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Kaffeeszene Schweiz

"Caffè eccetera" Basel: der beste Espresso der Stadt

Gestern besuchte ich das “Caffè eccetera” in Basel, welches von Alfons Schuwey geführt wird.

Das "Café eccetera" in der Mittleren Strasse 26
Das "Caffè eccetera" in der Mittleren Strasse 26

Die Basler Zeitung schreibt über Schuwey:

Ein Kunde gibt vom Türrahmen aus ein Handzeichen Richtung Theke: Daumen und Zeigefinger formen einen Abstand von zwei Zentimetern. Dann setzt er sich draussen vor dem Café an ein Tischchen. Hinter der Theke beginnt die Kür des Besitzers und Baristas. Alfons Schuwey nimmt einen Siebträger (den der Laie Kolben nennt), klopft ihn ab, füllt ihn mit neun Gramm frisch gemahlenen Bohnen, drückt den Stempel darauf, spannt den Träger in der Maschine ein, hält eine vorgewärmte Espressotasse darunter und lässt während 25 Sekunden mit 9 Bar Druck zwischen 85 und 97 Grad heisses Wasser durchsickern. Fertig ist der 10-Punkte-Espresso. Gebraut in einem der unscheinbarsten Cafés der Stadt, im «eccetera» an der Mittleren Strasse 26. «Unsere Gäste sagen: Basels bester Espresso», steht auf einer Tafel vor dem Eingang. Eine Germanistikstudentin habe das da draufgeschrieben, sagt Schuwey. Er würde sich das nicht selber anmassen, auch wenn es seine Motivation sei, «jeden Tag den besten Café zu machen». 25 Sekunden Kontaktzeit zwischen Wasser und Kaffee sei ideal, um das Maximum an Geschmackstoffen, an ätherischen Ölen und ein Minimum an Bitterstoffen zu gewinnen. Das grösste Kompliment für den 50-Jährigen ist, wenn sich ein Italiener von ihm, einem Schweizer, einen Espresso machen lasse – und davon schwärme.

An diesem Nachmittag geht im «eccetera» eine Spezies ein und aus, von der man vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt: Kaffee-Freaks. Modisch in den 90ern steckengeblieben, kaffeetechnisch dem Rest der Welt um Jahre voraus. Er fahre für seinen Espresso mehrmals täglich aus dem Baselbiet hierher, sagt ein Gast mit sizilianischen Wurzeln. «Das ist ein Kleinod in Europa», sagt ein anderer, ein Hamburger, der via Liebhaberseite kaffeenetz.de auf diese Adresse kam. Er führte kürzlich eine ganze Gruppe Gleichgesinnter zu einem Offline-Forumstreffen hierher. Hauptattraktion: Die rundum aufgestellten bis zu 50-jährigen Kaffeemaschinen, die Schuwey repariert und vertreibt. Die Kaffee-Fans hätten selber Hand an diesen Maschinen anlegen dürfen, für viele die Erfüllung eines Traums.

"Büro" und mobile Werkstatt im Café eccetera
"Büro" und mobile Werkstatt im Café eccetera

Das ist es auch, was man als erstes sieht, wenn man das “Caffeè eccetera” betritt: eine Siebträgermaschine, die am offenen Herzen von Alfons Schuwey repariert wird – ich stehe in der Reparaturwerkstatt, die sich in einer Ecke, zusammen mit dem “Büro”, im eigentlichen Café befindet. Denn neben dem Kaffeeausschank vertritt Schuwey noch den Kaffee-maschinenhersteller LA SCALA in der Schweiz und vertreibt Dalla Corte Siebträgermaschinen. Und dass Schuwey über eine sehr ansehnliche Sammlung von FAEMA-Maschinen verfügt, hat sich dank Internet, wie im BaZ-Artikel beschrieben, auch jenseits des Rheins verbreitet (diese Sammlung steht allerdings in der benachbarten großen Werkstatt).

Bei Alfons Schuwey fühle ich mich sofort wohl. Das liegt nicht unbedingt an der etwas spartanischen Einrichtung seines Cafés, sondern aus der Mischung Werkstatt, Büro und Café, aber vor allem an Schuwey selbst. Schnell komme ich mit ihm ins Gespräch, er ist einfach ein aufgestellter Typ, wie man in der Schweiz sagt.

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Alfons Schuwey vor einem Samadhi-Bad

Nach einem ausführlichen Gespräch über seine Kaffee-Philosophie führt mich Schuwey in das Floatarium , zwei Nebenräume des “Caffè eccetera”. Hier stehen sog. Samadhi-Bäder. Dabei handelt es sich um zwei übergrosse, formschöne Badewannen, welche mit körperwarmer Sole aus medizinischem Bittersalz gefüllt sind. Schuwey spricht vom “Gebärmuttergefühl”, wenn man sich in der Sole schwebend entspannt. Auch wenn ich die Samadhi-Bäder nicht ausprobiert habe, glaube ich gerne, dass man hier vom Alltag abrücken kann.

Ich nutze dafür aber lieber den Espresso, der nach allen Regeln der Kunst auf seiner zweigruppigen Dalla Corte 20.03 zubereitet wird. Nachdem ich “den besten Espresso der Stadt” genossen habe, bestelle ich mir noch einen Cappuccino, den ich mit einer Latte Art Figur serviert bekomme. Man merkt es schnell: Schuwey liebt seinen Kaffee und zelebriert die Zubereitung zu Gunsten des Gastes.

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Perfekt serviert

Für seinen Espresso verwendet er hauptsächlich Quarta Caffè aus dem italienischen Lecce, hat in seinen drei Mazzer Mühlen aber auch Sombrero Espresso, einen Max Havelaar zertifizierten Kaffee der Birsfelder Rösterei Bertschi. Beide Espressomischungen weisen einen deutlichen Robustaanteil auf, wobei Schuwey ohnehin ein grosser Freund der Robustabohne ist. Den “Hype” um 100%ige Arabica-Kaffees kann er nicht immer nachvollziehen.

Meinen liebsten Espresso in Basel habe ich gefunden. Wer sowieso auf dem Weg in die Schweiz ist, sollte einmal in Basel Station machen und einen Besuch im “Caffè eccetera” (Mittlere Strasse 26) einplanen. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal dort.

Johannes Lacker

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