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Philipp Meier im Interview

Philipp Meier
Philipp Meier

Am kommenden Sonntag fliegt Philipp Meier zusammen mit seinem Coach Thomas Liebe und Team Captain Mathias Bühler (Shisha Bar Thun) nach Atlanta zu den World Barista Meisterschaften.

Bevor er sich aufmacht, hatte ich heute Gelegenheit, Philipp noch zum Stand der Vorbereitungen zu befragen.

Kaffi Schopp (KS): Philipp, im Januar hast Du erstmalig an den Schweizer Barista Meisterschaften teilgenommen und diese gleich gewonnen. Warst Du von Deinem Sieg an den Meisterschaften überrascht oder hast Du Deinen Erfolg erwartet?

Philipp Meier (PM): Ehrlich gesagt habe ich gar nichts erwartet. Ich habe zum ersten Mal teilgenommen, die Kaffeeszene in der Schweiz war für mich bis dahin ziemlich klein und meine Chancen konnte ich nicht einschätzen, da mir ein Referenzpunkt fehlte. Ich konnte also sehr locker an den Start gehen, das hat wahrscheinlich auch geholfen.

KS: Nun bereitest Du Dich auf die World Barista Championships (WBC) vor. Inwieweit unterscheidet sich die Vorbereitung auf die WBC von der Vorbereitung für die nationalen Meisterschaften?

PM: Die Vorbereitung unterscheidet sich insofern, dass ich seit nunmehr über drei Monaten jeden Tag Kaffee mache, diesen fast nicht mehr sehen, ihn aber lieben muss und kann. Und, dass in meinen Konversationen mit Freunden das Wort “Kaffee” zu einem inflationären Terminus verkommt. Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Aber der Hauptunterschied ist die Intensität. Im Februar war ich zwei bis drei Tage im Seepark [das Hotel Seepark in Thun ist Trainingsort des Swiss Barista Teams, KS], um mich mit der Wettbewerbs-Maschine von Nuova Simonelli vertraut zu machen. Im März stieg das Pensum an und hielt sich nun über knapp eineinhalb Monate bei täglichen Trainings. Das ist sehr intensiv. Für die Schweizermeisterschaften haben wir “lediglich” zwei Wochen Intensivtraining abgehalten.

KS: Thomas Liebe, Schweizer Barista Meister des letzten Jahres, ist Dein Trainer. Auf was hat Thomas bei Eurem Training besonderen Wert gelegt?

PM: Konstanz und Gelassenheit führt zu Sicherheit. Ja, das triffts.

KS: Zusammen mit der Kaffeerösterei “La Semeuse” aus La Chaux-de-Fonds habt Ihr eine besondere Kaffeemischung für die Meisterschaften entwickelt. Was ist das Spezielle an dieser Kaffeemischung?

PM: Der “internationale” Kaffeegeschmack unterscheidet sich von dem in der Schweiz. “Fruchtige” Kaffees sind gesucht, solche, die hier als “sauer” beschrieben werden. Die Kaffeemischung ist eine Gratwanderung – jeder hat seinen eigenen Kaffeegeschmack, so habe auch ich meine Mischung ausgesucht. Man kommt aber nicht drum herum, gewisse Abstriche zu machen, d.h., sich auf die Geschmackskriterien der WBC-Jury einzulassen. Folglich muss man sich einen Kaffee suchen, dem beide Vorlieben, die eigenen und die der WBC-Jury innewohnen.

KS: Welche Milch verwendet Ihr für den Cappuccino?

PM: An den WBC bekommt jeder Barista einen Personal Buddy [einen persönlichen Assistenten, KS], der einem auf der Suche nach Milch helfen wird. Milch nehmen wir aus logistischen Gründen keine mit in die USA. Den Transport würde nur die UHT-Milch überleben, die wollen wir aber nicht. Also suchen wir uns zusammen mit dem Buddy in Atlanta eine frische Vollmilch, mit 3.5% Fettgehalt.

KS: Thomas Liebe erlebte letztes Jahr an den WBC in Kopenhagen ein Desaster mit dem dort zur Verfügung gestellten Wasser. Aufgrund dieser Erfahrung hat Thomas versucht, dieses Wasser bei Eurem Training zu simulieren. Kannst Du mir erklären, was das Spezielle beim Wasser in Atlanta bzw. an den WBC generell ist?

PM: An den Weltmeisterschaften wird stets ein definiertes WBC-Wasser verwendet. Ein Wasser mit eigener Mineralisation, einmalig. Dies deshalb, damit das Wasser an jeder WBC die selbe Qualität aufweist und Wettbewerbsgleichheit herrscht.

KS: Inwieweit beeinflusst dieses Wasser das Ergebnis in der Tasse?

PM: Das sind Welten. Nur soviel: Personen, die einen bestimmten Kaffee seit mehreren Jahren täglich trinken, erkennen ihren eigenen Kaffee nicht wieder. Die Unterschiede sind enorm. Kaffees die mit “unserem” Wasser gut schmecken, sind mit dem WBC-Wasser schlichtweg nicht trinkbar, und umgekehrt.

KS: Wie hast Du die letzten Wochen im Training mit Mathias Bühler und Thomas Liebe erlebt?

PM: Es war eine sehr tolle, intensive Zeit, die nebst viel Energie auch Nerven kostete. Aber nun geht es ja erst richtig los! Eine abschliessende Meinung bilde ich mir nach Atlanta.

KS: Du studierst an der Uni Bern Islamwissenschaften. Hast Du Dein Studium im Moment etwas zurückgestellt, um Dich auf die WBC vorzubereiten?

PM: “Eigentlich” sollte ich Ende Juni meinen Bachelor haben – das wird jetzt aber Dezember…also: Ja.

KS: Kannst Du Deine Kontrahenten aus den anderen Ländern etwas beurteilen? Hast Du einen persönlichen Favoriten, an dem Du Dich orientierst?

PM: Ich habe mich mit meinen Mitstreitern befasst, allerdings nicht so eingehend, dass ich mich dann zwangsläufig an einem von diesen orientieren würde. Sammy Piccolo aus Kanada ist zum vierten Mal dabei, mit ihm ist sicher zu rechnen. Australier, Schweden, Dänen und Amerikaner sind generell stark. Aber eben, ich mache mein Ding, ich freue mich Baristi aus aller Herren Länder zu sehen und diese vor allem als Freunde und weniger als Kontrahenten kennen zu lernen.

KS: Inwieweit möchtest Du Deine Fähigkeiten als Barista weiter (evtl. beruflich) verfolgen?

PM: Im letzten halben Jahr hat sich sehr vieles getan. Vielleicht gehts das noch mal so weiter. Ich werde sehen…

KS: Philipp, ich danke Dir für dieses Gespräch und wünsche Dir nun einen guten Flug nach Atlanta und viel Glück auf den WBC!

Johannes Lacker/KS

P.S.: Hier auch nochmal der Link zum TV-Bericht über die Vorbereitungen von Philipp  Meier.

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