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Nachhaltigkeit bei Kaffee und das Ergebnis in der Tasse

Auf der Süsswaren-Messe ISM traf ich die deutsche Top-Barista Nana Holthaus-Vehse von Barista World. Wir kamen unter anderem auf das Thema Nachhaltigkeit zu sprechen, über welches Nana auf dem Wiesbadener Kaffeekongress referierte.

Nachhaltigkeit von Lebensmitteln ist ja gerade sowieso eines der wichtigsten Themen, auch in der Kaffeebranche. Einige erfolgreiche deutsche Start Ups haben sich gerade der Nachhaltigkeit von Kaffee verschrieben, so z.B. der Berliner Coffee Circle oder das Green Cup Movement aus Passau. Und natürlich sind auch die Grossen der Branche dabei, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit durch die Nutzung  von diversen Zertifikaten zu demonstrieren: Die Logos der Rainforest Alliance, Utz Certified und Max Havelaar findet man immer wieder auf den Kaffeeverpackungen von Jacobs, Tchibo und Co.

Nachhaltigkeit find ich gut. Wenn Nachhaltigkeit bedeutet, dass die Resourcen der Umwelt geschont werden, die Kaffeebauern faire Preise für Ihre Produkte erhalten und keine Kinder auf den Kaffeeplantagen arbeiten, gefällt mir Nachhaltigkeit umso besser.

Aber, Hand aufs Herz, haben Sie die Nachhaltigkeit von immer mehr Kaffees bisher jemals in der Tasse geschmeckt? Oder schmeckt der Kaffee, den Sie heute in der Gastronomie trinken, genauso wie der, den Sie gestern ausgeschenkt bekommen haben? Nur, dass er jetzt ein Zertifikat trägt?

Dass Nachhaltigkeit ein Riesenthema ist, macht sich in der Tasse leider nicht bemerkbar. Im Intergastra-Magazin (begleitend zur Gasto-Messe Intergastra) schreibt der Kaffeemaschinenhersteller Coffema, dass für perfekte Ergebnisse [in der Tasse] kein Profi notwendig sei. “Unsere Siebträger[maschinen] bieten serienmässig alle Unterstützung, die auch absoluten Anfängern erlauben, wie ein Barista zu arbeiten.”

Offenbar weiss die Fa. Coffema nicht, was die Arbeit eines Barista ist. Denn ein professioneller Barista drückt mehr als nur einen Knopf an der Maschine, die dann, ganz ohne weiteres Zutun einer Kaffeefachkraft, einen Kaffee extrahiert. Nein, ein Barista hat vor allem Fachwissen, welches er sich angeeignet hat. Fachwissen über den Rohstoff Kaffee, über seine Ernte, über die Aufbereitung und seine Röstung. Und schliesslich weiss ein professioneller Barista auch, wie man einen perfekten Kaffee zubereitet, ohne dafür eine Maschine einzusetzen. Dieses Wissen, welches sich der Barista angeeignet hat, ist in der Regel von Nachhaltigkeit geprägt, denn die Berufsehre gebietet es ihm (oder ihr), den bestmöglichen Kaffeegenuss für den Kunden zu kreieren und ihn für das Handwerk des Baristas zu begeistern.

Nachhaltigkeit find ich gut. Wenn sie auch in der Tasse ankommt. Nachhaltigkeit bedeutet eben auch, dass Kaffee von Profis zubereitet wird und nicht von irgendwelchen kurz angelernten Aushilfen, die gerade mal wissen, dass Kaffee schwarz und heiss sein muss.

Doch über diese Nachhaltigkeit lese ich bei den Grossen der Branche nichts. Ganz ehrlich, ich habe nur den Eindruck, dass es dort um die Nachhaltigkeit des kommerziellen Erfolgs geht. Nachhaltigkeit und Fair Trade sind einfach chic, deswegen wird der Nachhaltigkeits-Gaul über das Parkett gejagt. Professionelle Baristi und eine perfekte Kaffeezubereitung, die das Produkt Kaffee wertschätzt, kosten Geld. Also nimmt man lieber Abstand davon. Hier ist Nachhaltigkeit nicht gefragt. Oder täusche ich mich?

Übrings: Nachhaltigkeit, wie sie professionelle Baristi betreiben, können Sie an den Deutschen Baristameisterschaften im März in Mannheim sowie an den Schweizer Baristameisterschaften in St.Gallen im Februar erleben.

Lassen Sie sich Ihren Kaffee schmecken.

Johannes Lacker

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4 Responses to “Nachhaltigkeit bei Kaffee und das Ergebnis in der Tasse”

  1. Beim Essen sagt man, das Auge esse mit. Wenn man wie ich viel weiss über die Bedingungen, unter denen auch hochwertige Kaffees angebaut werden, dass Kaffeebauern nicht genug verdienen, ihre Kinder zur Schule zu schicken, Krankenversicherung ein Fremdwort ist, Familien in machen Regionen sogar hungern… dann trinkt bei mir das Gewissen mit. Dann nützt auch der beste Barista nichts, es kann noch so guter und seltener Kaffee sein, ich kann die Tasse nicht geniessen.
    Im Grunde ist die ganze Diskussion um Fairtrade und Nachhaltigkeit eine Diskussion über menschliche Selbstverständlichkeiten. Hier bei uns ist es selbstverständlich, dass Produzenten existenzsichernde Preise für ihre Produkte, dass alle entlang der Wertschöpfungskette einen gerechten Lohn für ihre Arbeit und genug zu essen bekommen. Beim Kaffee, Kakao, den Bananen gilt das aber eben nicht, der Schweizer Röster wird fair bezahlt, der äthiopische Pflanzer nicht. Der ist weit weg, hat keine Lobby. Es müsste selbstverständlich für alle sein, dass diese Verhältnisse sich ändern, den Kaffeehändler, das Restaurant, den Barista und den Kaffeetrinker. Und deshalb finde ich es gut, dass zunehmend über Nachhaltigkeit gesprochen wird – alles andere landet nicht in meiner Tasse,

  2. Mir wäre es am liebsten, wenn nicht nur über Nachhaltigkeit gesprochen und mit Nachhaltigkeit geworben, sondern vor allem nachhaltig gehandelt würde. Und das an allen Punkten der Wertschöpfungskette des Kaffees. Da gehe ich mit Ihnen völlig überein.

    JL

  3. Hallo Herr Lacker,
    Sie schreiben, es wäre Ihnen lieber, daß nachhaltig gehandelt würde, anstatt, daß mit Nachhaltigkeit Werbung gemacht wird.
    Wie gut, daß Sie keine Werbung betreiben mit der Nachhaltigkeit, in Ihrem Artikel……..

    S.

  4. Hallo Susi,
    wie darf ich Ihren Kommentar verstehen?
    Johannes Lacker

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