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Schöner Tampen mit TamperBell

Auch wenn man glaubt, dass es beim Thema Espressostampfer (=Tamper) schon alles gibt, wird man eines besseren belehrt. Rolf Kamphausen, im richtigen Leben Inhaber einer Firma für die Herstellung zerspanter technischer Kunststoffteile, hat sich vor einigen Monate dem Thema angenommen und einen Tamper entwickelt, der sich tatsächlich als Neuheit darstellt: den TamperBell.

TamperBell
Der TamperBell in gewohnter Umgebung

Was ist das Besondere am TamperBell?

Vor allem eins: seine grosse Individualität. Verschiedeneste Griffe in edelsten Hölzern, Kunststoffen und Aluminium, unterschiedlich eloxierte Verbindungsschrauben (im Bild rot) und Füsse mit verschiedenen konvexen Wölbungen können nach eigenen Wünschen und Vorstellungen kombiniert werden. Um die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten aufzuzählen, reicht hier der Platz nicht, deswegen sei der Besuch der TamperBell-Homepage empfohlen.

Weiteres Merkmal des TamperBells ist der Wegfalls des sogenannten “Knocks”, sprich das Klopfen des Siebträgers nach dem ersten Tampen mit dem Espressostampfer. Das “Knocken” rampuniert mit der Zeit entweder den Tamper oder den verwendeten Siebträger – im schlechtesten Fall sogar beide. Der Verzicht auf das “Knocken” wird dadurch erzeugt, dass das Kaffeemehl, welches beim Tampen am Rand des Siebträgers zurückbleibt, regelrecht abgeschnitten wird und beim Entfernen des Tampers einfach in den Siebträger fällt. Beim konventionellen Tamper müssen diese Reste abgeklopft werden.

Auf der Caffe Culture Kaffeemesse in London konnte ich den TamperBell selbst einmal in die Hand nehmen, beeindruckend ist vor allem sein sehr hohes Gewicht: hier kommen schnell einmal über 450g zusammen. Dadurch legt sich der TamperBell schon durch sein Eigengewicht und den niedrig liegenden Schwerpunkt “satt” in den Siebträger und unterstützt damit das gerade tampen.

Nach dem Londoner Messebesuch kann ich mittlerweile selbst einen TamperBell mein Eigen nennen.  Deshalb hatte ich ausführlich Gelegenheit, ihn zu testen. Um es vorweg zu nehmen: vergessen Sie alles, was Sie bisher über das Tampen wussten. Vor allem die geübten Handgriffe “passen” zu diesem Tamper nicht. Als Gewohnheitsmensch hatte ich anfänglich meine liebe Mühe, vernünftige Ergebnisse zu produzieren. Rolf Kamphausen stellte mir deshalb freundlicherweise eine Art Gebrauchsanweisung zur Verfügung:

  1. Tamper auf das gemahlene Espressopulver legen
  2. Handballen hinter den Fingergrundgelenken auf  den Griff legen
  3. Finger rundherum um den Tamper legen***
  4. Druck geben 60-70% Finger 20-30% Ballen
  5. wer möchte darf und kann polieren (den Tamper drehen)
  6. Druck wegnehmen
  7. ohne Druck drehen (soviel oder sowenig man möchte, gerne auch exentrisch) um den Kaffee abzuschneiden
  8. anheben um mindestens 1cm
  9. das in die Mitte gefallene Pulver nachtampern oder wegschütten

*** wenn man den Tamper nur mit den Fingern anheben, ihn um 90° kippen und an eine Wand drücken kann, dann ist der Griff perfekt (analog z.B. zu einem 2 EUR Stück, welches man mit den Fingerspitzen aufhebt)

Nachdem ich vor allem die neue Grifftechnik nochmals geübt hatte, ging der Rest von ganz alleine.

Was mich abschliessend wirklich begeistert, ist, dass ich mit dem TamperBell erstmals Espresso-Shots aus dem bodenlosen Siebträger ziehen konnte, ohne dass es aus dem Siebträger spritzte. Der bodenlose Siebträger ist die beste Kontrolle dafür, dass man den Espresso (bzw. das Kaffeepulver) richtig verdichtet hat. Dies war mir mit einem konventionellen Tamper bisher nicht gelungen und Indiz dafür, dass ich technisch und qualitativ besser tampe.

Was mir persönlich nicht so zusagt, ist der relativ kurze Griff des TamperBells – für meine grosse Hand empfinde ich den Tamper als zu klein. Das mag für das “Tagesgeschäft” eines Home-Baristas zwar okay sein, im gastronomischen Einsatz würde ich aber wohl schnell mit einer Sehnenscheidenentzündung dastehen, da der Druck beim Tampen über die Finger ausgeübt wird. Beim konventionellen Tampern geht der Kraftfluss in den Arm und nicht in die Finger (siehe folgendes Foto):

Kraftfluss Tamper
beim TamperBell laufen die Kraftlinien nicht parallel, beim konventionellen Tamper schon

Deshalb mein Fazit zum TamperBell: ein tolles Teil deutscher Ingenieurskunst, welches das Tampen eines Espressos optimal unterstützt und verbessert. Für den gastronomischen Einsatz meines Erachtens allerdings nicht geeignet, da dafür die Ergonomie nicht stimmt.

Johannes Lacker

Eine Antwort auf „Schöner Tampen mit TamperBell“

Hallo Johannes,
vielen Dank für deinen schönen Bericht.
Aber deine Bilder und das Fazit beruhen auf der falschen Grifftechnik.
Im Gegenteil zu deiner Darstellung und deinem Bild kann (und sollte der) Tamper für ein gutes Ergebnis anders gehalten werden.
Dann ist der TamperBell die genaue Verlängerung des Armes.
Und hat bei einer der korrekten Anwendungen weder den Winkelversatz wie in deinem Bild noch den Versatz im Vergleich zu einem herkömmlichen Tamper.

Du hast natürlich Recht. Für viele Bereiche in der Gastronomie ist der TamperBell einfach auch ein Arbeitswerkzeug aus der falschen Preisklasse.
Andererseits arbeiten jedoch einige sehr bekannte Profi-Baristas sowohl für den Wettkampf aber auch im harten Arbeitsalltag mit unserem TamperBell und berichten eben über entspannteres arbeiten. Nur man muss auf einen TamerBell besser aufpassen;-)
Gruß
Rolf

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