Zeit für sinkende Kaffeepreise?

Die grösste deutsche Kaffeerösterei wirbt aktuell mit sinkenden Kaffeepreisen. Von der Tagespresse wird diese Meldung erfreut aufgegriffen. Damit wird bei den Verbrauchern die Erwartung geschürt, dass nun kurz- bis mittelfristig auch andere Kaffeeröstereien ihre Preise senken. Doch wird sich diese Erwartung auch erfüllen?

In der Tat haben sich die Preise leicht, aber auf weiterhin hohem Niveau erholt. Parallel zu dieser Erholung ist der US-$ ist in der Zwischenzeit (seit Mitte 2011) um +23% gestiegen. Da Rohkaffee in US-$ gehandelt wird, profitieren die Import-Länder Europas, so auch die Schweiz, nur eingeschränkt von den sinkenden Rohkaffeepreisen. Daraus resultiert nur ein geringe Entwarnung für die Kaffeepreise. De Facto liegen die Einkaufspreise nach wie vor  gute 40% höher als Anfang 2010!

Dazu kommt, dass diverse Produktionsländer einen stark zunehmenden Eigenkonsum verzeichnen. Gute bis sehr gute Kaffeequalitäten werden mittlerweile nicht mehr nur exportiert, sondern verbleiben immer häufiger im eigenen Land. Damit werden die genannten Qualitäten auf dem Weltmarkt knapper.

Aber auch in den europäischen Importländern wächst die Nachfrage nach guten bis sehr guten Kaffeequalitäten. Kleine Kaffeeröstereien boomen und fragen Qualitäten ab, die i.d.R. von den Grossen der Branche nicht verwendet werden. Auch wissen die Kaffeebauern, die diese hohen Qualitäten produzieren, mittlerweile um den Wert dieser Qualität. Fazit: Die Nachfrage nach Rohkaffees hoher Güte steigt, das Angebot folgt dieser Nachfrage aber nicht parallel.

Dies wird z.T. auch durch die klimatischen Veränderungen verursacht. Ernteausfälle,  so z.B.  aktuell in Vietnam und Kolumbien, intensivieren die Verknappung des Rohkaffees. Auch treiben Spekulanten die Jagdpreise nach Rohstoffen in die Höhe, weil sich der internationale Immobilienmarkt noch nicht erholt hat. Anleger suchen Gelegenheiten für schnelles Geld, so bleiben die Rohstoffe weiterhin interessant! Auch das Weltmarktgeschehen ist noch nicht bereinigt, so z.B. die Situation rund um den EURO und die Rückläufe der Exportgeschäfte. Die Wirtschaftsdaten schreiben keine erfreulichen Zahlen, deshalb bleiben die Anleger verunsichert.

Es spricht vieles für eine zukünftig aussichtsreichere Lage, doch die aktuelle Realität ist für eine Preiskorrektur auf dem Qualitätsniveau der Schweizer Kaffees noch nicht gegeben. Die Kaffeeröstereien, die in Deutschland gerade mit sinkenden Preisen werben, kaufen i.d.R. nicht die Qualitäten ein, welche die Schweizer Kaffeeröstereien für ihre Kaffees verwenden.

Dennoch kann man ein positives Fazit ziehen: Der Kaffeepreis wird für den Endverbraucher die nächste Zeit stabil bleiben. Und das ist durchaus erfreulich, wenn man sich die Preisentwicklung der letzten 24 Monate in Erinnerung ruft.

Johannes Lacker

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