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Allgemein Kaffeeszene Schweiz

Michel Jüngling im Gespräch

Michel Jüngling, neuer Schweizer Baristameister, hat für die Schweiz bisher Einmaliges erreicht. Zum einen die Punktzahl, mit der er gewann (503 Punkte), als auch der Sieg in allen drei Einzelwertungen (Espresso, Cappuccino, Signature Drink). Das hat in der 12jährigen Geschichte der Schweizer Baristameisterschaften noch kein Barista geschafft.

Schweizer Baristameister 2011

Umso neugieriger war ich natürlich, mit Michel über seine Teilnahme zu sprechen:

KaffiSchopp [KS]: Hallo Michel, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Schweizer Baristameisterschaft 2010! Nach der Vorrunde lagst Du noch auf dem  vierten Platz, wie hast Du diese Leistungssteigerung im Finale hinbekommen?

Michel Jüngling [MJ]: Nach meiner ersten Show hatte ich eine kurze Nachbesprechung mit der Jury. Sie erklärten kurz wo  und wie ich mehr Punke erreichen könnte. Daran habe ich gearbeitet… und hatte dann 50 Punke mehr als am Vortag! Offensichtlich ist es mir gut gelungen, die Tipps der Jury umzusetzen.

[KS] Aus der Vergangenheit wissen wir, dass es sehr zeitaufwendig ist, sich auf Baristameisterschaften vorzubereiten. Wann ging bei Dir die Vorbereitung los?

[MJ] Ich habe mich bereits ab dem Juni 2010 konzeptionell vorbereitet. Anfangs September habe ich dann mit dem konkreten Training begonnen. Ich habe dabei viel bei Turm Kaffee, meinem Arbeitgeber und in der Kaffeezentrale in Uster geübt. Und natürlich habe ich auch zuhause an meiner Präsentation gearbeitet.

[KS] Hast Du Dich alleine vorbereitet oder hast Du Hilfe bekommen?

[MJ] Teils teils, zuhause habe ich alleine trainiert. Bei Turm Kaffee habe ich Unterstützung durch Roger Bähler [Geschäftsführer Turm Kaffee] erhalten, er ist selbst SCAE zertifizierter Barista. In der Kaffeezentrale stand mir Armin Luginbühl von der Swiss SCAE zur Seite, der über viel Erfahrung aus vergangenen Meisterschaften verfügt. Richtig trainiert habe ich mit Micha Schranz und André Kissling, die ebenfalls beide schon mehrfach an Schweizer Meisterschaften teilgenommen haben.

[KS] Habt Ihr zusammen den ganzen Tag nur Kaffee gemacht und verkostet oder wie muss ich mir so ein Training vorstellen?

[MJ] Natürlich steht der Kaffee im Vordergrund. So hat uns z.B. Gloria Pedroza geholfen den gewählten Kaffee zu analysieren. Sie ist immerhin ehemalige Weltmeisterin im Cup Tasting. Und auch die Schweizermeisterin der Servicefachangestellten plus die Betreuer der Berufsweltmeisterschaft war in Uster vor Ort, um die Servicequalität zu verbessern.

[KS] Du hast den Kaffee schon erwähnt: Du hast einen kenianischen Arabica für Deine Präsentation verwendet. Warum gerade dieser?

[MJ] Der Kaffee aus Kenia hat eine wunderbare zitrusfruchtige Säure, auch das Aroma ist herrlich fruchtig. Der kenianische Kaffee hat mir nach vielen Degustationen von Single Origins am besten geschmeckt. Geröstet wurde der Kaffee in Schaffhausen bei Bogen Kaffee, der Tochter von Turm Kaffee St.Gallen.

[KS] Kannst Du uns etwas über das Rezept für Deinen Signature Drink verraten?

[MJ] Na klar. Ich verwendete etwas Kardamon, Koreander, Zimt (übrigens frisch gemalen aus einem afrikanischen Shop), Safran, Schlagsahne, Ahornsirup, frisch geröstete Sesamkerne und selbstverständlich den Kaffee aus Kenia.

[KS] Wie bist Du auf das afrikanische Thema gekommen? Während Deiner Präsentation in Bern lief ja auch afrikanische Musik.

[MJ] Na ja, da ich afrikanischen Kaffee verwende, warum dann nicht afrikanische Gewürze verwenden? Ich habe  sehr lange daran experimentiert, bis mir der Drink geschmeckt hat. Und die Musik hat natürlich das afrikanische Thema noch mehr unterstrichen.

Michel Jüngling

[KS] Jetzt wirst Du als Schweizer Baristameister an die Weltmeisterschaften (WBC) nach Bogota fahren.  Mit welchen Erwartungen fährst Du nach Kolumbien?

[MJ] Die WM ist natürlich eine riesen Herausforderung. Ein paar Sachen muss ich schon ändern und verbessern. Schliesslich muss ich mind 100 Punkte mehr erreichen als in der Schweizer Meisterschaft… und das wird schwierig genug. Wo das Potential nach oben ist, werde ich noch zu erarbeiten haben. Mein Ziel ist es, in Bogota mindestens 650 Punkte zu erreichen.

[KS] Die Schweizer Baristameisterschaften scheinen ja eine reine Berner Angelegenheit zu sein, schliesslich haben sie die letzten drei Jahre dort stattgefunden. Nun kommt der neue Schweizer Baristameister aus der Ostschweiz. Wäre es da nicht mal Zeit, dass auch die Meisterschaft in der Ostschweiz stattfindet?

[MJ]  Ja das wäre echt toll, wenn die nächste Schweizer Meisterschaft in der Ostschweiz stattfinden würde, zumahl Micha Schranz und André Kissling, meine Trainingspartner, auch Ostschweizer sind.

[KS] Ein letztes Wort?

[MJ] Ich danke Roger Bähler vom Turm & Bogen Kaffee herzlichst für die tolle Unterstützung!!! Merci Roger!!!

Auch ich vom Kaffi Schopp freue mich sehr darauf, Michels Weg an die Weltmeisterschaften weiter begleiten zu dürfen und drücke ihm schon jetzt alle Daumen für eine erfolgreiche WM.

Johannes Lacker

Bildquellen: Kaffi Schopp und latteart.ch

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