Schweizer Barista Meisterschaften – das Training

Nun ist es schon gute zwei Wochen her, dass Michel Jüngling in Bern Schweizer Barista Meister wurde. Und natürlich hat Michel die Meisterschaft mit einem eindrücklichen Ergebnis beendet. Dass hinter diesem Ergebnis harte Arbeit steckt, hatte Michel mir auch schon verraten: seit September 2010 trainierte er für seine Präsentation vor der Jury.

Training im Dreier Team

In der heissen Phase vor den Meisterschaften arbeitete Michel zusammen mit den Ostschweizern Micha Schranz und André Kissling jeweils dienstags und donnerstags für vier Stunden in der Kaffeezentrale in Uster, dem Firmensitz des grössten Kaffee Online Shops der Schweiz.

In der Kaffeezentrale war alles so eingerichtet, wie es bei den Meisterschaften auch eingesetzt wurde. Nur als Espressomaschine diente keine Dalla Corte DC Pro (die Wettbewerbsmaschine), sondern eine dreigruppige GB/5 von La Marzocco, wie sie auch schon an den Weltmeisterschaften eingesetzt wurde.
Als Mühle wurde die Macap M4D verwendet, ein sogenannter “Direktmahler”.

Techniktraining

Wie bereits erwähnt, wurde die Trainingsumgebung eingerichtet wie an den Meisterschaften. Um einen wettbewerbsfähigen und regelkonformen Auftritt zu gewährleisten, wurden die Technik-Trainings nach den Regeln der SCAE Barista 1 und SCAE Barista 2 Zertifizierungen durchgeführt.

Dabei steht das richtige Einstellen von Espressomaschine und Mühle im Vordergrund. Auch das perfekte Aufschäumen der Milch für den Cappuccino, das Latte Art-Giessen und das saubere Arbeiten an der Maschine muss immer wieder geübt werden.

Der Kaffee

Nach der Technik war natürlich die Auswahl des Kaffees ein weiterer, sehr wichtiger Baustein in der Vorbereitung für die Meisterschaften. Michel enschied sich für einen Kenia Kiundi, der bei Bogen Kaffee in Schaffhausen geröstet wurde. Nun musste Michel allerdings den Kaffee richtig kennenlernen, sprich ihn sensorisch bewerten und damit zusammenhängend die richtige Zubereitung hinsichtlich Mahlgrad und Brüh-Temperatur auswählen. Und natürlich muss die “Story” rund um den Kaffee entwickelt werden, denn schliesslich soll der Barista der Jury auch etwas zum Hintergrund des Kaffees und seiner Präsentation erzählen können.

Baristatraining

Barista Training mit Micha Schranz und Armin Luginbühl

Der Signature Drink benötigt dabei mindestens genauso viel Aufmerksamkeit, wie der eigentliche Kaffee, denn schliesslich soll auch dort noch der Kaffee sensorisch im Vordergrund stehen. Hier das entsprechende Gleichgewicht zwischen Kaffee und Zweitkomponenten zu finden, braucht seine Zeit.

Mentales Training

Wenn man Zuschauer an Barista Meisterschaften ist, sieht man selten einen Barista, der während der Präsentation keine zitternden Hände hat (kein Wunder, denn man hat nur diese eine Chance an einer Meisterschaft). Um das Zittern nicht zu gross werden zu lassen, müssen vor einer Meisterschaft auch Mentaltechniken trainiert werden, um konzentriert, aber gelassen präsentieren zu können. Und natürlich wird immer wieder vor Fachpublikum geprobt, um sich darauf einstellen zu können, vor einer Jury zu präsentieren.

Zur künstlerischen Ausführung, gehören, zu dem souveränen Vortrag, auch die Auswahl des passenden Geschirrs und Bestecks für die servierten Kaffeezubereitungen. Michel verwendete für seinen Signature Drink vier Tassen, die zwar aus Vietnam stammen, optisch aber optimal zu seinem afrikanischen Thema passen.

Professionelle Unterstützung

Besondere Unterstützung erhielten die drei Ostschweizer Michel, Micha und André vom Geschäftsführer der Kaffeezentrale, Armin Luginbühl. Armin ist selbst langjähriges Mitglied des Schweizer SCAE Vorstandes und bringt viel Erfahrung von Schweizer- und Weltmeisterschaften mit. Und so konnte er den drei Baristi an vielen Stellen mit seinem Rat helfen – nur die Umsetzung hatte jeder selbst zu verantworten.

Wie Michel den Rat und die Unterstützung aller Beteiligten umgesetzt hat, lässt sich nochmal am bereits geposteten Video seiner Präsentation nachvollziehen.

Mit der professionellen Unterstützung seitens Turm und Bogen Kaffee sowie der Schweizer SCAE bin ich sehr zuversichtlich, dass es Michel in Bogota an den Weltmeisterschaften im Juni zumindest bis ins Halbfinale schafft. Und alles weitere entscheiden sowieso immer ein bisschen das Glück und die Tagesform.

Wir drücken auf jeden Fall die Daumen!

Bildquelle: latteart.ch

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