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Häsch dini Ovo hüt scho gha?*

Die Jugi in Leissigen
Die Jugi in Leissigen

Am letzten Wochenende war ich über Nacht in Leissigen in der dortigen Jugendherberge, in der Schweiz “Jugi” genannt. Die Jugi in Leissigen liegt direkt am Thunersee im Berner Oberland und nennt sich Albert Wander Haus.

Diese Bezeichnung irritierte mich zwar zu Anfang ein wenig, gedacht habe ich mir dabei aber nichts. Erst in der Jugi selbst entdeckte ich ein Schild, welches mich aufmerksam werden lies. Dr. Albert Wander ist Sohn des Gründers der Wander AG, dem Hersteller eines weiteren Schweizer Nationalgetränks, der “Ovo” (oder lang “Ovomaltine“).

Die Ovomaltine ist ein Instant-Malzgetränk, welches in der Schweizer Originalrezeptur keinen Kristallzucker enthält. Diese Rezeptur ist nur in der Schweiz erhältlich, in Deutschland ist der Ovo Kristallzucker zugesetzt.

Natürlich ist mir die Ovo schon lange bekannt, ihren Ausschank plane ich auch für das Kaffi Schopp. Was das ganze für mich besonders macht, ist die Geschichte der Ovomaltine.

Wie Sie eventuell wissen, ist Unternehmenssitz des Kaffi Schopp Heppenheim an der Hessischen Bergstrasse. Auf der westlichen Rheinseite, quasi gegenüber von Heppenheim in etwa 20 km Entfernung, liegt Worms.

Aus Osthofen bei Worms stammt der Vater von Albert Wander, Georg Wander. Dieser war 1863 an das Institut für

Ovomaltine
Ovomaltine (c) Wander AG

Chemie und Pharmazie der Universität Bern berufen worden. Er fühlte sich in Bern schnell heimisch und widmete sich nebst seinen Aufgaben als Assistent vorab dem Malz, welches als nährreiches und leicht verdauliches Nahrungsmittel damals grosses Interesse hervorrief. Bald war er von seinen eigenen Forschungen so gefesselt, dass er nach zwei Jahren seine Universitätsstelle bereits wieder aufgab. Er verdiente seinen Lebensunterhalt fortan als Produzent von Mineralwasser und Anbieter von chemischen Untersuchungen aller Art und widmete sich nach wie vor dem Malz. Bald bot Georg Wander Malz in Form eines bitter schmeckenden Sirups an, welcher Wöchnerinnen und Säuglingen zur Stärkung verabreicht wurde.

Mitte der 1890er Jahre erkrankte Georg Wander so schwer, dass er den Betrieb seinem Sohn, Albert Wander, übergeben musste. Jener führte die Malzforschung im Sinne seines Vaters weiter. Die Weiterentwicklung des Vakuum-Trockenverfahrens ermöglichte schliesslich die Herstellung von Malz in Form eines Pulvers. Das bedeutete für das Familienunternehmen den grossen Durchbruch. Bereits ein Jahr später, nämlich im Jahre 1904, kam die Ovomaltine auf den Markt.

Das Gebäude der heutigen Jugi Leissigen war einst Sommersitz der Familie Wander, nach dem Tod des Gründers und seiner Frau Erholungsheim für die Mitarbeiter der Wander AG. Anfang der 1990er Jahre wurde das Gebäude den Schweizer Jugendherbergen übergeben, welche sich nun als Betreiber der dortigen Jugendherberge auszeichnet.

Wenn Sie das nächste Mal gefragt werden “Häsch dini Ovo hüt scho gha?”*, dann denken Sie vielleicht an Worms – denn “wer hat’s erfunden?” – für einmal kein Schweizer! 😉

Johannes Lacker

*) “Hast Du Deine Ovo heute schon gehabt / getrunken?”

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