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Thun – Stadt der Schweizer Baristi

Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, habe ich den 26. und 27. April unter anderem in Thun verbracht. Hier folgte ich der Einladung des Swiss Barista Team zur WM Abschlussfeier ins Hotel Rathaus.

Mit Thomas Liebe, Coach von Philippe Meier, dem aktuellen Schweizer Barista Meister, hatte ich für den Nachmittag abgemacht, um dann gemeinsam zur Feier zu gehen.

“Fahr einfach bis Thun-Süd, dann ist es nur noch eine Minute zu mir nach hause” – so hatte mir Thomas den Weg beschrieben und tatsächlich stand ich schon kurz nach der Autobahnabfahrt bei ihm vor der Türe. Kaum aus dem Auto gestiegen begrüsste mich Thomas in seinem Zuhause.

Dass sich hier vieles um Kaffee dreht, wurde mir sehr schnell klar, denn kaum dass man das Wohnzimmer betritt, steht man vor zwei Prototypen aktueller Schaerer Kaffeevollautomaten – was kein Wunder ist, wenn man weiss, dass Thomas für deren Design verantwortlich ist.

Aber schon der zweite Gang führte mich in seinen Garten: über eine sehr steile Treppe ging es einen Hang hinauf, der, wie Thomas mir erklärte, der Rest einer urzeitlichen Mittelmuräne ist, als die Gletscher noch tief ins Tal reichten. Von hier hatte ich nun einen wirklich beeindruckenden Blick über die sogenannte Thuner Allmend, zur linken Seite das Schloss Thun, zur Rechten schaut man auf das Massiv der Eiger, Mönch und Jungfrau – der dominierenden Gipfelkette des Berner Oberlandes.

Blick auf Eiger, Mönch in Jungfrau - leider in den Wolken
Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau - leider in den Wolken

Tief beeindruckt von diesem Panorama bot mir Thomas gleich einen Kaffee an – klar, der Kaffee führte mich ja zu ihm. Hatte ich nun maximal erwartet, dass Thomas mir einen perfekten Espresso zubereitet, sagte er mir, dass er jetzt erstmal die Bohnen rösten werde. Eine Tasse von Yellow Bourbon Rohkaffeebohnen der Rösterei Rast wurden somit kurzerhand in 9 Minuten geröstet und mir dann als Espresso serviert.

Als Espressomaschine verwendet Thomas eine etwa drei Jahre alte Dalla Corte Mini, eine Maschine, von der Thomas wirklich begeistert ist. Als wir noch eine weitere Espresso-Röstung probierten, Bohnen, die ich am gleichen Tage bei Adriano’s in Bern gekauft hatte, tranken wir diese erst mit einer Brühkopftemperatur von 94 Grad, dann 96 Grad, um dann bei 92 Grad den perfekten Geschmack zu erreichen. Und das alles ohne langwierige Einstellungsarbeiten an der Maschine, ein Drehen am Temperaturknopf genügte.

Erstaunlich auch, welche Unterschiede in den Aromen frisch geröstete und etwa drei Wochen alte Bohnen haben. Die “röstfrischen” Yellow Bourbon rochen für mich etwas muffig, die drei Wochen alten Bohnen hatten ein feines Schokoladenaroma. Auch hatten sich in den älteren Bohnen die Aromen weiter entwickelt, eindeutig am intensiveren, dabei jedoch samtig-schokoladigen Geschmack, zu erkennen.

Auch wenn ich nur für zwei Stunden bei Thomas sein konnte, so lieferte er mir jedoch den Beweis dafür, dass die Welt des Kaffees ein immer wieder spannendes Thema ist, bei dem es für mich noch viel zu entdecken gibt.

Danke Thomas!

Am späteren Nachmittag besuchte ich dann zusammen mit Thomas die Abschlussfeier des Swiss Barista Teams um Philipp Meier. Hier fanden sich Sponsoren, Unterstützer und Freunde des Swiss Barista Teams ein, welches sich in Atlanta den anderen nationalen Meistern gestellt hatte.

Thomas Liebe, Philipp Meier und Mathias Bühler
Thomas Liebe, Philipp Meier und Mathias Bühler

Im Rahmen der Feier erklärte Thomas dann auch, warum es für Philipp konkret nur für den 32. Platz gereicht hatte. Wie ich im ersten Resumée schon schrieb, war der Maroni-Geschmack im Signature Drink von Philipp zu stark im Vordergrund, so dass es hier Abstriche gab. 48 Punkte und damit 15 Plätze vergab Philipp aber dadurch, dass er der WBC-Jury erklärte, dass sie in seinem Espresso unter anderem Karamel schmecken würden. Nur leider schmeckte keiner der Juroren dieses Karamel, so dass auf dem Bewertungsbogen “no caramel” vermerkt wurde. Da auch Thomas Liebe und Mathias Bühler, die Mitstreiter von Philipp, dieses Karamel nie schmeckten, sondern sich auf Zitrus-, Orangen- und Beerenarmomen verständigten, hätte Philipp besser geschwiegen, als ein Aroma anzugeben, welches ausser ihm niemand beschreiben konnte.

Dennoch kann das Swiss Barista Team sehr stolz auf das Erreichte sein, vor allem, weil es für Philipp noch Luft nach oben gibt. Als ich ihn befragte, ob er sich auch im kommenden Jahr dem Wettbewerb stellen wolle, zögerte er einen Augenblick, um dann aber zu sagen, dass sich für ihn so vieles geändert habe im letzten halben Jahr, dass es schade wäre, dieses Erlebnis nicht zu wiederholen.

Deshalb sei von dieser Stelle an Philipp und das Swiss Barista Team ein “Auf ein Neues in London 2010” bei den nächsten World Barista Championships gerufen.

Johannes Lacker

P.S.: Neben Philipp Meier, Mathias Bühler und Thomas Liebe lebt auch die Schweizer Barista Meisterin von 2007, Anna Käppeli, in Thun.

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