Die Vielfalt der Kaffeesorten

Rohe Kaffeebohnen

Wenn man auf der Suche nach einem guten Kaffee ein Kaffeerösterei betritt, wird man schier erschlagen von der großen Auswahl an Kaffeesorten. Konnte man sich früher im Supermarkt zwischen Eduschos Gala Nr. 1, Tchibos Bester Bohne und Jacobs Krönung entscheiden, ist heute die Wahl durchaus schwieriger. Obwohl die Wahl der Kaffeesorte eine entscheidene Rolle für den Kaffeegenuss trägt, wissen wir oft nicht was wirklich in der Packung steckt.

Kaffeemischungen in allen Varianten z.B. für Espresso, für Filterkaffee oder den Kaffeevollautomaten werden dem Kaffeeliebhaber angeboten. Immer beliebter werden dann noch die sortenreinen Kaffees. Sprich Kaffees, die nicht mit anderen Kaffees gemischt werden, um ein bestimmtes Geschmacksprofil zu erlangen. Diese Single Origin-Kaffees dürfen ihren völlig eigenen Charakter in der Tasse zeigen.

Doch welche Kaffeesorten gibt es überhaupt? Und wo liegen die Unterschiede?

Grundsätzlich kann man sagen, dass im Handel mit Kaffee im großen und ganzen nur zwei Kaffeesorten eine wichtige Rolle spielen: Kaffees aus Arabica-Bohnen und solche aus Robusta-Bohnen. Den wenigsten Kaffeeliebhabern ist dabei bewußt, dass es tatsächlich Hunderte von Kaffeearten neben Arabica und Robusta gibt.

Arabica Kaffeekirschen

Arabica Kaffeekirschen

Coffea Arabica – Der Arabica Kaffee

Die Coffea Arabica ist dabei die zartere der beiden Kaffeepflanzen. Sie wächst in der Regel in Höhen ab 1.200 bis 1.500 und wird deshalb häufig auch Hochland-Arabica genannt. Durch das Wachsen in großen Höhen nimmt die Pflanze die Nährstoffe des Bodens langsamer auf. Auch dauert der Reifungsprozess der Kaffeekirschen länger. Arabica-Pflanzen können somit seltener geerntet werden. Und die Ernte selbst muss häufig ohne den Einsatz von Maschinen erfolgen, da die Berghänge oft nicht befahrbar sind.

Diese scheinbaren Nachteile dankt die Arabica-Pflanze mit dem nuancierten Geschmack der Kaffeebohnen, die sich im Innern der Kaffeekirschen heranbilden. Hier findet man wirklich weltweit die unterschiedlichsten Aromanuancen: Rote Beeren, Zitrusaromen bis hin zu pfeffrigen Noten.

Dutzende Kaffeesorten der Arabica-Familie

Neben der reinen Arabica-Pflanze gibt es dutzende Arten der Arabica Kaffee-Familie. Die meisten Arabica-Variante sind sogenannte Hybride, also Kreuzungen zwischen Sorten und Arten. Die meisten Kreuzungen sind von Menschenhand gemacht. In der Natur findet man aber immer wieder Hybride, die auf natürliche Weise zustande gekommen sind. Diese werden dann durch den Menschen kultiviert und als Kaffeespezialität angeboten.

Diese Kreuzungen haben Namen wie Bourbon, Pacamara, Geisha oder SL-32. Einige von Ihnen sind dabei sehr landes- oder regionenspezifisch wie z.B. der Heirloom Arabica aus Äthiopien. Andere wie der Bourbon sind weit verbreitet und wachsen in vielen Ländern und Regionen der Welt.

Jede dieser Arabica-Varietäten hat ein bestimmtes Geschmacksprofil, obwohl es dabei eine große Varianz innerhalb dieses Aromenprofils gibt.  Je nach dem an welchem Ort der Kaffee gewachsen ist, zeigen sich Klima, Boden und Pflege der des Kaffeepflanze im Geschmack.

Geröstete Kaffeebohnen

Kaffee: Mehr als nur Arabica und Robusta

Heutzutage möchten die Kaffeeliebhaber mehr wissen, als dass in der Kaffeemischung Arabica- oder Robusta-Bohnen enthalten sind. Neben der Qualität des eingekauften Kaffees gibt es viele weitere Faktoren, die den Geschmack des gebrühten Kaffees beeinflussen. Das Wissen um diese Faktoren wird von den Kaffeekonsumten immer mehr abgefragt wenn sie einen Beutel Kaffeebohnen kaufen. Lernen auch Sie die unterschiedlichen Kaffeearten kennen und zeigen Sie damit ein neues Maß an Wertschätzung dem Kaffee gegenüber.

Arabica Varietät Typica

Den Ursprung aller Arabica-Varietäten vermutet man bei der Typica. Die meisten der heutigen Kaffeebohnen sind Hybride oder Mutationen der Coffea Arabica Typica. Ihr Ursprung liegt im ähtiopischen Hochland, wo viele Heilroom-Sorten von Typice bis zum heutigen Tage wachsen und vermarktet werden. In der Tat gibt es in Äthiopien mehr als 1.000 Typica-Sorten, die angebaut werden. Sie sind sehr ähnlich der Typica Pflanzen, wie sie im Jemen angebaut werden.

Typica Pflanzen waren es wahrscheinlich auch, die als erste in Südamerika angebaut wurden. Viele Kaffee-Experten sehen die Qualitäten des äthiopischen Kaffees als Standard um andere Kaffees zu beurteilen.

Dabei gibt es kein typische Heilroom-Geschmacksprofil. Abhängig von der Region, der spezifischen Sorte und der Verarbeitung kann der Kaffee leicht bis mittelkräftig sein und Aromen von Zirtus, Blüten und Wein aufweisen. Äthiopische Kaffees, die in den Yirgacheffe- und Harrar-Regionen angebaut werden, zählen allgemein zu den besten der Welt.

Bourbon

Die Kaffeesorte Bourbon ist eine natürliche Mutation der Typica-Pflanze. Sie stammt von Ile Bourbon, der heutigen Insel La Réunion im indischen Ozean. Dort wurde sie von französischen Missionaren entdeckt. Von ihnen wurde der Kaffee kultiviert und entwickelt. Die Bourbon Kaffeebohnen zeigen sich in der Tasse geschmacklich sehr ausgewogen, habe leichte Fruchtaromen und begeistern mit einer leichten Süße von Karamell.

Yellow Bourbon Kaffeekirschen

reife Yellow Bourbon Kaffeekirschen

Mittlerweile ist der Bourbon Kaffee in ganz Afrika und Amerika verbreitet. Vor allem in Brasilien wird der Yellow Bourbon angebaut. Seine Kirschen sind, wenn sie die volle Reife erreicht haben, nicht rot, sondern gelb.

Geisha

Ein relativer Neuling in der Welt der Kaffeesorten ist die Varietät Geisha. Sie entstand in der Nähe der äthiopischen Stadt Geisha, ist aber bekannt als Kaffee aus Panama. Dass sich der Geisha dabei gerade in Asien einer besonders hohen Nachfrage erfreut, versteht sich bei der Namensgebung fast von selbst.

Im Jahr 2007 hat ein Geisha der Hacienda La Esmeralda den Panamaischen Cup of Excellence überraschend gewonnen. Der seidige Geschmack und die komplexen Aromaschichten hatten die Fachjury überzeugt. Der Geisha erhielt im Rahmen des Wettbewerbs immer wieder Höchstnoten und beweist bis heute seine aussergewöhnliche Qualität.

Geisha Kaffeebohnen gehören aktuell zu den wertvollsten Kaffeesorten auf dem weltweiten Markt. Für ein Pfund des exklusiven Rohkaffees wurden zu Rekordzeiten bis zu 600 Dollar fällig. Heute sind es “nur noch” um die 80 Dollar. Neben der hohen Nachfrage aus Asien ist auch der geringe Ertrag der Geisha-Pflanzen Ursache für die hohen Preise.

Kopi Luwak Kaffee

Kopi Luwak ist der teuerste Kaffee der Welt. Der Hauptfaktor des hohen Preises ist die ungewöhnliche Herstellungsmethode. Die Kaffeebohnen aus denen der Kaffee hergestellt wird, werden von einem besonderen indonesischen katzenartigen Tier verdaut. Auch Palmzibet oder auch Zibetkatze genannt. Aus diesem Grund wird Kopi Luwak auch oft als Katzenkaffee oder Zibetkatzenkaffee bezeichnet. Der Kot der Katzen wird gesammelt, veredelt und als Kaffeesorte Kopi Luwak verkauft. Es herrscht knappes Angebot, im Vergleich zur hohen Nachfrage, sodass der Kaffee mit dem einzigartigen Geschmack und der wohl ungewöhnlichsten Produktionsmethode der teuerste Kaffee der Welt ist.

 

Jamaica Blue Mountain

Jamaica Blue Mountain ist nicht nur der Name eine Kaffeeanbauregion, sondern ist gleichzeitig der Name für die Kaffeesorte, die dort am besten wächst. Der JBM, wie man ihn gerne äbkürzt, ist einer der ersten Kaffees, die man in der Neuen Welt angepflanzt hat. Im Gegensatz zu vielen Kaffeepflanzen, die man in Süd- und Mittelamerika anbaut, ist der JBM ein Typica-Stamm.

Der Name Jamaica Blue Mountain kann für alle Kaffees aus der Region verwendet werden. Leider entsprechen bei weitem nicht alle der Qualität, die man von diesem Kaffee erwartet. 90% der Produktion gehen nach Japan, so dass man sich schon wundern muss, woher der weltweit gehandelte “Rest” herkommt. Tatsächlich kann man JBM-Kaffee kaufen, der auf Hawaii angebaut wurde.

Der Jamaica Blue Mountain ist hell im Körper, ausgewogen im schokoladigen Aroma und mild in der Säure. Er zählt zu den teuersten Kaffees der Welt.

Kaffeesorten

Foto: coffee.stackexchange.com

Kona Typica

Der Kona-Kaffee, der Name sagt es, gedeit auf den Inseln von Hawaii. Der Kona-Typica stammt von Typica-Bäumen, die ursprünglich aus Brasilien stammen. Heute werden die meisten Pflanzen aus Guatemala importiert. Der Kona wird häufig in Mischkulturen mit anderen Kaffeepflanzen wie dem Red Caturrao der Jamaica Blue Mountain angebaut.

Maragogype

Der Maragogype ist eine Mutation der Typica-Kaffeepflanze, die in Brasilien wächst. Ihr primäres Merkmal ist die schiere Größe der Kaffeebohne. Kein Wunder also, das sie auch den Spitznamen Elefantenbohne trägt. Geschmacklich hat der Maragogype einen schweren, butterartigen Körper und zeigt feine Zitrus- und Blütenaromen.

Mocca / Mokha

Diese Mutation von Typica/Bourbon-Kaffeebohnen entstand in der Nähe des äthiopischen Harrar und wird auf Hawaii und im Jemen angebaut. Deshalb trägt sie auch den Namen der jemenitischen Hafenstadt Mokha. Ihr sehr kleine Bohnengröße unterscheidet sie von den anderen Kaffeebohnen. Ihr ausgeprägter Geschmack nach Schokolade macht sie besonders beliebt bei Kaffeekennern.

Monsooned Malabar

Der indische Monsooned Malabar ist wie kein anderer Kaffee. Die Kaffeebohnen, die von der westindischen Malabarküste stammen, werden auf einzigartige Weise verarbeitet. Der Rohkaffee wird über mehrere Wochen hinweg dem Regen und dem Wind des Monsuns ausgesetzt. Das Ergebnis sind Kaffeebohnen, die fast doppelt so groß sind wie andere Kaffees. Sie heben sich dabei mit ihrem schokoladigen, leicht erdigen Geschmack besonders hervor. Durch das o.g. Verfahren, welches man Monsooning nennt, ist der Monsooned Malabar ein nahezu säurefreier Kaffee.

Pacamara

Die beiden Kaffeearten Pacas und Maragogype verbinden sich in ihrer Kreuzung zur Pacamara-Kaffeebohne. Diese entstand erstmal 1958 in El Salvador. Noch heute wächst der Pacamara zu größten Teilen eben dort. Aber auch die mittelamerikanischen Nachbarländer Panamas pflanzen Pacamara-Kaffeesträucher an. In der Tasse zeigt der Pacamara geschmacklich sehr ausgewogen mit einer süßen Säure. Die floralen Noten überlagen Aromen von Zitrus.

SL-34 und SL-38

Das Kürzel SL steht für die kenianischen Scott Laboratorien, wo aus Mocca- und Bourbon-Kaffeesorten die SL-Varietäten entstanden. Die Kaffeepflanzen für diese Varietäten stammen ursprünglich aus dem Jemen und von der Ile Bourbon (La Réunion).

Perlbohnen

Perlbohnen sind keine klassische Kaffeesorte wie die oben aufgeführten. Sie sind ein Variante der Kaffeebohne selbst. Normalerweise enthält die Kaffeekirsche zwei Samen, die Kaffeebohnen. Diese beiden Samen liegen mit ihren flachen Seiten im Innern der Kaffeekirsche. Manchmal kann es dazu kommen, dass sich nur ein Samen entwickelt, so dass die Kaffeebohne diese kleine Mutation erlebt. Die Bohnen entwickeln sich dann ohne die flache Seite und werden oval bzw. erbsenförmig. In der Regel sind 5% aller geernten Kaffeebohnen Perlbohnen. Besonders häufig tritt diese Mutation bei Kaffee aus Tansania auf. Doch auch beim Kona-Typica zeigt sich diese Kaffeebohnenvariante regelmäßig.

Welche Kaffeesorte bereite ich wie zu?

Grundsätzlich sind alle Kaffeesorten für jede Zubereitung geeignet. Hier kommt es weniger auf die Kaffeebohne selbst, sondern mehr auf ihre Röstung an.

Für Filterkaffee sind die Kaffeebohnen eher heller geröstet, Espressoröstungen sind eher dunkler. Der Kunst des Röstmeisters obliegt es dabei, die einzelnen Kaffeesorten so zu komponieren, dass ein gewünschtes Geschmacksprofil entsteht.

Viele handelsübliche Kaffeemischungen verwenden z.B. brasilianischen Santos als Basis, da dieser recht neutral ist. Erst durch drei bis vier weitere Rohkaffees entstehen typische Aromenprofile.

Wie Sie aus der Beschreibung der einzelnen Kaffeesorten selbst sehen, hat jede Kaffee-Variante einen eigenen, tyischen Geschmack. Dieser wird häufig durch das Terroir, sprich die Umgebung in der die Pflanze wächst, beieinflusst. Um die geschmacklichen Eigenschaften des Terroirs am besten entdecken zu können, eignen sich vor allem helle Röstungen. Beim Aufbrühen von Filterkaffee zeigen sich die charakteristischen Aromenstoffe am deutlichsten.

 

 

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