kompatible Kaffeekapseln für das Nespresso®*-System am Beispiel von La Semeuse

Seit 1991 ist das System der Nespresso®*-Kapseln mit zunehmendem Erfolg auf dem Markt. Mit den 2000er Jahren wurde Nespresso®* zum marktführenden Kaffeekapselsystem und machte Kaffee zum Exportgut Nummer Eins der Schweiz – noch vor Schokolade.

Um das Nespresso®-Patent gab es lange Streit zwischen der Nespresso®-Mutter Nestlé und verschiedenen Nachahmern. Besonders in der Schweiz wurden die Gerichte jahrelang beschäftigt.

Seit ca. 3 Jahren ist das Patent auf die Nespresso®*-Kapseln jedoch ausgelaufen und verschiedene Schweizer Röstereien bieten ihre eigenen Kaffees in Nespresso®*-kompatiblen Kapseln an.

So auch die Westschweizer Kaffeerösterei La Semeuse aus La Chaux-de-Fonds.

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Obwohl über 50% aller Schweizer eine Kapselmaschine in Ihrer Küche oder ihrem Büro stehen haben, war man bei La Semeuse lange nicht davon überzeugt, in den Kapsel-Markt mit einzusteigen. Viele dieser Kaffeetrinker waren zwar La Semeuse Fans, wenn es um Bohnenkaffee ging, nutzten bei andere Gelegenheit aber dennoch die Kaffees von Nespresso®*. Das hatte sicher auch damit zu tun, da die Maschinen für die ESE Pads, die La Semeuse anbot, deutlich teurer zu erstehen waren, als die gängige Nespresso®*-Maschine.

Mit dem Auftauchen der ersten Nespresso®*-kompatiblen Kapseln wurden die Wünsche der La Semeuse-Kunden nach einer eigenen La Semeuse-Kapsel-Linie immer lauter. Doch die Antwort hieß damals noch ganz klar “Nein”.

Die ersten kompatiblen Espressokapseln hatten zahlreiche Probleme. Vor allem in Bezug auf die Kompatibilität, den Geschmack und der Druckdichtigkeit. Die Ansprüche von La Semeuse bezüglich Qualität und umweltverträglicher Verpackung wurden damals nicht erfüllt.

Doch die Vorzeichen haben sich in den letzten drei Jahren deutlich verändert. Bei La Semeuse sah man die Möglichkeit aufziehen, eine eigene Kapsellinie zu entwickeln.

Da die Investitionskosten für das Abfüllen von Kaffeekapseln sehr hoch sind, entschied man sich, nach einem Partner zu suchen, der über die Technik und das Know How bereits verfügt. Dafür besuchte man Kapselabfüller in Italien, Frankreich und in der Schweiz. Und obwohl man in der Nähe von Basel den perfekten Partner fand, dauerte es noch weitere zwei Jahre zwischen den ersten Tests und der tatsächlichen Auslieferung der ersten Kapsel-Serie.

Denn Kaffeekapseln “funktionieren” völlig anders, als gewöhnlicher Kaffee. Das beginnt damit, dass in einer Kapsel nur 5g Kaffee enthalten sind, wenn man sonst eher 7 bis 8g Kaffee pro Portion verwendet (tatsächlich verwendet man bei La Semeuse 5,2g Kaffee pro Kapsel).

Auch der Extraktionsprozess, das Ausspülen der Inhaltsstoffe des Kaffees, funktioniert in einer Kapselmaschine anders als gewohnt. Deshalb werden auch an die Mahlung des Kaffees völlig andere Anforderungen gestellt. Da es erklärtes Ziel war, dass die La Semeuse-Kunden auch einen typischen La Semeuse-Kaffee aus der Kapsel beommen und dies vor allem auch schmecken, mussten zahlreiche Probleme gelöst werden, bis es soweit war.

Für den “Roll out” der ersten Kapsel-Linie von La Semeuse entschied man sich für die Mischung Mocca, da dieser der beliebteste Kaffee der La Semeuse-Kunden ist. Der Mocca aus der Kapsel musste also gleich dem schmecken, wie er z.B. aus dem Kaffeevollautomat bezogen werden kann.

Tatsächlich handelt es sich beim La Semeuse Mocca in der Kapsel um den gleichen Kaffee, wie beim Mocca im Bohnenbeutel. Nur der Röstprozess und der Mahlgrad wurden auf die Erfordernisse der Kaffeekapsel angepasst. Und wer will, sollte folgenden Test machen: Entleeren Sie drei Mocca-Kapseln und machen aus dem darin enthaltenen Kaffee in der Siebträger-Maschine einen Espresso, Sie werden sehen: Es ist ein La Semeuse Mocca.

Wie schon erwähnt arbeitet La Semeuse mit einem technischen Partner. Die Bohnen werden in La Chaux-de-Fonds geröstet und dann zum Abfüller in die Nähe von Basel transportiert. Dort wird der Kaffee gemahlen und anschließend in die Kapseln abgefüllt. Aus Gründen der Ökomonmie und Ökologie werden die Kapseln von der Region Basel aus direkt zu den Wiederverkäufern geliefert. Nur der kleinste Teil der produzierten Kapseln findet den Weg zurück nach La Chaux-de-Fonds.

La Semeuse hat sich zu Beginn der Zusammenarbeit mit dem Kapselabfüller als schwieriger Partner entpuppt. Die erste Charge der La Semeuse-Kaffeekapseln liess man an den Partner zurückgehen. Die gelieferte Qualität in den Kapseln entsprach einfach nicht den hohen Standards, die La Semeuse an die eigenen Kaffees stellt. Doch dank der Hartnäckigkeit der La Semeuse-Sensoriker bei der Entwicklung der eigenen Kapsellinie, kann der Kaffeekunde seit 2014 das typische La Semeuse-Aroma aus der Espressokapsel genießen.

Zu Beginn tat man sich bei der Vermarktung der Kapsellinie schwer, doch bereits im Jahr 2015 konnte La Semeuse schweizweit 3 Millionen Espressokapseln absetzen. Mit dem Erfolg kam auch der Wunsch nach anderen La Semeuse-Kaffeemischungen in den Kaffeekapseln auf. Zum Ende des Jahres 2015 wurden der Mocca Lungo (als Schümli Kaffee) und der beliebte Espresso Il Piacere als Kapselkaffee auf den Markt gebracht. Vor allem kam man dem Kundenwunsch nach, kleinere Abpackungen zu erhalten. So wird der Mocca Lungo und der Il Piacere im 10er-Pack verkauft.

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Wie bei Nespresso®* sind die Kapseln von La Semeuse kein billiges Kaffeevergüngen. Das hängt zum einen mit der produzierten Menge zusammen, die im Verhältnis mit der von Nespresso®* immer noch klein ist. Zum anderen investiert La Semeuse viel Zeit und damit auch viel Geld in den Prozess der Qualitätssicherung. Und diese Investition schmeckt man mit jeder Tasse. Denn die Kunden sollen sich bewusst für eine Kapsel von La Semeuse entscheiden, so wie sie dies auch beim Bohnenkaffee tun. Die Kapseln sollen ebenfalls beste Botschafter des Geschmacks, der Geschichte und der traditionellen Qualität von La Semeuse sein. Um dies zu erreichen, kann und will man kein billiges Produkt produzieren.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu den Aluminium-Kapseln des Marktführers. Alu-Kapseln wollte man bei La Semeuse nicht verwenden, da sie nicht umweltverträglich sind. La Semeuse wich auf Kunststoffkapseln auf, die zwar nicht viel ökologischer sind als Alu-Kapseln, aber einfach über den Hausmüll zu entsorgen sind. Für die Zukunft plant man, auf biologisch abbaubare Kapseln zu wechseln, doch ist man aktuell bei La Semeuse noch nicht von deren Qualität überzeugt.

Eines bleibt: Auch wenn man bei La Semeuse mittlerweile sehr erfolgreich in das Geschäft mit der Kapsel eingestiegen ist, sieht man sich weiterhin als traditionelle Kaffeerösterei, für die die reinste und edelste Kaffeequalität nur aus der Bohne stammt.

Johannes Lacker

*Nespresso® ist eine eingetragene Marke der Société des Produits Nestlé S.A., Vevey. und ist nicht im Besitz der Kaffi Schopp GmbH

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