Die Wahrheit über Schonkaffee

Laut einer Statistik, die wir immer wieder gerne zitieren, haben 50% aller Deutschen jenseits der 50 eine Form von Gastritis, der Magenschleimhautentzündung. Ärzte raten deshalb bei diagnostizierter Gastritis entweder völlig vom Kaffeegenuss ab. Oder sie empfehlen säurearmen Kaffee bzw. Schonkaffee.

Googlet man nach Schonkaffees findet der potentielle Kunde eine recht große Auswahl an solchen Kaffees.  Spezielle Bearbeitungsverfahren befreien den Kaffee dabei von Reizstoffen. Oder sie reduzieren die unverträglichen Inhaltsstoffe zu guten Teilen.

Oft wird auch empohlen auf Getreidekaffee umzusteigen. Caro-Kaffee und Incarom sind hier die Stichworte. Doch diese Getreidekaffees sind für viele passionierte Kaffeetrinker nicht Fisch, nicht Fleisch.

Säurearm oder Schonkaffee?

Verschiendene Kaffeeröstereien bewerben Ihre Kaffees gleich als “säurearm”. Doch sind diese Kaffees, seien es Schonkaffees oder säurearme Kaffees, wirklich freundlicher zum arg belasteten Kaffeetrinker-Magen? Oder ist alles nur ein Marketing-Hype? Schonkaffee bei Sodbrennen

Was ist dran am Schonkaffee?

Sogenannter Schonkaffee wird meistens mit dem Lendrich-Verfahren behandelt. Dabei wird der Rohkaffee für einige Zeit mit überhitztem Wasserdampf behandelt und anschließend wieder getrocknet. Warum der Kaffee dann den Magen schont, ist nicht sicher geklärt. Vermutet wird, dass es die Abnahme von Carbonsäure-5-hydroxyptaminden oder der geringere Gehalt an gewissen Phenolen im Röstkaffee ist.

Auch der Gehalt an natürlicher Chlorogensäure vermindert sich durch das Dämpfen um ca. 5 bis 10%. Die Schonkaffees werden in der Regel jedoch etwas kürzer geröstet als der klassisch geröstete Kaffee. Effekt ist, dass der Gehalt an Chlorogensäure im gedämpften Kaffee nahezu gleich hoch ist, wie im ungedämpften.

Bei Schonkaffee also wirklich von “schonendem Kaffee” zu sprechen, entbehrt vermutlich jedes wissenschaftlichen Beweises.

Warum überhaupt säurearmen Kaffee trinken?

Lassen Sie uns ehrlich sein: Gebrühter Kaffee enthält viele natürliche Säuren. Einige von ihnen, vor allem die oben erwähnte Chlorogensäure, ist schon in den Rohkaffeebohnen natürlich enthalten. Andere Säuren sind Ergebnis des Röstprozesses. Und noch einmal andere entstehen während des Brühens von Kaffee und Espresso.

Tatsächlich hat man über 50 verschiedene Säuren in unterschiedlicher Menge und Konzentration im Kaffee gefunden. Und dabei spielt sogar die Mahlung des Kaffees eine Rolle, wenn es um die Intensität der Säuren im Kaffee geht.

Die meisten von ihnen sind allerdings das Ergebnis von chemischen Reaktionen, die auftreten, wenn man Kaffeebohnen erhitzt. Neben der Chlorogensäure können sie Sodbrennen und Magenbeschwerden verursachen.

Verursacht Kaffee Sodbrennen?

Gemäß klinischer Studien wird Sodbrennen durch einen lange Liste von Dingen verursacht. Im allgemeinen gelten als Ursachen: Stress, zu saure Ernährung und industriell gefertigte Lebensmittel. Sie können dazu beitragen, dass der Magenschließer (der den Magen von der Speiseröhre trennt) nicht mehr richtig schließt, die Säureproduktion im Magen überhand nimmt und sich der Magendruck erhöht

Bis heute gibt es keine Forschungsergebnisse, die beweisen, dass Sodbrennen bzw. Reflux durch die im Kaffee enthaltenen Säuren ausgelöst wird. Auf der anderen Seite leiden viele Kaffeetrinker nach dem Genuss von Kaffee genau unter diesen Symptomen. Einige Medizinier behaupten, dass nicht die Kaffeesäuren das Sodbrennen verursachen, sondern das im Kaffee enthaltene Koffein. Diese irritiere den Magen und lasse ihn mehr Magensäure produzieren. Und so geben Mediziner meist den Rat, dass man bei jahrenlangem Reflux auf jeden Fall auf Kaffee und koffeinhaltige Getränke verzichten soll. Auf der anderen Seite kann man auch bei entkoffeiniertem Kaffee das Phänomen der Magenreizung feststellen.

Sodbrennen und Reflux haben viele Ursachen

Vielleicht sollte man das Thema mal ganz unwissenschaftlich angehen. Sprechen wir also das Offensichtliche an:

Vielen Kaffeetrinker beschweren sich, dass Kaffees Sodbrennen und einen übersäuerten Magen verursachen. Manche Kaffeeliebhaber glauben, dass sie das Sodbrennen loswerden, wenn sie nur entkoffeinierten Kaffee zu sich nehmen. Andere wiederrum finden, dass koffeinfreier Kaffee genauso viele Bauchschmerzen macht, wie Kaffee, dem das Koffein nicht entzogen wurde.

Viele Kaffeetrinker schwören explizit auf säurearme Kaffees oder trinken Schonkaffee. Da diese wenig bis keine Säuren enthalten, berichten sie von einem Kaffeegenuss ohne Sodbrennen. Bei anderen Kaffeekonsumenten zeigen die genannten Kaffees allerdings keine Wirkung, das Sodbrennen verschwindet nicht.

Espressoliebhaber wiederum erzählen, dass sie vom Espresso kein Sodbrennen bekommen, von einer Tasse Kaffee allerdings schon. Und so schildern viele Kaffeetrinker, dass sie von der einen Kaffeezubereitung Magenbeschwerden bekommen, von einer anderen aber nicht.

Die logische Schlussfolgerung ist, egal ob wissenschaftlich fundiert oder nicht, dass Sodbrennen durch die verschiedensten Auslöser beim Menschen verursacht wird. Dabei enthält Kaffee viele Stoffe, auf die Menschen empfindlich reagieren. Mit anderen Worten: Auf keinen Inhaltsstoff im Kaffee reagieren alle Menschen immer gleich. Aus diesem Grund gibt es mehrere Möglichkeiten mit dem Problem des kaffeebasierenden Sodbrennens umzugehen.

Säurearmer Kaffee

Es gibt viele Kaffee-Marken, die ihre Kaffeeröstungen als magenfreundlich und säurearm vermarkten. Dazu gehören z.B. unsere Kaffeeröstereien La Semeuse (“Säurearm dank Höhenröstung”), Demmel Kaffee (“Säurearm dank Flow Roast”) und Sirocco (“Säurearm dann Alpine Roast”). Tatsächlich trinken viele Kaffeekonsumenten auch ihren gewohnten Kaffee einfach weiter und dämmen das Sodbrennen mit Medikamenten ein. Aluminium-Magnesiumsalze, H2-Blocker oder die beliebten Protonenpumpenhämmer werden dann gerne verwendet.

Statt Medikamente einzunehmen können Sie schon beim Kauf Ihres Kaffees können Sie darauf achten, nur solche zu kaufen, die gering an natürlicher Säure sind. Kaffees aus Brasilien, Indien und Indonesien haben schon natürlich weniger magenreizende Säure. Bekanntestes Beispiel ist der indische Monsooned Malabar.

Tatsächlich haben auch Kaffees, die in Hochgebirgsregionen jenseits von 1.500m Höhe oder auf vulkanischen Böden wachsen, mehr natürliche Säure als andere. Kaffee, der gewaschen aufbereitet wird, hat mehr Säure als trocken aufbereiteter.

Dunkel geröstete Kaffees haben dagegen weniger Säure, als solche, die hell, z.B. für Filterkaffee geröstet sind. Wenn Sie also Mühe mit der Säure im Kaffee haben, probieren Sie Kaffees im Röstgrad Italian oder French.

Fazit:

Jeder Magen reagiert unterschiedlich auf die im Kaffee enthaltenen Säuren. Wir empfehlen traditionell geröstete Kaffees, die als Schümli Kaffee oder als Espresso mit Druck extrahiert werden. Als besonders säurearme Sorten haben sich die Kaffees aus Indien (Monsooned Malabar) oder Brasilien, z.B. der Yellow Bourbon, bewährt.

Johannes Lacker

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