, sodass der Geschmack und Geruch von ihrem sonstigen Kaffee abweichen kann. Aber nicht immer sind Veränderungen schlecht im Gegenteil, viele werden von dem milden Geschmack der entkoffeinierten Kaffeebohnen vielleicht sogar überrascht sein. Denn in den meisten Fällen hat entkoffeinierter Kaffee einen viel sehr viel milderen Geschmack und Geruch als normaler Kaffee. Wem der Kaffee am Ende zu mild ist, der sollte insgesamt stärkere, dunkelgeröstete entkoffeinierte Kaffeebohnen nehmen. Langsam kann man sich dann an seinen favorisierten Kaffeegeschmack hintasten.

Möglicherweise müssen Sie bis der richtige Kaffeegenuss gefunden wurde etwas  rumexperimentieren, wenn Sie erstmals auf entkoffeinierte Kaffeebohnen umsteigen. Jedoch sollte mit etwas Geduld und der richtigen Bezugsquelle der Kaffeebohnen, eine koffeinfreie Alternative recht zügig auffindbar sein.

Unser Fazit:

Wir favorisieren die Entkoffeinierung mittels des Schweizer Wasser Prozess. Diese Art der Entkoffeinierung ist zwar die teuerste, bewahrt die Aromen des Kaffees jedoch nach unserer Meinung am besten.

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