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Besuch bei Turm Kaffee St.Gallen

Über die Rösterei Turm Kaffee in St.Gallen hatte ich ja schon mehrfach berichtet, nun hatte ich Gelegenheit, die Rösterei selbst zu besuchen.

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Fährt man zur St.Galler Martinsbruggstrasse 90, fällt dem Besucher als erstes die Tankstelle vor der Rösterei auf. Sie stellt ein Relikt aus den Tagen dar, in denen die Positionierung der Rösterei noch nicht so klar auf Qualität ausgerichtet war.

Das Kaffeelager
Das Kaffeelager

Seit fast drei Jahren wird Turm Kaffee nun von Roger Bähler geführt, einem gelernten Koch, der allerdings schon früh den Herd verliess, um in der Schweizer Lebensmittelindustrie seinen Erfolg zu suchen. So arbeitete er bei der Hero, dem führenden Schweizer Konfitürenhersteller und leitete zuletzt bei Maestrani, einem in der Schweiz sehr bekannten Schokoladenhersteller, den Verkauf. Anschließend in die Geschäftsführung der Turm Handels AG gerufen, wandelt er Turm Kaffee nun in einen Schweizer Qualitätsanbieter in Sachen Kaffee um.

Merkmal dafür ist u.a. eine strenge Schulung seiner Verkaufsmitarbeiter in den Bereichen Kaffeeanbau, Rösten, Sensorik und Maschinenkunde. “Meine Verkaufsmitarbeiter müssen mit Funkeln in den Augen über unseren Kaffee sprechen, um unsere Kunden zu überzeugen”, meint Bähler. Ihm selbst ist dieses Funkeln jederzeit anzusehen, denn mit grosser Begeisterung richtet er das Unternehmen auf das Ziel aus, eine der Schweizer Qualitätsröstereien zu werden. Die Vorgaben hinsichtlich der Qualität der Rohware durch den  Schweizer Kaffeeverband “ProCafe” überbietet Bähler gezielt. Auch sieht sich Bähler nicht als “Kaffeemaschinenvertrieb”, der zufällig auch noch den rechten Kaffee liefern kann, sondern definitiv als Premiumröster, der auf Gastronomen zielt, die die Kaffeequalität in den Vordergrund stellen und nicht die günstige Finanzierung einer Kaffeemaschine im Auge haben.

Um diesem Anspruch Rechnung zu tragen hat die Turm Handels AG vor

Der 200kg Probat Trommelröster
Der 200kg Probat Trommelröster

einiger Zeit die Rösterei Bogen in Schaffhausen übernommen. Wird in St.Gallen noch in großen Chargen produziert, so wird in Schaffhausen handwerklicher geröstet, hier werden die Röstvorgänge nicht nur am Computer überwacht, sondern der Röstmeister nimmt stets direkten Einfluß auf die jeweilige Röstung und kann so die einzelnen Charaktäre der jeweiligen Bohnen noch individueller ausarbeiten.

Bei meinem Rundgang durch die Rösterei zeigt mir Roger Bähler das Rohkaffeelager. Hier liegt auffällig viel Kaffee auf Lager, was allerdings auch damit zu tun hat, dass Turm Kaffee ein Notlager für den Zivilschutz der Schweizerischen Eidgenossenschaft vorzuhalten hat, nämlich 150 Tonnen, wie mir Bähler erklärt. In der Schweiz laufen verschiedene Dinge einfach noch anders als in Deutschland.

Die Verpackungsstrasse
Die Verpackungsstrasse

Die Verpackungs-strasse ist bereits um die 30 Jahre alt, sie soll im nächsten Jahr durch eine neue, moderne Anlage ersetzt werden, die mit dem gerösteten Kaffee auch pfleglicher umgeht, als es die jetzige tut. Auch hier scheint der Qualitätsanspruch Bählers durch. Geröstet wird in einem 200kg Trommelröster der Firma Probat, die verschiedenen Rohkaffees werden hier vor dem Rösten in entsprechenden Silos zu den gewünschten Kaffeemischungen zusammengeführt. Dieses Vorgehen ist vor allem für Mischungen geeignet, deren individuellen Eigenschaften man bereits ausführlich entwickelt und gesichert hat.

Im Rahmen der Qualitätssicherung werden jeden Morgen die jeweiligen Kaffees durch die Mitarbeiter der Rösterei und Roger Bähler selbst verkostet. Bähler will dabei auch die Sensorik seiner Mitarbeiter entwickeln, denn bei Maestrani hat er gelernt, dass schon kleinste Schwankungen in der Qualität den Geschmack des Produktes positiv wie negativ verändern können.

Für die Zukunft möchte Roger Bähler einige Bariste an sich binden, die

Der Schulungs- und Verkostungsraum
Der Schulungs- und Verkostungsraum

allerdings nicht nur einen hervorragenden Kaffee mittels einer Siebträgermaschine produzieren können, sondern auch alles über den Anbau, den Einkauf der Rohware und das Rösten wissen. Das heisst Bähler möchte wahre Kaffeespezialisten ausbilden, die die ganze Verwertungskette des Kaffees von der Pike auf gelernt haben.

Dass Bähler den richtigen Weg geht, zeigen mehrfach gewonnene Blindverkostungen auch gegen namhaftere Röstereien, die vielleicht einfach mehr Wert auf das “laute” Marketing legen, als dies Bähler tut. Bei Turm Kaffee bevorzugt man den Erfolg durch Kundenempfehlungen und Überzeugungsarbeit, denn dies ist nach Meinung Bählers das nachhaltigere Marketing.

Da sich Turm Kaffee auch mitterweile auf dem süddeutschen Markt bewegt, würde ich mich selbst sehr freuen, Turm Kaffee als Lieferant für das Kaffi Schopp zu gewinnen. “Logistisch kein Problem.”, wie mir Bähler versichert. Doch noch muss ich Roger Bähler vom Kaffi Schopp überzeugen, damit meine zukünftigen Gäste in den Genuss der Kaffees aus St. Gallen bzw. Schaffhausen kommen.

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